Modulares Spielbrett als Fluch

Modulares Spielbrett als Fluch

Ein modulares Spielbrett ist nicht für jedes Spiel ein Zugewinn. In einigen Fällen, wie etwa bei Scythe, sorgt es für Frust am Tisch.

Mach dir einen Plan

Zu den Klassikern aus meiner Kindheit gehört in jedem Fall Risiko. Wer das Spiel kennt, weiß auch um die strategische Position von Australien. Ja, Risiko ist ein so ein Fall, wo das die Startaufstellung bereits für Frust sorgen kann. Zwar gibt es bei Risiko kein modulares Spielbrett, aber die Startaufstellung der Truppen erfolgt zufällig. Wer sich in Australien verschanzen kann, bleibt zumindest länger auf dem Spielbrett — es gibt nämlich nur eine Verbindung zu diesem Kontinent, anders als bei den anderen Erdteilen.

Ein weiteres Spiel in meiner Sammlung ist Targui. Für mich war es damals das erste Spiel mit einem echten variablen Spielplan. Stämme kämpfen in der Wüste mit Kamelen gegeneinander, die Zugreihenfolge wurde in jeder Runde zufällig ermittelt und die einzelnen Felder auf dem Spielplan hatten unterschiedliche strategische und ökonomische Bedeutung. Allerdings ist Targui genau wie Risiko gnadenlos, Spieler könne vor Ende des Spiels komplett eliminiert werden.

Die 1995 erschienenen Siedler von Catan hatten auch ein modulares Spielbrett. Das zusammen mit der eher friedlichen Entwicklung und der hohen Interaktion sorgten dafür, dass sich das Spiel nach wie vor hoher Beliebtheit erfreut. Allerdings zeigte Catan auch, welche Tücken ein modulares Spielbrett haben kann.

Modulares Spielbrett bei Scythe
Modulares Spielbrett bei Scythe

Folgen der Seefahrer

Bei Targui besteht immer die Möglichkeit, attraktive Felder in der Wüste umzuwidmen. Mit anderen Worten, deren Besitz durch Eroberung neu zu regeln. Ebenso wie bei Risiko, auch wenn es kein echtes modulares Spielbrett gibt.
Catan kennt nur den Räuber, der das Rohstoffeinkommen blockiert, wenn er entsprechend platziert wird. Eine Siedlung oder Stadt bleibt jedoch immer an der Stelle, wo sie beim Bau platziert wurde.

Soweit passte das alles beim Grundspiel ganz gut, der Zufall trifft alle, eine echt schlechte Startposition gibt es nicht. Für mich persönlich änderte sich dieser Eindruck mit dem Erscheinen der ersten Erweiterung, die „Seefahrer“. Die Neuauflagen kenne ich nicht, aber in der Erstauflage gab es Szenarien, wo recht früh deutlich wurde, ob man noch eine Chance auf den Spielsieg hat oder nicht. In meinen Spielgruppen führte das damals zu viel Frust und dazu, dass Catan wenn dann nur in der Grundversion auf den Tisch kam. Das änderte sich auch nicht mit der komplexeren „Ritter und Städte“ Erweiterung. Mehr ist nicht immer besser, so meine Meinung.

Händler & Barbaren sind dann später genau so an mir vorbei gegangen wie Entdecker & Piraten. Nach der Jahrtausendwende ebnete zugleich die Lust, sich noch mal auf die Insel Catan zu begeben. Einzig in digitaler Form wagte ich noch ein paar Partien.

Modulares Spielbrett bei Scythe

Spulen wir die Zeit etwas vor. Spiele wie Gaia Project zeigen, dass man trotz eines variablen Spielplans ausgewogene Parteien zustande bringen kann. Es erfordert entsprechen Vorarbeit der Autoren und des Verlages, um die Balance zu wahren.

Als von Stonemaier Games ein modulares Spielbrett für Scythe angekündigt wurde, war es für mich eine Art Sofortkauf. Klar musste ich das haben, auch ohne Details dazu zu kennen. Mittlerweile, so meine Überzeugung, sollte es schließlich möglich sein, bei einer variablen Spielaufstellung trotzdem noch eine fairer Chancenverteilung zustande zu bringen.

Mittlerweile haben meine Frau und ich das modulare Spielbrett für Scythe bekommen und sind ernüchtert. Zum einen über die Materialqualität, denn die entspricht keinesfalls unseren Erwartungen. Das Spielbrett ist an mehren Stellen eingerückt, Wals es unter zu hohem Druck in einer Schrumpffolie verpackt war. Die Heimatsgebietsmarker sehen auf der schwarzen Rückseite auf Grund schlechter Stanzung aus, als wären sie bereits seit Monaten in Verwendung.
Nach fünf Parteien zeigen sich aber auch noch ganz andere Probleme. Während der feste Spielplan von Scythe bisher für die einzelnen Fraktionen ausgewogen war, ändert die modulare Zusammensetzung so einiges. Manche Fraktionen wie Polonia werden so stark, dass fast unschlagbar werden. Die unterschiedlichen Spielertableaus legen nur fest, mit wie viel Vorsprung sie gewinnen. Andere Fraktionen wie etwa Togawa werden komplett ausgebremst. Hier macht sie bemerkbar, dass sie keine Fertigkeit für eine höhe Bewegungsgeschwindigkeit freischalten können.

Zwischenfazit zum Modularen Spielbrett

Meiner Meinung nach ist diese Erweiterung für Scythe nur etwas für erfahrene Spieler. Es ist fraglich, wie oft sie in einer Konstellation mit mehr als zwei Spielern auf den Tisch kommen wird. Hier ist die Frustgefahr einfach zu groß. Auf einem ganz anderen Blatt stehen die in der Erweiterung enthaltenen zusätzlichen Gebäudebonus-Karten. Diese lassen sich auch so mit dem Grundspiel und alle bisherigen Erweiterungen verwenden.

Bei BGG kam bereist die Frage auf, ob diese auch künftig einzeln erhältlich sein werden.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren