Leiser Abgang, Teil 2

Leiser Abgang, Teil 2

Viele Jahre früher fiel ein Eis zu Boden und ein elfjähriger Junge bekam dafür von seinem Vater eine gescheuert. Seine jüngere Schwester stand neben ihm und schaute ganz bewusst in eine andere Richtung.

Stephans Mutter kommentierte das Ganze lakonisch mit den Worten „Das hast du jetzt davon!“.

Das Gesicht von Stephan lief rot an. Tränen liefen ihm über beide Wangen. Er stand kurz davor, unkontrolliert zu heulen. Seine Wut hielt ihn zurück. Die Fingernägel seiner geballten Fäuste drückten ins Fleisch. „Ich wünschte ihr währt beide tot!“

Die darauf folgende Ohrfeige ließ ihn wanken. Unbeteiligte Zuschauer sahen in Stephan nur ein trotziges Kind, welches seine zu der Zeit üblichen gerechten Strafe erhalten hatte. Sie kannten auch nicht die Vorgeschichte. Möglicherweise hatten sie nur mitbekommen, wie Stephan das Eis aus der Hand seiner Schwester reißen wollte. Woraufhin es zu Boden fiel. Allerdings weinte das fünfjährige Mädchen daraufhin nicht. Warum auch, denn im Grunde war es eigentlich nicht ihr Eis, was sie ziemlich genau wusste.

Was ich mir wünsche
Ohrfeige

Ursprünglich war das Eis ein YPS-Heft gewesen. Stephan hatte es sich von dem Geld gekauft, was ihm sein Großvater beim letzten Besuch zugesteckt hatte. Im Gegensatz zu anderen Kindern brauchte Stephan Leiser mit seinen Eltern nicht über sein Taschengeld zu verhandeln. Es gab einfach keins. Seine Eltern sahen es nicht gerne, wenn er Geld vom Großvater bekam und sich davon auch noch solche Hefte kaufte.

Martin Leiser hatte daher das Heft im Kiosk zurückgegeben und sich den Betrag als Eis auszahlen lassen. Jenes Eis, welches Martina dann bekam.

Jetzt heulte Stephan doch. Während er stehen blieb, gingen seine Eltern mit Martina einfach weiter. „Du bekommst ein neues Eis“, hörte er seinen Vater zu seiner Schwester sagen.

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über Thomas Boley


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Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren