Tierwohl zu Abstimmung

Tierwohl zu Abstimmung

In der Diskussion um das Tierwohl wird der Einfluss der Konsumente deutlich unterschätzt. Jeder kann über sein eigenes Einkaufsverhalten abstimmen.

Sinn und Unsinn eines Labels

Der Begriff Tierwohl ist derzeit, sorry für den Kalauer, in aller Munde. Eine Selbstverständlichkeit kommt daher wie ein Modethema. Dabei sollte es eigentlich selbstverständlich sein, dass die Tiere unter artgerechten Bedingungen aufwachsen, wenn sie denn schon für unseren Speiseplan ihr Leben lassen werden.

Meine Oma pflegte immer zu sagen: „Säule nie ein Tier zum Scherz, denn es fühlt genau wie du den Schmerz.“ Nun ja, damals hatte man einen etwas robusteren Umgang mit Tieren. Zu Hause hatten wir eine ganze Zeit lang Hasen, die wurden gefüttert, gestreichelt und landeten am Ende als Braten im Ofen. Schmeckt im Übrigen sehr gut in Rotweinsauce.

Wie dem auch sei, beruflich habe ich den einen oder anderen Berührungspunkt der Initiative Tierwohl, ein Label, was auch Kunden von uns verwenden. Man kann zum Label auf der dazugehörigen Website einiges lesen. Letztendlich aber ist das wie mit der Religion. Man muss schon glauben können, denn nachhaltige Beweise bleiben aus.

Klar, es gibt mittlerweile die Möglichkeit, über den QR-Code einer Fleisch- beziehungsweise Wurstverpackung einiges herauszufinden. Ein echter Blick hinter die Kulissen ist das allerdings nicht. Auch ein Label wie Bioland gibt keine Garantien, wie dieser Bericht von RTL zeigt.

Tierwohl im Kochtopf
Tierwohl im Kochtopf

Trügerisches Tierwohl

Man kann den Menschen nur vor den Kopf schauen. Übertragen bedeutet dass wohl so viel wie: Wenn man selber nicht in den Ställen gewesen ist, weiß man nie, wie es um das Tierwohl wirklich bestellt ist. Streitpunkt beim Tierwohl bliebt auch die Definition. Also der Umstand, ob wenige Zentimeter mehr im Stall das Tier wirklich glücklich machen oder ob es nicht viel lieber im Stroh oder auf der Wiese sein würde.

Für mich persönlich wird der Einkauf von Lebensmittel nicht leichter. Aber mir wird eine Entscheidung abgenötigt. Ich kann entweder den Kopf (weiterhin) in den Sand stecken oder aber mich bewusst entscheiden. Jeder von uns kann an der Fleischtheke nachfragen. Wenn einem die Antwort nicht gefällt oder sie einem verweigert wird, kauft man woanders oder verzichtet ganz.

Wir müssen uns bei all dem auch im Klaren sein, dass es einen Zusammenhang zwischen Angebot und Nachfrage gibt. Solange die Konsumenten billige XXL-Schnitzel haben wollen, bekommen sie genau die. Mit anderen Worten, unsere Nachfrage nach viel und billigem Fleisch bestimmt auch, unter welchen Bedingungen die Tiere leben.

Am besten wäre es, man würde weniger Fleisch bewusster kaufen. Ja, das ist dann teurer. Aber es muss nicht jeden Tag auf den Tisch. Man isst es mit Genuss. Und ja, das sollte auch bei Familien mit geringerem Einkommen möglich sein. An zwei Tagen die Woche Fleisch wäre eine Option.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren