Freitag ohne Zukunft

Freitag ohne Zukunft

Weltweit sind am Freitag Millionen von Menschen für den Klimaschutz auf die Straße gegangen. Die Proteste wirken angesichts politischer Entscheidungen nur anrührend.

No Future

Die Anzahl Menschen, die der Klimawandel Angst einjagt, nimmt stetig zu. Mittlerweile treibt es auch Millionen von Menschen auf die Straße, selbst in Ländern wie Afghanistan. Währenddessen stellt die Bundesregierung ein Klimapaket vor, als wäre der Klimaschutz nur ein Randthema. Als die Punks in den 1980er Jahre „No future!“ skandierten, nahmen sie die meisten wohl zurecht nicht ernst. Dagegen kann „Fridays for Future“ nicht ernst genug genommen werden. Statt eines diffusen Gefühls vor etwas über 30 Jahren gibt es für den Klimawandel fundierte wissenschaftliche Belege. Hinzu kommt noch die subjektive Wahrnehmung, wie sich selbst in unseren Breitengraden das Wetter zunehmen verändert.

Das am vergangenen Freitag auch in Deutschland viele Menschen protestiert haben, ist richtig und wichtig. Anscheinend aber ist noch mehr Druck auf politische Entscheidungsträger erforderlich.

Ganz persönlich hätte ich am Freitag in Köln auch die Gelegenheit gehabt, mich an Protesten zu beteiligen. Wann und wo sie stattfinden, ließ sich nicht übersehen — dafür wurde in unserer Nachbarschaft ordentlich plakatiert. Im Übrigen mit Plakaten und Aufklebern, die sich nicht mehr richtig entfernen lassen – aber das nur am Rande.

Freitag gestreift
Jeder wählt seinen Weg

Jeder Tag ein Freitag

Für mich war der Freitag jedoch ein ganz normaler Arbeitstag. Nicht aus Trotz, sondern sowohl aus einer Notwendigkeit heraus als auch aus Überzeugung. Die Notwendigkeit ist schnell erklärt. Wer wie ich im Homeoffice arbeitet, ist auf gewisses Weise ziemlich privilegiert. So was möchte ich weder verspielen noch überstrapazieren. Auch arbeite ich nicht für eine große Firma, sondern in einer kleinen Agentur. Dort kann die Teilnahme an solchen Protesten wie am Freitag schon mal existenzbedrohend sein. Ich denke, man wird mir das daher verzeihen, wenn ich nicht meine Arbeit niederlege, um mich den Protesten anzuschließen. In meiner Freizeit würde das anders aussehen, wobei wir da dann an der Stelle mit den Überzeugungen sind.

Wie bereits gesagt, ich halte Fridays for Future im Wesentlichen für wichtig und richtig. Insbesondere das junge Menschen, Schülerinnen und Schüler auf die Straße gehen und sich engagieren, finde ich gut.

Bei uns älteren reicht das aber nicht aus, sondern wirkt schnell wie eine Form des Ablasshandels. Insbesondere auch meine Generation hatte jahrelang Zeit, aktiv etwas zu unternehmen, um dem Klimawandel etwa entgegenzusetzen. Bereist Anfang der 1990er Jahre gab es genügen warnende Stimmen – die aber viele nicht hören wollten. Damals war ich im Naturschutz aktiv und wurde zunehmend frustrierter. Den meisten gleichaltrigen ging das Thema Umweltschutz krass gesagt am Arsch vorbei.

Keine Eintagsfliegen

Mich haben die damaligen Erfahrungen geprägt. Daher bin ich davon überzeugt, dass ein Freitag mit etwas Protest nicht ausreicht. Es ist auch ehrlich gesagt daneben, von Politikern Maßnahmen zu fordern, jedoch gleichzeitig nicht am eigenen Verhalten zu arbeiten. Klimaschutz gibt es nicht zum Nulltarif. Jeder von uns wird betroffen sein, muss mit Einschnitten rechnen. Und das führt mich zu einem ganz entscheidenen Punkt: Es ist gar nicht erforderlich, auf ein Maßnahmenpaket der Bundesregierung zu warten. Wir haben alle Möglichkeiten selber in der Hand, jeden Tag. Denn genau jeden Tag treffen wir eine Vielzahl von Entscheidungen, die jede für sich Einfluss auf das Klima haben.

Wir wählen das Verkehrsmittel, mit dem wir zur Arbeit oder zum einkaufen fahren. Wir entscheiden uns, was wir wie verpackt kaufen. Wohin wir in den Urlaub reisen. Woher unser Essen kommt und unter welchen Bedingungen es produziert wird. Auch haben weitere Konsumentscheidungen große Auswirkungen.

Natürlich kann man darauf warten, dass Vorschriften gemacht werden, die aber nach dem Prinzip „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass“ funktionieren. Beziehungsweise in Bezug auf den Klimawandel eben nicht funktionieren werden. Entweder weil sie nicht ausreichen oder aber zu spät kommen.

Viele kleine Menschen

Zugegeben, das nachfolgende Zitat ist schon reichlich verbraucht, wurde auch in der Vergangenheit deutlich überstrapaziert.

Viele kleine Leute in vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.

Letztendlich läuft es aber genau darauf hinaus. Klimaschutz muss nicht von oben diktiert werden, sondern kann von unten bewerkstelligt werden. Wir sind die Masse, die durch ihre Entscheidungen Veränderungen zum Positiven oder auch Negativen bewirken kann — jeden Tag, nicht nur an einem Freitag.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren