Zeitung als Kapitalanlage

Zeitung als Kapitalanlage

Immer wieder taucht die Frage auf, was denn eine Zeitung heute noch wert sei. Vor allem, was Abonnenten bereit sind dafür zu zahlen.

Sozialisation mit Zeitung

Seit nunmehr 28 Jahren bin ich Abonnent der Süddeutschen Zeitung. Angefangen hat diese Liaison in der Oberstufe. Mit dem Mathe-Kurs fuhren wird nach Duisburg, an die Uni. Wir sollten mal in so eine Mathe-Vorlesung reinschnuppern. Mir wurde dann klar, dass so ein Mathe-Studium nichts für mich ist — das ich im Rahmen meines Lehramtsstudiums dann später doch in Mathe-Vorlesungen gesessen habe, ist eine ganz andere Geschichte.

Jedenfalls, im Unigebäude lagen Werbepostkarten der SZ aus, die mich neugierig machten. Zwei Wochen gratis testen. Kostet ja nichts, also steckte ich eine der Karten ein und füllte sie zu Hause aus. Wenig später hatte ich dann meine erste SZ im Briefkasten. Erst gratis, dann zum Schüler- und Studentenabo, später dann zum Vollpreis.

Es gab Phasen im Studium, wo mir auch der vergünstigte Abopreis wehgetan hat. Verzichten wollte ich auf die Süddeutsche Zeitung aber auf gar keinen Fall. Mir war es das wert. Bis zur Begegnung mit der SZ kannte ich von zu Hause nur die NRZ. Und ja, zwischen den beiden Zeitung liegen tatsächlich Welten. Sie haben auch eine andere Zielgruppe. Dennoch gab es eine Gemeinsamkeit. Sobald ich lesen konnte, wollte ich sie lesen. Zeitungsleser gehört für mich zum Frühstück wie atmen beim schwimmen.

Zeitung überflüssig
Zeitung überflüssig

Wert des Journalismus

Mittlerweile habe die SZ im digitalen Abo. Das freut vor allem unseren Küchentisch, der nicht mehr mit Druckerschwärze zugesagt wird. Es freut aber auch meine Frau, da wir beide die zeitgleiche die gleiche Ausgaben und die gleichen Artikel lesen können.
Für das Abo zahle ich monatlich 36,99 €, das sind umgerechnet weniger als 1,23 € pro Tag. Was sich für manche viel anhört, finde ich erstaunlich fair im Preis. Man muss hier auch immer berücksichtigen, welche Auflage die SZ etwa im Vergleich zur New York Times hat.
Natürlich kostet den Verlag eine digitale Ausgabe deutlich weniger als die gedruckte Fassung. Zumal Reichweite und Auflage digital beliebig erhöht werden können, ohne das zusätzliche Kosten entstehen. Trotzdem arbeiten bei der SZ Menschen, die auch gut bezahlt werden wollen und sollen.

Darüber hinaus ist, wenn man die Print-Ausgabe betrachtet: die SZ kostet überall gleich viel. Ob auf Langeoog, in Fischland Darß Zingst, Bielefeld oder Köln — Orte, an denn ich bereits die SZ gekauft habe. Bei der bereits erwähnten New York Times verhält es sich anders, denn die gedruckte Ausgabe kostet außerhalb von New York  Times im Jahresabbo über 1.000 Dollar .

Nachrichten mit Marktwert

Alles möglichst gratis, die kostenlos Mentalität wirkt sich auch auf das aus, was wir bereit sind für kostenpflichtige Güter und Dienstleistungen zu zahlen. Dabei stören uns unsinnige Vergleiche nicht. Die digitale Ausgabe der New York Times kostet weniger als ein Drittel dessen, was die SZ im Monat kostet. Man vergleicht Äpfel mit Birnen, wenn man hier nicht die Höhe der Auflage ebenso berücksichtigt wie das, was bei uns ein Angestellter der SZ verdient.

Noch haben wir hier in Deutschland eine bunte Presselandschaft, anders als die Nachrichtenwüste in den USA.
Für mich war und ist eine Zeitung immer auch eine Kapitalanlage. Sie informiert mich nicht nur, sondern verbreitert meine Allgemeinbildung. Das macht mich nicht zum besseren Menschen, aber es hinterlässt bei mir das Gefühl, über den Tellerrand hinaus blicken zu können — täglich.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren