They Shall Not Grow Old

They Shall Not Grow Old

Ein Film von Peter Jackson über den Ersten Weltkrieg. Damit ist über They Shall Not Grow Old im Prinzip leider alles gesagt.

Weltkrieg in Farbe

Ganz klar muss ich mich bemühen, dass Kinoerlebnis gestern vom Film They Shall Not Grow Old zu trennen. Wobei der Begriff „Kinoerlebnis“ eigentlich die Umstände nur unzulänglich beschreibt. Aber der Reihe nach. Meine Frau und ich sind keine regelmäßigen Kinogänger. Wir mögen den Mainstream nicht, Filme in 3D kommen für uns genauso wenig in Frage wie zappelnde Teenager auf den Sitzen nebenan.

Zu unserem Glück gibt es in Ehrenfeld ein passendes Kino für uns, das Cinenova. Für Vorstellungen kann man online Plätze reservieren, bezahlen und die Tickes selber ausdrucken. Bezahlt wird via Paypal. Alles total einfach, ganz anders etwas als beim Cinedom. Beim letzten Mal, als wird Ort einen Film — auch vergessen wir das lieber an dieser Stelle.

Genial ist auch, dass dem Cinenova ein Bio-Restaurant angeschlossen ist. Zu moderaten Preisen bekommt man dort gutes Essen mit Herkunftsnachweis. Und der Services stimmt auch noch. Gestern Abend genossen wird im Sommergarten dort unser Schnitzel, bevor es gegen 20:30 Uhr in den Film They Shall Not Grow Old gehen sollte. Thematisch waren wir beide auf das, was uns erwarten würde vorbereitet, dachten wir.

They Shall Not Grow Old
They Shall Not Grow Old

Mängel von They Shall Not Grow Old

Eine 90 Minütigen Dokumentation mit Orginalmaterial in einer Neubearbeitung sollte They Shall Not Grow Old sein, dachte ich. Bewegte Bilder von vor 100 Jahren in Farbe, eine Dokumentation über den Ersten Weltkrieg. Was zum Henker einige der anderen Kinobesucher in den Film getrieben hat, blieb mir ein Rätsel. Während des Films am Handy herumzuspielen oder Popcorn zu essen, während die Kamera tote Soldaten zeigt, ist meiner Meinung nach pietätlos.

Auch fand ich das gezeigte nicht annähernd zum lachen, andere aber offensichtlich schon.
Dieses Kinoerlebnis sollte jedoch auf They Shall Not Grow Old selber abfärben. Denn eigentlich steht der Film im Mittelpunkt. Ich hatte hochgesteckt Erwartungen, jedoch meine Hausaufgaben nicht vollständig gemacht. Die genauen Umstände der Produktion führte ich mir erst heute morgen zu Gemüte.

Um es auf den Punkt zu bringen: Meiner Frau und mir hat der Film nicht gefallen. Sicher, es ist bewegend, Aufnahmen aus dem Ersten Weltkrieg in Farbe zu sehen. Daraus wird aber weder ein guter Film noch eine Dokumentation. Es fehlt komplett jegliche Einbettung, es gab nur Augenzeugenberichte in Originalton mit deutschen Untertitel. Also keine wissenschaftliche Aufarbeitung, nichtmal ein roter Faden.

Effekthascherei von Peter Jackson

Es heißt, Peter Jackson habe den Film aus persönlichen Motiven heraus gemacht. Seine Absichten will ich ihm nicht in Abrede stellen. Aber gut gemeint ist eben noch lange nicht gut gemacht. Es gab zu den Bildern keine zeitliche oder örtliche Einordnung, auch nicht an welchem Abschnitt der Front gerade gekämpft wurde.

Ohne Vorwissen ist man den Bildern hilflos ausgeliefert. Sie perlen an einem ab, weil sie keine Bedeutung haben. Aufgrund der erwähnten 320 Panzer im Einsatz vermute ich, dass das Material aus der Schlacht um Cambrai stammt. Die fand vom 20. Nov. 1917 bis zum 6. Dez. 1917 statt.

Die Originalaufnahmen waren ohne Ton. Man hatte offensichtlich kein Problem, das Filmmaterial nachträglich zu vertonen und einzelnen Soldaten Sätze in den Mund zu legen. Noch verstörender waren jedoch die Geräusche des Artilleriebeschuss. Neu erfunden von Jacksons Tontechniker hämmert ein heftiger Sound durch den Kinosaal.
Die angebliche seriöse Recherche merkt man dem Film leider nicht an. Es gibt eine ganz reihe wirklich gute Dokumentation über den Ersten Weltkrieg. Die zeigen zwar überwiegend nur schwarz-Weiß Material oder nachgestellte Szenen, aber helfen dafür, das Geschehen wirklich zu begreifen. Für den Einsatz etwa im Schulunterricht halte ich den They Shall Not Grow Old für ungeeignet.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren