Demonstration statt Unterricht

Demonstration statt Unterricht

Unter der Bezeichnung „Fridays for Future“ gehen Schülerinnen und Schüler zur Demonstration statt zum Unterricht. Das ist ein Grund zur Hoffnung.

Reflektierte Vergangenheit

Bevor ich überhaupt ein Wort zur aktuellen Aktion verliere, möchte ich einen Blick in die eigene Vergangenheit werfen. Schauen, was meiner Haltung zur Protestform Demonstration gewesen ist. Vor allem aber, wie stark mich meine Eltern „politisch manipuliert“ haben. Gut, der nicht zu überhöhende Unterton hier weiss bereits in die Gegenwart, aber sei es drum.

Im Alter von 16 Jahren fehlten mir zwar noch zwei Jahre bis zur Volljährigkeit, was meine politische Haltung anbelangte, fühlte ich mich aber bereits gereift. Mir musste niemand aus der eigenen Familie sagen, was ich zu bestimmten Themen denken sollte. Das schafft eich ganz von allein, auch zum Teil quer zu den Meinungen anderer.

Mein Vater nahm an Ostermärschen teil, ich hielt von dieser Art der Demonstration nichts. Dafür stand ich ein paar Jahre später gegen den Golfkrieg auf — kein Blut für Öl. Aber auch gegen den so genannten Dienstleistungsdonnerstag verteilte ich Flugblätter. Klimawandel hieß noch Saurer Regen und hatte längst nicht den Stellenwert, den das Thema heute hat. In Bezug auf Umweltschutz war die Angst vor einem Unfall in einem Atomkraftwerk konkreter.

Demonstration auf dem Stundenplan
Demonstration auf dem Stundenplan

Selbstbestimmungsrecht und Demonstration

Worauf ich eigentlich hinaus will: Die meisten von uns sind schon recht früh gut informiert, was gesellschaftliche und politische Themen angeht. Jemand wie der 16-jährigen schwedischen Aktivistin Greta Thunberg zu unterstellen, sie würde lediglich von ihren Eltern gesteuert (oder manipuliert), ist eine bodenlose Frechheit. Um es mal einigermaßen höflich auszudrücken.

Wenn Schülerinnen und Schüler hier auch in Deutschland sie zum Vorbild nehmen, zur Demonstration statt zum Unterricht gehen, dann gibt es eigentlich nur eines, was wir sein sollten. Nicht empört über „geschwänzten“ Unterricht, sondern stolz. Stolz darauf, dass jungen Menschen sich einbringen, sich nicht gefallen lassen, wie mit ihrer Zukunft umgehen. Denn genau das ist der Klimawandel nämlich. Die Bedrohung der Zukunft.

Ob Schülerinnen und Schüler ein Streikrecht haben? Das ist eine so typisch deutsche Frage, dass mir der kalte Zorn hoch kommt. Wer Jugendliche bestrafen will, die zu einer Demonstration für ihre Zukunft und die unsere Welt gehen, der hat jene unverantwortliche Haltung, die uns überhaupt erst in eine bevorstehende Klimakatastrophe geführt hat.

Fehlstunden im Zeugnis auf Grund der Teilnahme an einer Demonstration sind meiner Meinung nach eine Auszeichnung. Androhungen von Konsequenzen sollte niemanden abhalten, an den Fridays for Future teilzunehmen. Wenn man erst eine Bahnsteigkarte kauft, um den Bahnhof zu erstürmen, wird es zu spät sein. Demonstration ohne Opfer und Risiko gibt es nicht. Mut ist erforderlich. Wer ihn zeigt, verdient unsere Anerkennung.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren