Werk und Künstler

Werk und Künstler

Im Bundeskanzleramt wurden aushängen Werke von Emil Nolde zurückgegeben. Erneut ist die Diskussion um die Trennung von Werk und Künstler angefacht.

Künstler als Idol

Vielleicht erinnert sich die eine oder der anderen noch an den Erfolgsroman „Felidae“ von Akif Pirinçci. Erschuf damit einen erfolgreicher und damals beliebten Katzenkrimi. Einige Jahre später machte der Autor in ganz anderer Form  auf sich aufmerksam. Zuerst wurde er für seine Bücher bewundert und dann das. Wie geht man als Leserin oder Leser damit um?

Eine Frage, die ich mir in Bezug auf einen anderen Autor im Rahmen meines Studiums stellte. Im Bereich Literaturwissenschaft schrieb ich Hausarbeit über Erich Kästner, den ich nicht nur als Autor von Kinderbücher schätze. Auch als moralische Instanz war er für mich bis zu diesem Zeitpunkt eine Größe.

Im Rahmen meiner Recherche stieße ich dann auf die dunklen Flecken in seiner Biographie. Um es auf den Punkt zu bringen: er war ein Moralist mit doppelten Boden, so wie ein Opportunist.

Entwertet das jetzt seine Bücher? Die sprechen eher für sich selber, wenn man denn dort nach Spuren sucht, zum Beispiel in „Emil und die Detektive“. Unverfänglich ist nichts, Werk und Künstler lassen sich meiner Meinung nach nicht trennen.

Werk und Künstler
Werk und Künstler

Ansprüche an Werk und Künstler

In Bezug auf Werk und Künstler gibt es aber auch Gegenbeispiele, wie die von mir sehr geschätzte und leider verstorbene Christine Nöstlinger. Die Bücher die sie schrieb, schrieb sie mit einer ganze bestimmten Intention. Aus ihrer politisch-gesellschaftliche Haltung sind Werke wie „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ entstanden.

Die Diskussion, ob sich Werk und Künstler von einander trennen lassen, ist nicht neu. Emile Nolde ist redlich der aktuellste Fall, der Anlass zum Nachdenken bietet. Bereits wenige Woche zuvor war es Michael Jackson.

Meiner Meinung nach ist es Irrsinn zu glauben, man könne ein Werk retten, in dem man es vom Künstler trennt. Beides ist miteinander verbunden, auch lange nach dem Tod des Künstlers.

Zuspitzung: Hätte Adolf Hitler beeindruckende Bilder gemalt, würden die heute einfach so ausgestellt werden? Ich denke nicht. Werk und Künstler lassen sich nicht trennen. Das Einzige, was man kann, ist den Zusammenhang zu leugnen, die Umstände der Entstehung des Werkes genau so zu ignorieren wie die Haltung des Künstlers.

Klar sind wir alle nur Menschen und damit fehlbar. Es macht aber aus meiner Sicht einen erheblichen Unterschied, ob man mal nachts bei Rot über die Ampel gegangen ist oder an einem eigenen Konzept zur Lösung der „Judenfrage“ gearbeitet hat wie Emil Nolde.

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über Thomas Boley


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Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren