Zweite Chance für Brettspiele

Zweite Chance für Brettspiele

Nicht jedes Brettspiel zündet sofort und nach der ersten Partie unverdient auf dem Ablagestapel. Dabei wäre oft eine zweite Chance wichtig.

Druck durch Neuheiten

Einer der Todfeinde ausgewogener und guter Rezensionen für Brettspiele ist der so genannte „Cult of the new“. Warum sich mit auf ersten Blick nicht zugänglichen Spielen abmühen, wenn es am laufenden Band Neuheiten gibt? Neuheiten, die bunter und leicht möglicherweise leichter Zugängliche sind.

Meinem persönlichen Eindruck zu Folge führt das Tempo der Neuerscheinung dazu, dass nicht wenige Spiele keine zweite Chance bekommen.

Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen.
Aus: Aschenputtel

Radikal wird aussortiert. Leider kann ich mich selber auch nicht ganz frei machen von dieser Vorgehensweise. Nicht nur Neuheiten erhöhen den Druck am Spieltisch und sorgen für Konkurrenz im Regal, sondern auch der „Pile of Shame“ — die Spiele im Besitz, welche bisher ungespielt blieben.

Man könnte an dieser Stelle Brettspiele mit Beziehungen vergleichen — es muss nicht unbedingt Frühling sein um zu wissen, was für ein dünnes Eis das ist. Also lasse ich es lieber.

Zurück zur zweiten Chance für Brettspiele, die ich mehr denn je für wichtig halte. Ja, es gibt Gurken, die auch beim mehrfachen spielen definitiv nicht besser werden. Aber es gibt auch ungeschliffene Diamanten.

Zweite Chance für Magnastorm
Zweite Chance für Magnastorm

Magnastorms zweite Chance

Als letztes Jahr Magnastrom angekündigt erschien, versprach das Cover ziemlich viel — kein Wunder, es wurde schließlich von Michael Menzel gestaltet. Ansonsten kursierten zunächst wenige Informationen zum Spiel. Ende letzten Jahres konnte ich es günstig erwerbe, darauf hin lag es längere Zeit auf meinem Pile of Shame.

Im Februar kam es dann zum ersten Mal auf den Tisch und führte sofort zu einer Ernüchterung. Hier zu behaupten, Magnastrom sei ein ungeschliffener Diamant, ist mehr als euphemistisch. Im Normalfall hätte ich mit dem Spiel das getan, was nicht wenige nach ihrem ersten Eindruck machten: sofort verkaufen.

Da ich zu Magnastorm jedoch auch eine Rezension schreiben wollte, blieb es erstmal. Es bekam eine zweite Chance. Mir ist es sehr wichtig, ein Spiel mindestens zehn Mal gespielt zu haben, um darüber auch schrieben zu können. Magnastrom bestätigt jetzt diese Haltung, denn das Spiel wurde und wird mit jeder Partie besser. Ja, es gibt immer noch eine Menge Kritikpunkte. Aber je häufiger man Magnastrom auf den Tisch bringt, desto mehr Raffinesse, erkennt man in der Mechanik.
Möglicherweise schlummern in meinem Regal noch andere Spiele, die eine zweite Chance verdient haben. Es wird in diesem Jahr Zeit, solche Schätze zu heben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren