Kickstarterverbot für EU-Bürger

Kickstarterverbot für EU-Bürger

Brettspiele und andere wird das von der EU quasi beschlossene Kickstarterverbot besonders hart treffen. Angeblich dient es nur der Sicherheit.

Hintergründe zum Verbot

Neben der von der EU beschlossenen Urheberrechtsreform und der Abschaffung der Zeitumstellungen wurde auch vergangenen Woche auch etwas beschlossen, was einem Kickstarterverbot für EU-Bürger gleich kommt. Der Begriff Kickstarterverbot ist dabei selbstverständlich etwas hoch gegriffen. De facto läuft es aber genau darauf hinaus.
Bei der letzten Novellierung des Gesetzes zur Verwendung der CE-Kennzeichnung wurde mit großer Mehrheit in der EU-Kommission dafür gestimmt, die bisherigen Stichprobenkontrolle auszuweiten. Es ist nicht im Interesse der EU, dass Verstöße gegen die CE-Kennzeichnung nur zufällig zu Tage kommen. Vielmehr sollen bereits ab diesem Sommer keine Produkte mehr ohne CE-Kennzeichnung in den Handel gelangen.

Explizit hervorgehoben wurde in diesem Zusammenhang auch der so genannte Privatimport. Das betrifft Bestellung von Waren und Gütern in Ländern außerhalb der EU, die durch Bürgerinnen und Bürger in der EU genötigt werden. Auch hierbei müssen künftig alle entsprechenden Produkte eine CE-Kennzeichnung aufweisen.

Näher Details, auch in Bezug auf den anstehenden Brexit, finden sich dazu auf der Website der Europäischen Union  Dort heisst es sehr deutlich:

Die EU-weit geltenden Anforderungen sind für verschiedene Produkte oder Produktgruppen in Richtlinien festgelegt, zum Beispiel für Spielzeug.

In die Kategorie Spielzeug fallen auch sämtliche Brettspiele. Entsprechend müssen sie eine CE-Kennzeichnung aufweisen, um für den EU-Markt zugelassen zu werden.

Betroffen vom Kickstarterverbot
Betroffen vom Kickstarterverbot

De facto Kickstarterverbot

Brettspiele erfreuen sich auf Kickstarter einer enormen Beliebtheit. Nicht zuletzt liegt es an der unkomplizierten Finanzierungsmöglichkeit für neue Ideen, die früher bei keinem der Verlage eine Chance gehabt hätten. Aber auch etablierte Verlage nutzen Kickstarter zur Realisierung von Spielen, bei denen der Erfolg schwer abzusehen ist.

In der Vergangenheit ließ sich recht gut beobachten, dass längst nicht alle Brettspiele über die erforderliche CE-Kennzeichnung verfügen. So gibt es dieses etwa bei Xia: Missions and Powers, aber weder bei Root noch bei der Riverfolk Expansion. Da dies bei der geplanten Erweiterung, Underworld Expansion ebenfalls nicht der Fall sein wird, besteht hier eine Wahrscheinlichkeit, dass diese nicht in der EU zum Verkauf kommt. Der deutsche Zoll ist hier entsprechend auch sehr deutlich, was die Kontrollen angeht.

Traurige Berühmtheit innerhalb der Brettspielszene erlange jüngst der Händler Udo Grebe, dessen gesamte Lieferung seit Wochen vom Zoll blockiert wird. Auch hier ist die fehlende CE-Kennzeichnung die Ursache.

Durch den Beschluss der EU von vergangener Woche wird dies künftig kein Einzelfall, sondern der Regelfall werde. Für uns Brettspieler auch in Deutschland wird das letztendlich einem Kickstarterverbot gleichkommen. Nicht beschlossenen wurde im Übrigen eine Erstattung der erfolgten Finanzierung. Mit anderen Worten, wer künftig Spiele bei Kickstarter mitfinanziert, riskiert im Falle einer fehlenden CE-Kennzeichnung einen Totalausfall seines bereits bezahlten Betrages.

3 Replies to “Kickstarterverbot für EU-Bürger”

  1. Kickstarterverbot: Fakt oder Fiktion?

    Gestern war der 1. April. Die traurige Wahrheit zu meinem Text jedoch: Brettspiele ohne CE-Kennzeichnung droht tatsächlich bei der Einfuhr in die EU die Beschlagnahmung (siehe Beispiel UGG). Dafür ist kein erneuter Beschuss einer EU-Kommission (das war der zugespitzte Teil in meinem Text gestern) notwendig. Die Beschlagnahmung folgt seit langem geltenden Recht.
    Sogar kleine Verlage wie etwa Far Off Games (Xia) schaffen es, sich daran zu halten. Keine Ahnung, warum es anderen nicht für nötig erachten, ihre Spiele entsprechend zu kennzeichnen.
    Für uns Brettspieler besteht daher bei jedem über Kickstarter finanzierten Spiel die reale Gefahr, dass es beim Zoll hängen bleibt, wenn die CE-Kennzeichnung fehlt. Damit ist auch der finanzielle Verlust keine Fiktion.
    Was können wir tun? Wir sollten die Hersteller dafür sensibilisieren und entsprechend bei den Kampagne auf Kickstarter aktiv auf dieses Problem hinweisen. Genau so können wir auf Verlage zugehen (wie etwa GMT Games). Öffentlichkeit hilft — möglicherweise.
    Im Übrigen: persönlich halte ich die CE-Kennzeichnungen für richtig und wichtig. Faulheit, Bequemlichkeit oder irgendwelche Ausreden sind kein Grund, gegen geltend Recht zu verstoßen. Genau darum handelt es sich, wenn Waren oder die erforderliche Kennzeichnung in die EU exportiert werden.
    Wenn Spielehersteller es billigend in Kauf nehmen, dass eine Beschlagnahmung beim Zoll erfolgen kann, liegt das Problem jedenfalls nicht bei der EU.

  2. Wirklich schade, dass man Projekte nicht mehr derart unterstützen können wird. Andererseits sind oftmals auch digitale Güter bei Kickstarter durch eine Finanzierung zu erwerben, nicht natürlich bei Brettspielen- aber bei kommenden Spielen, an dessen Programmierung man sich finanziell beteiligen kann. Und es bleibt am Ende auch einem selbst überlassen, ob man nur finanziert, um unbedingt auch etwas materielles dadurch zu erwerben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren