Der Verräter aus Oslo

Der Verräter aus Oslo

Vom Autor Ingmar Johnstrud stammt der skandinavische Krimi Der Verräter. Die Premierenlesung der deutschen Ausgabe gab es gestern zu Crime Cologne in Köln.

Skandinavier morden anders

Als in unserem Haushalt im Hochsommer die Veranstaltungen im Programmheft der Crime Cologne studiert wurde, gab es nicht überstimmbare Entscheidung meiner Frau. Sie wollte eine Portion Nordic Noir. Persönlich bin ich eher weniger ein Freund von skandinavischen Krimis. Wobei, um ganz ehrlich zu sein, eigentlich mag ich fast keine ausländischen Krimis. Meiner Meinung nach sind Krimis ganz spezielle Konstruktionen, die im besten Fall ein Spiegelbild der Gesellschaft sind, in der sie spielen. Bei Lokalkrimis eher auch deutlichem seichterem Niveau, bei anderen geht schon spürbar in Richtung politische Berichterstattung. Quasi ein Kommentar zur aktuellen Lage in einem Roman verpackt. Ein gutes Beispiel wäre hier etwas „Die schützende Hand“ von Wolfgang Schorlau.

Natürlich sollte man immer über den eigenen Gartenzaun schauen. Bei der begrenzten Anzahl an Krimis, die ich lese, bleibe ich aber ganz gerne im eigenen Land. Meine Frau ist da deutlich breiter aufgestellt. Hauptsache Krimi.
Wie dem auch sei, ich lasse mich ja auch gerne überreden, selbst wenn mir Kretin weder der Name Ingar Johnsrud noch dessen deutsche Lesestimme Dietmar Wunder etwas sagte.

Der Verräter ist ertrunken
Tatort am Wasser

Der Verräter muss essen

Vor der Krimilesung mit Der Verräter, Ingar Johnsrud, Dietmar Wunder und der Moderation durch Angela Spizig gab es allerdings noch eine Herausforderung zu meistern. Aus Erfahrung wissen meine Frau und ich mittlerweile, dass des keine gute Idee ist, mit hungrigem Magen zu einer Lesung zu gehen. Selber kochen fiel aus zeitlich Gründen aus, daher wollten wir uns irgendwo etwas auf die Schnelle besorgen. Allerdings sollte das auch möglichst ohne Fleisch sein und nichts, was man noch Tage danach bereut.

Hungrig nach einem Restaurant in Köln zu suchen, ist keine gute Idee. Zumal wir auch noch in der Nähe des Veranstaltungsortes bleiben wollten. Fündig wurden wir dann dennoch etwas abseits beim frittenwerk. Handgemachte Pommes auf kanadische Art, persisch inspiriert mit Falaffelbällchen und pinken Humus. Bei so einem Essen wusste ich, auch der Rest des Abends musste einfach gut werden.

In der Mayersche Buchhandlung sah es dann anders als erwartet aus. Noch zwei Wochen vorher bei Klaus-Peter Wolf ging die Bestuhlung fast bis zur Wand, viele Plätze waren bereits eine Stunde vorher belegt. Gestern Abend dagegen gab es nur eine Handvoll Stühle zusätzlich zu den Kinosesseln. Mir wurde dann klar, wie speziell Ingar Johnsrud möglicherweise sein musste.

James Bond liest vor

Als die Moderatorin Ingar Johnsrud dann Dietmar Wunder vorstellt, begriff endlich, woher ich zumindest seine Stimme her kannte. Der Schauspieler und gelernte Augenoptiker Wunder ist die deutsche Sychronstimme von Daniel Craig. Den von Johnsrud erwähnten ehemaligen Bürgermeister in der ersten Stuhlreihe habe ich allerdings nicht gesehen.

Geboten wurde eine Mischung aus Interview und Lesung, die ich gelungen fand. Während Wunder aus der deutschen Fassung von Der Verräter vorlas, gab es von Ingar Johnsrud einzelne Passagen auf Norwegisch. Das klingt friedlich, sehr friedlich im Anbetracht der harten Handlung.

Die Geschichte selber war so spannend, dass ich wohl nicht um die insgesamt drei Romane herumkommen werden. Der ehemalige Journalist Johnsrud mischt Politik mit intensiven Beschreibungen, detaillierten Beobachtungen und guten Figuren.
Als angenehm empfand ich auch die gut vorbereitete Moderatorin Angela Spizig. Ihre Fragen ließen den Schluss zu, dass sie sich mit den Krimis und der Biografie von Johnsrud ernsthaft auseinandergesetzt hat.
Auf jeden Fall möchte ich dringend wissen, wie bei Der Verräter weitergeht — Cliffhanger genug gab es in der Lesung.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren