Kekse für Kapitalisten

Kekse für Kapitalisten

Selbst so banale Dinge wie Kekse haben längst ihre Unschuld verloren. Das hat die Erbin eines Konzerns mit unrühmlicher Vergangenheit erneut verdeutlicht.

Kapitalismus für Krümel

Wenn man noch sehr jung ist, darf einem schon mal eine unbedachte Äußerung herausrutschen. Im Alter von 24 Jahren ist diese Schonzeit definitiv vorbei. Wenn man sich auf die Bühne stellt und bekennt:

Ich bin Kapitalistin. Mir gehört ein Viertel von Bahlsen, das ist toll. Ich will mir ’ne Segel-Yacht kaufen und solche Sachen.
Verena Bahlsen

ist das mindestens unüberlegt. Kritik an so einer Aussage ist daher statthaft. Es geht grundsätzlich nicht um eine Neiddebatte. Wenn sich jemand von seinem Geld eine Segel-Jacht kaufen kann, ist das seine Entscheidung. Manche Menschen erfüllt es halt, sich mit materiellen Besitz zu brüsten. Im Normalfall ist das eine Privatsache und geht allenfalls den Familienpsychologen etwas an.

Allerdings muss man im Fall von Verena Bahlsen den Kontext berücksichtigen. Es geht nicht wirklich um die Segeljacht, sondern darum, das Gegenteil des Standpunktes von Kevin Kühnert zu vertreten. Es stehen sich grob vereinfacht gesagt Kapitalismus und Sozialismus gegenüber. Richtig? Weit aus mehr. Zwei jungen Menschen habe sich zu ihrer Vorstellung von Gesellschaft geäußert. Auf der einen Seite jemand, der offensichtlich Hedonismus in den Vordergrund stellt und ihn dann versucht zu kaschieren. Und auf der anderen Seite jemand, der über eine gerechte Verteilung nachdenkt und vornehmlich die Interesse der im Auge hat, die keine Lobby haben. Kekse kommen hier bisher nur am Rande vor, spielen allerdings auch eine wichtige Rolle.

Kekse für Kapitalisten
Grün vor Neid

Gesellschaftlicher Wandel durch Kekse

Tatsächlich stehen Kekse in keinem Zusammenhang zu einem gesellschaftlichen Wandel. Ganz offen gesagt glaub ich nicht, dass Kekse in besonderer Weise unserer Gesellschaft dienen. Es ist auch herzlich egal, ob sie von Bahlsen oder jemand anders produziert werden.

Weniger egal ist es, wo ein Konzern gesellschaftlich verortet ist und welche historische Hypothek er mit sich herumschleppt. So prima, wie Verena Bahlsen das alles präsentiert, ist es längst nicht. Es gibt einen feinen Unterschied zwischen Kapitalist und Unternehmer. Letzterer fühlt sich verantwortlich für seine Firma, erster fährt auch gerne mal den Laden gegen die Wand, wofür dann andere aufkommen. Etwa die Belegschaft, von der ein Teil entlassen werden muss, um die Firma noch zu retten. Das eigene Geld braucht man, wie kundgetan wurde, schließlich für eine Segeljacht.

Übel ist auch, dass Bahlsen die Kekse im Dritten Reich von Zwangsarbeitern produzieren ließ und sich anschließend so lange um seine Verantwortung drückte, bis die Sache verjährt war.

Alles in Ordnung, Brian. Setz Dich. Nimm Dir ’nen Keks. Mach es Dir schön bequem… Du Arsch!
Das Leben des Brian

Als Verbrauch hat man im Übrigen die Wahl, sich für andere Kekse zu entscheiden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren