Heimat als böse Frage

Heimat als böse Frage

Menschen werden durch ihre Heimat bestimmt. Nicht immer aber ist sie identisch mit der Herkunft. Und oft wird Heimat zur Abgrenzung verwendt.

Bohlen oder Herne

„Wo kommst du her?“ — eine der Fragen, in denen immer auch Abgrenzung mitklingt. Stellt man diese Frage, hat man bereits eine einfache Antwort im Kopf. Eine Antwort, die bei einigen von uns ihrem schlichten Gemütszustand entspricht. Derjenige, den man fragt, kommt auf jeden Fall nicht von dort, wo man selber herkommt. Ganz unabhängig von der Wirklichkeit wird das unterstellt. Und was nicht passt, wird dann einfach eben passend gemacht.

So wie es Dieter Bohlen es in der Sendung „Das Supertalent“ tat. Laut SPIEGEL fragte er ein fünfjähriges Mädchen nach seiner Herkunft. Auf die Idee kam er, weil sie nicht blond und blauäugig war. Mit ihrer Antwort, „aus Herne“ hat er nicht gerechnet, daher bohrte er weiter nach, bis ihm dann ihre Mutter eine in sein Weltbild passende Antwort lieferte. Die Mutter war in Thailand geboren.

Ferda Ataman bringt den ganzen Vorfall im SPIEGEL ziemlich gut auf den Punkt. Es ist eine übergriffige Frage, genau wie der Satz „Sie sprechen aber gut Deutsch“, den man lapidar zu einem Mensch mit dunkler Hautfarbe sagt, der in Bottrop geboren ist.

Heimat und Herkunft
Heimat und Herkunft

Herkunft und Heimat

Wer anders ist als wir, muss eine andere Herkunft haben. Selbstverständlich auch eine andere Heimat, denn hie gehört er ja nicht hin — denn das schwingt ebenfalls mit, wenn man so ausgrenzend fragt.

Solche Menschen wie Bohlen kotzen mich an. Alltagsrassismus kotzt mich an. Ich möchte, dass sich jeder hier heimisch fühlen kann, egal wo er her kommt. Aussehen, Hautfarbe, Geschlecht, Religion — völlig egal. Jeder von uns kann dieses Land zur Heimat für andere machen. Wir müssen unsere Herzen öffnen und unsere Verstand wach halten. Nicht zulassen, dass andere Menschen ausgegrenzt werden.

Herkunft sollte keine Rolle spielen. Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt. Dazu kann jeder von uns einen Beitrag leisten, der einfachste dabei ist Verzicht auf unsinnige Fragen. Wenn ein Kind sagt, es kommt aus Herne, dann kommt es aus Herne, weil es diese Stadt als Heimat empfindet. Sollten uns das nicht sogar stolz machen?

Deutsch ist für mich redlich die Sprache, die ich als erstes sprechen gelernt habe. Als Deutscher fühle ich mich nicht, sondern als Mensch. Und wenn es überhaupt eine Zugehörigkeit eine Rolle spielt, dann betrachte ich mich als Europäer. Kleingeistern wie Bohlen sollten wir keine Platz einräumen, egal wo sie her kommen. Die Definition dessen, was Heimat ist und wer dazu gehört, dürfen wir ihnen erst recht nicht überlassen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren