Leiser Abgang, Teil 6

Leiser Abgang, Teil 6

Langsam verebbte die Wut in Stephan und er spürte den Hunger, der sich im Laufe des Tages aufbaut hatte. Nur morgens in aller Eile frühstücken, um dann tagsüber keine Zeit für eine weitere Mahlzeit zu finden, reichte seinem Körper nicht.

Die Schwindelanfälle wurden in letzter Zeit häufiger. Erst wurde ihm schlecht, dann schwarz vor den Augen. Für einen Moment musste Stephan sich aufs Sofa setzen, auf dem schon länger niemand anderes mehr Platz genommen hatte. Tiefes durchatmen, den Hunger beiseite schieben. Gleich würde es wie immer wieder besser gehen.

Versuch einer Aussprache — Vater
Schuhe ohne Vater

Es gab weder einen Plan abzunehmen noch hatte Stephan vor, mit Gewalt weniger zu essen. Frühstück fand immer unter Zeitdruck bei ihm statt, selbst am Wochenende konnte er die Mahlzeit nicht in Ruhe genießen. Im Büro ließ er sich von seiner Arbeit so ablenken, dass er dabei alles vergaß. Erst zu Hause schlug es dann wie Wellen Wieder über ihn zusammen.

Langsam schleppte er sich in die Küche, hielt das Bild mit den über ihn zusammenschlagen Wellen fest. Es erinnert ihn an seinen erbärmlichen Versuch, mit seinem Vater über Früher zu sprechen. Während seines Studiums besuchte Stephan seine Eltern noch regelmäßig. Weniger aus Pflichtgefühl denn wegen der Waschmaschine, die er nicht besaß.

Bei einem dieser Besucher hatte er mit seinem Vater auf der Terrasse gesessen, sich an seinem Wasser festgehalten, während sein Vater Bier trank. Als Stephan das Gespräch versuchte in eine bestimmte Richtung zu lenken, wurde sein Vater grundsätzlich, so wie immer. Martin Leiser interessierte sich vor allem für Politik, Frieden und die Ungerechtigkeit in der Welt. Die eigenen Ungerechtigkeiten gegenüber seinem Sohn sah er nicht.

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über Thomas Boley


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Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren