E-Scooter als Armutsfalle

E-Scooter als Armutsfalle

Wie Pilze schießen E-Scooter in deutschen Innenstädten aus dem Boden. Die Modeerscheinung wird dauerhaft aber nur Verlierer produzieren.

Kölner Lichter typisch deutsch

Die unsäglichen Kölner Lichter markieren in der Domstadt nicht nur den Beginn der Sommerpause. Die ist ganz wörtlich zu nehmen, denn mit Beginn der Schulferien bis etwa Ende August kehrt so was wie Ruhe in die Millionenstadt ein. Man merkt das ganz deutlich etwa hier in der autofreien Siedlung. Es ist heute einer der ruhigsten Wochen seit Monaten. Kein Wunder, denn viele Kinder sind mit ihren Eltern in die Ferien gefahren. Wenn man so will, leben wir aktuell in einem Geisterdorf.

Köln selber ist natürlich nicht ausgestorben, aber die Anzahl der Veranstaltungen in den Sommerferien ist spürbar weniger geworden. Ein Indiz dafür sind die Ausgaben Juli und August der StadtRevue, der in Bikini-Figur daher kommen — also ziemlich abgespeckt sind.

Zurück aber zu den Kölner Lichtern. Gestern wurde ein Foto bei Facebook geteilt, was eine für Deutsche typisch Situation zeigte. Zwei Frauen hatten mit einem Rollator und einem E-Scooter schon am späten Nachmittag einen Bereich abgegrenzt, den sie für sich und Zen andere Menschen reservieren wollten. Inklusive privatem Absperrband. Also so was wie Handtuch 2.0 am Badestrand. Der E—Scooter wurde dabei selbstverständlich zweckentfremdet und stand dort, wo er ehedem nicht hingehört: mitten auf dem Bürgersteig. Damit sind wir dann aber gleich schon beim eigentlichen Thema. Die unsägliche neue Art der Faulbewegung.

Feiern ohne E-Scooter
Feiern ohne E-Scooter

Kölner Plage E-Scooter

Persönlich sehe ich in E-Scootern keinen Mehrwert. Sie sind als Fortbewegungsmittel kein Ersatz für Fahrräder, mit denen man allerlei zusätzliches transportieren kann. Sie dienen lediglich als Gehhilfe für Fußfaule, allerdings mit einer erheblichen Geschwindigkeit. Daher gibt es gute Gründe, warum E-Scooter auf dem Gehweg nichts verloren haben. Was aber zahlreiche Nutzer nicht davon abhält, auf der Domplatte damit herumzufahren. Wer die Situation vor Ort kennt, weiß, wie hoch auch ohne zusätzliche Fahrzeuge dort das Gedrängel ist.

Meiner Meinung nach sind die E-Scooter auch keineswegs besonders gut für den Umweltschutz. Im Gegenteil. In ihnen steckt ein aufwendiger Akku, der regelmäßig geladen werden muss. Tja, und da kommt dann die Frage auf, wie und wann das passiert, denn je nach Leistung ist nach 10 bis 25 gefahrenen Kilometern Schluss mit dem davonrollen.

Hier in Köln etwa entstehen dadurch neue prekäre Job für Menschen, die etwa für Lime (einem der Anbieter) in Selbstständigkeit die Scooter aufladen wollen. Etwa vier Euro soll man pro Scooter erhalten, denn man wieder auflädt. Dabei muss man die Kosten für Strom und den Transport selber bezahlen. Der ideale Nebenverdienst für Hermes-Paketzusteller, die nachts noch nicht ausgelastet sind. Urbanes Leben neu entdecken heißt auch, die Schattenseite betrachtet. Also auch Lieferwagen, die nachts die Scooter zum Aufladen einsammeln und natürlich mit Benzin oder Diesel gefahren werden.

One Reply to “E-Scooter als Armutsfalle”

  1. Eine Freundin von mir hat nach ihrer ersten Begegnung mit einem Elektroroller auf dem Bürgersteig ein gerissenes Innenband und Krücken. Die Begeisterung hält sich in Grenzen.
    Interessant ist wirklich, dass ich bislang nicht einen wirklich positiven Eindruck zu den Dingern gelesen habe. Zumindest nicht von Leuten, auf deren Meinung ich was gebe…

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren