Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Leistungsschutzrecht bei der SPD

Doktoranden müssen morgen sehr stark sein. Aus Protest gegen das Leistungsschutzrecht und  den dortigen Artikel 13 wird Wikipedia am Donnerstag abgeschaltet.

Genossen zur Werkbank!

Das Thema Leistungsschutzrecht ist dazu geeignet, Befürworter und Gegner zu polarisieren. Eine sachliche Debatte wird dadurch erheblich erschwert. Schon im vergangenen Jahr fand ich es für meinen Teil sehr befremdlich, wie mit Begriffen wie „Linksteuer“ um sich geworfen wurde. In einer vermutlich besseren Welt würde sich alle an einen Tisch setzen und in Ruhe eine zufriedenstellende Lösung finden, mit der jeder leben kann.

Polemik hilft hier wenig. Die Abschaltung von Wikipedia dürfte nicht nur Doktoranden hart treffen, sondern gerade auch in der Gruppe der Schülerinnen und Schüler vor allem eine Reaktion hervorrufen: „Boah, die nehmen uns das Internet weg!“ — Mit DIE sind natürlich Politiker, der Staat und alle gemeint, welche die Hosen anhaben.

In der SPD gibt es unterschiedliche Positionen zum Leistungsschutzrecht, insbesondere bei den Jungsozialisten findet man eine Position, die erneut einen Kampfbegriff ins Feld führt, den so genannten Uploadfilter. Grundsätzlich sei man aber nicht gegen eine Reform des Urheberrechts, wie es heisst. Meine Erfahrung nach ist es jedoch gerade bei den jüngeren Genossen nicht gut bestellt im Hinblick auf den Schutz geistigen Eigentums.

Leistungsschutzrecht bei der SPD

Leistungsschutzrecht bei der SPD

Chance vertan beim Leistungsschutzrecht

Bedauerlicherweise wurden beim Leistungsschutzrecht eine Menge Chancen vertan. In erste Linie sind es wohl Kommunikationsfehler, die begangen wurden. Nach außen wirkt es, als wär der Hauptgrund für die Einführung der, die Gewinne großer Verlage und Content-Produzenten zu schützten. Nun ist das Kind aber erstmal in den Brunnen gefallen. Man sollte daher versuchen, dass Beste draus zu machen.

Aber zurück zur SPD und dem Leistungsschutzrecht. Für mich gäbe es gestern ein Paradebeispiel dafür, was alles in der Partei und in Bezug auf den Schutz geistigen Eigentums falsch läuft.

Nach wie vor bin ich noch in der Gruppe „SPD in Facebook“. Da tummeln sich Genossen aller Couleur und in jeglichem Alter. Ich war gelinde gesagt entsetzt, als ein Artikel von Heribert Prantl aus der Süddeutsche Zeitung vom vergangene Samstag dort in voller Länge als Text gepostet wurde.

Ja, es ging bei Prantl um die SPD — was aber noch lange kein Grund ist, gegen das Urheberrecht zu verstoßen. Auf meinen vorsichtigen Hinweis hin entbrannte eine Diskussion. Mittlerweile, nach 18 Stunde, wurde der gesamte Beitrag von den Admins gelöscht. Einen Hinweis sucht man vergeblich.

Eigentum respektieren

Das der Artikel gelöscht wurde, finde ich an sich begrüßenswert. Wünschen würde ich mir  allerdings ergänzend festgepinnt Hinweis, was beim posten in der Gruppe zu beachten ist. Glücklicherweise gibt es in der Gruppe auch kluge Köpfe, die in aller Ausführlichkeit auf Großzitate und das Urheberecht eingingen waren — und entsprechend die Löschung des Artikels beantragten.

Persönlich bin ich aus der Diskussion bereist an der Stelle ausgestiegen, als ein Gruppenmitglied mit aus meiner Sicht sehr absurden Kommentaren reagierte. Das sei alles kein Diebstahl, schließlich habe man niemand etwas weggenommen, hieß es unter anderem. Außerdem müsse man einen interessanten Text solidarisch teilen. Meine Frage, wie denn mit der Solidarität für die Schreibenden bestellt sei, wurde ignoriert.

Richtig dumm fand ich dann den Hinweis, die Denkweise in Bezug auf geistiges Eigentum wäre typisch männlich und es wäre ja vor allem die Männer, denen bei der Einführung des Leistungsschutzrecht einer abgehen würde.
Meiner Meinung nach disqualifiziert man sich mit solchen Äußerungen selber. Mir fehlt auch das Verständnis, warum man einen Text, der öffentlich verfügbar bei der Süddeutsche Zeitung zu lesen  ist, einfach klaut.

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