Lesestoff für zwei Wochen

Lesestoff für zwei Wochen

Für Leseraten bedeutet Urlaub immer Stress in Bezug auf ihren Konsum. Der Lesestoff für die freien Tage sollte gut geplant werden.

Gewichtige Rolle

Im Urlaub spielen Bücher für manche Menschen eine gewichtige Rolle. Mich schließt das ein, denn einen Urlaub ohne Lesestoff kann ich mir nicht vorstellen. Das mit der gewichtigen Rolle ist in anderer Hinsicht auch relevant, nämlich dann, wenn es um das tatsächliche Gewicht der Urlaubsbibliothek geht. Die Lektüre will geschleppt und untergebracht werden. Dabei muss man genau abschätzen, ob der Lesestoff für den Urlaub auch ausreicht. Nichts ist schlimmer, als wenn der einem ausgeht ohne Möglichkeit, an Nachschub zu gelangen. Ja, es gibt elektronische Lesegeräte, die solche Planspiele komplett überflüssig machen. Und ja, auch ich lese überwiegend mit meinem eBook-Reader. Platz ist nicht nur im Urlaubskoffer begrenzt, sondern auch in der eigenen Wohnung. Schmerzlich bewusst wird mir das wieder mal beim aussortieren von Büchern aus der zweiten und dritten Regalreihe.

Im letzten Jahr nahm ich dann trotzdem im Sommerurlaub einige Taschenbücher mit. Mit Sand am Strand ist nicht zu spaßen. Vor allem kann man ein Taschenbuch beim Gang im Wasser gefahrlos liegen lassen, es bekommt eher selten Beine. Wie dem auch sei, für Föhr entschied ich mich diesmal anders. Mein iPad mini blieb zu Hause, für den Tolino kaufte ich einen Schutzbeutel — den ich mangels Badetag dann doch nicht brauchte.

Lesestoff zum nachdenken
Lesestoff zum nachdenken

Auswahl an Lesestoff

Mal so richtig im Urlaub abschalten. Dank ultra-langsamen WLAN in der Ferienwohnung wurde das Wirklichkeit. Im Ernst, ich ließ das iPad mini bewusst zu Hause, um mich beim lesen ganz auf das Lesen konzentrieren zu können. Da ich mindestens vier Bücher mitnehmen wollte, stand auch schnell fest, das in elektronischer Form mit dem Tolino zu machen. Der Lesestoff hätte andernfalls nicht in den Koffer gepasst.

Aber gut, das sind alles rein logische Überlegungen, die mit der Auswahl der Titel rein Garnichts zu tun haben. Wie sah er also aus, mein Lesestoff für den Sommer 2019?

Direkt auf der Hinfahrt fing ich mit „Neujahr“ von Juli Zeh an. Anderthalb Stunden vor Föhr hatte ich das Buch bereits durch. Zu „Neujahr“ gibt es sehr unterschiedliche Meinungen. In der Neuen Zürcher Zeitung kam er wie in der Frankfurter Rundschau nicht so gut weg. Karin Janker in der Süddeutschen Zeitung hält Neujahr dagegen für „vielleicht Juli Zehs bislang bestes Buch“. Das sehe ich auch so.

Literarisch anspruchsvoll ging es dann im Urlaub weiter mit „Die Hauptstadt“ von Robert Menasse. Die ganze Diskussion um den Autor und gefälschte Zitate spare ich mir an dieser Stelle, ich las das Buch ganz ohne Vorurteile. Es ist ganz klar ein sehr europäisches, durchaus lesenswertes Buch.

Känguru als Randnotiz

Bisher auf dem Stapel der ungelesenen Bücher lag bei mir „QualityLand“ von Marc-Uwe Kling. Tja, von den vier Romane war das eindeutig die einzige Enttäuschung. Literarisch ohne Anspruch, unterhaltsam nur begrenzt. Am Rande kam wieder das Känguru vor — kein Wunder, wenn der Autor Ideen recycelt. Für mich ist QualityLand das bisher schwächste Buch von Marc-Uwe Kling. Thematisch — lassen wir das, es ist unnötig, wittert Worte darüber zu verlieren.

Mit Genuss habe ich mich im Anschluss daher auf „Tyll“ von Daniel Kehlmann gestürzt. Erschreckend gut und nah bekommt man ein Gespür für den Dreißigjährigen Krieg. Immer wieder trifft man auf Spuren von Tyll Ulenspiegel, mal aus seine Sicht, mal aus dem Blickwinkel ander Figuren. Des macht auch Spaß, über das Buch hinaus die Fakten zu recherchieren und festzustellen, dass es jenseits von Game of Thrones tatsächlich einen Winterkönig gab.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren