Brot und Spiele

Brot und Spiele

Mit Brot und Spielen ließen sich bereits die alten Römer ruhigstellen. In der Neuzeit gibt es passende Alternativen zur Unterhaltung.

Abseits der Pfade

Die letzten vier Tage waren meine Frau und ich im Urlaub an der Mosel. Etwas Ruhe vor der Spiel in Essen. Aber auch als eine Art innere Einkehr, dazu noch mit der Option, viel zu wandern. Aufmerksamen Leserinnen und Lesern wird es vermutlich nicht schwerfallen, unseren Urlaubsort zu erraten. Die Kurzgeschichte der letzten Tage siedelte ich nicht zufällig in Kobern-Gondorf an. Zu beschreiben, was man kennt, ist tatsächlich einfacher. Nur beim Bäcker habe ich mich dann etwas vertan, denn es gibt noch einen weiteren, der bisher nicht geschlossen ist. Dafür ist dann ein Supermarkt weniger im Ort und ein vor zwei Jahren noch existierendes Restaurant ist komplett verschwunden und zu einer Freiparkfläche geworden.

Zurück aber zum Bäcker. Was Brot angeht, sind meine Frau und ich wählerische den je geworden. Am Anfang meines Studiums ernährte ich mich ausschließlich von Vollkornbrot, das ließ leider später etwas ein. Seid dem wir wieder umgestellt haben, geht es mir gesundheitlich deutlich besser. Wir nahmen also nicht nur unsere Reisespielesammlung mit, sondern auch eigenes Brot aus der Biokiste von letzten Donnerstag. Das hielt bis heute morgen durch, ohne ausgetrocknet zu sein oder fade zu schmecken. Spricht eindeutig für das Brot.

Brot essen und spielen
Ausblick auf die Niederburg

Anspielung mit Brot

Die Anspielung mit Brot und Spiele im Titel rührt aber eigentlich von etwas anderem her. Ganz ehrlich müssen meine Frau und ich gestehen, dass wir Köln etwas überdrüssig geworden sind. Mir geht diese Selbstverliebtheit der Menschen hier gehörig auf die Nerven, genau so wie Nachbarn, die einen nicht grüßen. Und das, obwohl man mehr oder weniger Wand an Wand wohnt.

In Kobern-Gondorf wurden wir von uns unbekannten Wanderern genau so begrüßt wie von Schulkindern. Köln versucht, laut und strubbelig seine Schwächen zu überspielen. Ständig irgendwo Unterhaltung, ganz anders als der sterbende Ort an der Mosel. Dennoch, dort kann man durchatmen. Leider nicht für besonders lange, denn mir fallen schnell die Berge auf den Kopf. Ich brauche weites Land genau so wie gutes Brot.

Im Urlaub sind mir die vielen Vorberichte zur Spielmesse in Essen aufgefallen. Teilweise auch wieder Berichte und Videos, bei denen weniger die Spiele als diejenigen im Vordergrund standen, die darüber versuchten zu berichten. Eine unangenehme Art der Überdrehtheit. Bescheidenheit, Selbstironie — immer häufiger vermisse ich das. Ein Grund, warum ich fast ausschließlich englisches Rezension-Videos anschaue. Statt Brot und Spiele gibt es bei uns Fastfood und Fernsehen. Aber das ist an dieser Stelle wirklich zu weit hergeholt.

Meinen Frust sollte ich auch an anderer Stelle abladen und mich stattdessen auf den morgigen Messetag freuen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren