Zwei Videos verändern was

Zwei Videos verändern was

Manche Menschen können sich in Videos um Kopf und Kragen reden. Schweigen ist vorher richtig, hinterher allerdings der falsche Weg.

Stolperfalle Öffentlichkeit

Aus der Reihe „Videos, die die Welt bewegen“ gab es in den letzten sieben Tage gleich zwei Stück. Das eine Video tauchte bei Spiegel und Süddeutsche Zeitung auf, die Teile daraus veröffentlichten sowie darüber berichteten. In Österreich löste das ein mittelschweres Beben aus, die FPÖ fuhr vor die Wand und Bundeskanzler Sebastian Kurz verkündet Neuwahlen. Zu Stunde muss er jedoch fürchten, direkt am Montag aus dem Amt gejagt zu werden. Es sieht so aus, als wolle die FPÖ Rache für Strache.

Glaubt man Anhänger der FPÖ, ist der ehedem nur unschuldiges Opfer, dem man übel mitgespielt hat. Bei Facebook drückt ihm seine Anhängerschaft ganz doll die Daumen für ein baldiges Comeback. Wieder ein Beweis dafür, welche Spätfolgen Wanderungen bei Höhenluft haben können.

Wie dem auch sei, man muss nicht nach Österreich schauen, wenn man die Wirkung von Videos studieren möchte. Auch hierzulande sorgte eines mit dem Namen „Die Zerstörung der CDU“ für Furore. Ein 26-jähriger holt aus zu einem Rundumschlag und zeigt auf, an welchen Stellen die CDU (und auch anderen Parteien) versagt haben. So ein Beitrag ist für unsere Demokratie grundsätzlich richtig und wichtig. Also solche Videos, nicht das Versagen der Parteien.

Videos bewegen die Welt
Die Zerstörung der CDU

Diskussionswürdige Videos

Über beide Videos kann man kontrovers diskutieren. Etwa im Ibiza-Video von Strache darüber, ob eine Berichterstattung nicht gegen seinen Schutz der Privatsphäre verstößt. Die endet jedoch bei öffentlichen Personen auf jeden Fall dort, wo sie demokratiefeindliche Äußerungen von sich geben.

Beim Video von Rezo lässt sich darüber sprechen, ob er nicht zu sehr verallgemeinert und Fakten weglässt beziehungsweise verkürzt. Meiner Meinung nach sollte an dieser Stelle andersherum angefangen werden. Nämlich mit dem, was der YouTuber alles richtig macht. Etwa seine Quellenangabe, die 13 Seiten umfasst. Davon können sich eine Menge Menschen mehr als nur eine Scheibe abschneiden. Wie wir ja wissen, sind korrekte Quellenangaben eine hohe Kunst. Selbst gestanden Politikerinnen und Politiker mit Doktortitel beherrschen sie nicht zwangsläufig.

Solche Videos wie das von Reno zeigen auch, dass jungen Menschen unsere Gesellschaft nicht egal ist. Sie engagieren sich auf ihre Weise. Vielleicht nicht unbedingt so, wie es die Parteien gerne hätten. An dieser Stelle entsteht die wahre Herausforderung. Die CDU tat gut dran, kein Gegenvideo zu veröffentlichen, ist aber dennoch weit entfernt von einer angemessene Reaktion. Echte Einsicht ist häufig zu viel verlangt.

Was die Parteien machen sollten: Sich überlegen, welche neuen Formen der Beteiligung am politischen Diskurs man entwickeln kann. Für mich zeigt das Video und die vielen Menschen (derzeitiger Stand: fast 9.5 Millionen) die es gesehen haben ein grundsätzliches Interesse an dem, was in unserem Land vorgeht. Und ja, das Video ist auch ein Versuch, den notwendigen Veränderungsprozess mitzugestalten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren