Dicke Kartoffeln

Dicke Kartoffeln

Brettspiele sind genau wie viele andere Produkte auch Moden unterworfen. Um so erfreulicher sind zeitlose Klassiker wie etwa Dicke Kartoffeln.

Gruß aus 80er Jahren

Angesichts des Klimawandels sind dicke Kartoffeln in Zukunft vermutlich eher unwahrscheinlich. Dabei wusste man bereits vor über 30 Jahren um die Zusammenhänge. Um so unbegreiflicher ist es daher, wenn nach wie vor Politiker und andere Menschen den Klimawandel leugnen. Die Folgen sind deutlich spürbar. Temperaturen um 40 Grad werden im Sommer in Deutschland vermutlich der Regelfall werden — nicht nur an einem Tag, sondern an mehreren.

Aber eigentlich wollte ich nicht über das Klima schreiben. Es lag allerdings auf der Hand angesichts des Spieles, welches aktuell zu Hause gespielt wird. Im Rahmen meiner Aufräumaktion im Spieleregal fiel es mir am Wochenende in die Hände, mittlerweile sind meine Frau und ich bei der zweiten Partie.

Die Rede ist von Dicke Kartoffeln, ein Spiel von Doris & Frank. Meine Erstauflage stammt von 1989, es ist das allerste Spiel des damals neu gegründeten Verlags Abacusspiele. Kennern sollte der Name Doris & Frank auf jeden Fall etwas sagen. Von den beiden stammt das nach wir vor ziemlich geniale „Ursuppe“. Nach wie vor kann man damit Gruppen von Spielern begeistern. Nicht zuletzt auch wegen des Materials und den tollen Zeichnungen von Doris Matthäus.

 

Bauernhof in Dicke Kartoffeln
Kein Bio-Hof

Wirtschaftsspiel Dicke Kartoffeln

Zurück aber zu Dicke Kartoffeln. Im Kern ist es ein Wirtschaftsspiel, bei dem die Spielerinnen und Spieler einen Bauernhof übernehmen, auf dessen Äcker sie Kartoffeln anbauen sollen. Diese versucht man dann möglichst gewinnbringend auf dem Markt zu verkaufen.

Die insgesamt sechs Spieljahre folgen immer dem gleichen Ablauf. Die Äcker müssen urbar gemacht werden, eventuell kommt Dünger zum Einsatz. Dann wird Saatgut zur Bepflanzung gekauft. Drei verschieden Sorten stehen bei Dicke Kartoffel zur Auswahl: Amalie, Biola und Chris. Das Saatgut kostet unterschiedlich, zudem haben die einzelnen Sorten andere Ansprüche, was den Boden angeht.

Kern des Anbaus sind Würmer, die den Boden auflockern. Die Anzahl der Würmer bestimmt den Ertrag eines Ackers. Eine Steigerung ist zudem mit Dünger möglich, was zulasten der Bodenqualität geht. Diese bemisst sich aus der Anzahl vorhandener Würmer und der Sonnenblumen — bei drei Sonnenblumen ist auch der Anbau von Bio-Kartoffeln möglich.
Beim Verkauf tragen die Spielerinnen und Spieler Sorte und Anzahl verdeckt in ein Formular ein. Die pro Sorte angetane Gesamtmenge beeinflusst in Abhängigkeit der Nachfrage den Kurs. Erst nach dem dieser angepasst wurde, findet der eigentliche Verkauf statt.

Zum Jahresende gibt es noch Auswirkungen auf den Boden, denn Dünger und Gift haben ihren Preis.

Kurse der Kartoffelbörse
Kurse der Kartoffelbörse

Pädagogischer Zeigefinger

Bei Dicke Kartoffeln muss man eine Menge vom Gewinn wieder reinstecken, um den Betrieb am Laufen zu halten. Fast jede Aktion kostet Geld, auch die Kartoffeln werden nicht von alleine geerntet. Wer sich verkalkuliert, braucht mehr als einen Schuldschein. Diese müssen am Ende eines Jahres zurückgezahlt werden, oder es fallen saftige Zinsen an.

Was mir persönlich gefällt ist das Ineinandergreifen verschiedener Mechanismen. Die Interaktion ist nicht wirklich hoch, aber was Mitspieler an Kartoffeln anbauen, beeinflusst letztendlich auch den Preis, den ich für meine Ernte bekomme.

Am Spielende werden in zwei Kategorien Gewinner ermittelt. Der ökonomische Gewinner und der ökologische Gewinner. Man merkt im Verlauf des Spiels recht schnell, dass man mehr Geld machen kann, wenn man den Boden mit Einsatz von Dünger auslaugt. Der finanzielle Gewinn schmälert sich jedoch in den Folgejahren, weil man tote Böden schwer nutzbar sind.
Auf der anderen Seite wird man mit reinem Bio-Anbau nicht reicht. Da man am Spielende auch noch das Startkapital von seinem Gewinn abzieht, kann man sogar ökonomisch ins Minus rutschen.

Der ökologische Gewinner ist möglicherweise nur ein Ehrentitel. Um ihn zu bekommen, muss die Bodenqualität einen positiven Wert haben. Meiner lag nach Ende der ersten Partie bei minus 42 — und ich hatte nicht mal das meiste Geld.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren