CE-Kennzeichnung für Brexit

CE-Kennzeichnung für Brexit

Die CE-Kennzeichnung von in die EU zu importierenden Waren ist wichtiger als angenommen. Fehlt die Kennzeichnung, kann der Zoll die Einfuhr stoppen.

Abstimmen bis es passt

Gestern gab es eine weitere Abstimmung im Unterhaus. May-magedon, Teil drei. Nach der Ablehnung des Brexit-Abkommens vor zwei Tagen und der gestrigen Entscheidung, kein No Deal zu riskieren, einigte man sich am Donnerstag drauf, den Brexit zu verschieden. Der Bitte um Verlängerung müssen jetzt allerdings noch die Staats- und Regierungschefs der EU zustimmen.

Unabhängig davon will Premierministerin May nächste Woche noch mal über das Brexit-Abkommen abstimmen lassen. Geändert wurde dies natürlich nicht. Es hinterlässt einen merkwürdigen Eindruck, wenn jemand so lange über die selbe Sache abstimmen lässt, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist.

Konsequent wäre aus meiner Sicht eigentlich, wenn Theresa May freiwillig zurücktreten würde. Es würde zumindest den Weg freimachen für jemand anderen — einen besseren Deal jedoch wird es nicht gegeben. An dieser Stelle führt sich das Land nicht Großbritannien, sondern wie ein kleines Würstchen auf.

Wie dem auch sei, der Ruf von May ist ramponiert, aber sie hat es geschafft, in die Geschichtsbücher einzugehen — als abschreckendes Beispiel. Ein abschreckendes Beispiel ganz andere Art zeigte sich in den letzten Wochen beim Hauptzollamt Darmstadt. Damit kommen wir dann zur CE-Kennzeichnung, die auf gewisse Weise auch etwas mit dem Brexit zu tun hat.

Xia mit CE-Kennzeichnung
Xia mit CE-Kennzeichnung

Brettspiele mit CE-Kennzeichnung

Was den internationalen Warenverkehr angeht, bin ich kein Profi (oder jemand, der sich dafür hält). Begriffe wie die CE-Kennzeichnung sind mir als Durchschnittskonsument zwar unter gekommen — aber nur deshalb, weil sie auf einer ganzen Reihe von Produkten vorhanden ist. Was sich wirklich hinter der CE-Kennzeichnung verbirgt, wusste ich bis gestern nicht im Detail. Mein Bauchgefühl sagte mir immer, dass Elektrogeräte mit dieser Kennzeichnung sicherer sind. Das stimmt, aber hinter der Kennzeichnung steckt noch eine ganze Menge mehr, wie man etwa bei Wikipedia  erfahren kann. Man erfährt auch, das es die zu Grunde liegenden Richtlinien nicht erst seit gestern gibt. Und ja, sie gelten auch für Spielwaren.

Darunter fallen, wie ich mittlerweile weiss, auch Brettspiele. Weisen diese keine CE-Kennzeichnung auf, kann der Zoll ihren Import stoppen, wie unlängst ein Online Händler schmerzlich erfahren durfte. Für Kunden, die Brettspiele bei ihm bestellt haben, ist so was in jedem Fall ärgerlich. Müßig ist es hier, sich auf die Suche nach dem Verantwortlich zu begeben. Mir als Brettspieler fallen jedoch ein paar Eigenheiten auf, die ich interessant finde.

Import aus Übersee

Vor einigen Wochen erhielt ich aus den USA die Erweiterung Xia: Missions and Powers von Far Off Games. Laut Website hat der Verlag vier Mitarbeiter. Deutlich weniger als GMT Games. Trotzdem hat es Far Off Games geschafft, seine Erweiterung zu Xia mit einer aufgedruckten CE-Kennzeichnung zu produzieren. Beim Zoll gab es daher keine Probleme.

Ganz anders sieht es aus bei Spielen von GMT-Games. Hier gibt es weder eine Altersangabe noch eine CE-Kennzeichnung. Zudem gibt es Titel im Verlagsprogramm, die nicht tauglich sind für empfindliche Zöllnermägen, wie etwa „Hitlers Reich“. Sowohl der deutsche Importeur als GMT-Gamers selber sind keine Frischlinge. Das die fehlende Kennzeichnung ist daher mindestens als nachlässig zu bezeichnen. Und wie erwähnt, kleinere Verlage bekommen es ganz offensichtlich hin.

Für europäische Fans von GMT-Games ist das ein herber Schlag. Und der lässt auch nicht abmildern, in dem man die Spiele selber direkt beim Hersteller bestellt. Die Versandoption „european friendly“ schlägt mit $20 zu Buche. Abgewickelt wird er über Second Chance Games. Die sitzen in der Nähe von Liverpool, Großbritannien. Bei einem Brexit hat sich das dann mit european friendly wohl erledigt.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren