Schwarzfahren lohnt sich

Schwarzfahren lohnt sich

Schwarzfahren als kindliche Trotzreaktion unter dem Deckmantel hehrer Absichten ist dämlich. Es schadet vor allem den ehrlichen Kunden.

Selbstgerechtigkeit und Trotz

Jeden Tag verhungern Menschen auf dieser Welt. Ja, das ist schlimm und eine große Ungerechtigkeit. Dagegen kann man etwas tun, auch wenn es möglicherweise nur ein ganz kleiner Schritt ist. Man kann aber auch etwas unternehmen, was Aufsehen erregt, aber niemand etwas bringt. Zum Beispiel in den nächsten Supermarkt oder in ein Restaurant gehen und sich dort ohne zu bezahlen den Bauch vollstopfen. Das hört sich nicht nur blöd an, es ist auch ziemlich blöd.

Es schadet anderen, nämlich den Restaurantbetreibern Beziehungsweise den Besitzern des Supermarktes, ohne den Menschen, die Hunger leiden, zu helfen. Es ist eine selbstgefällige Aktion, die zudem auch noch strafbar ist.

Nicht anders sieht es meiner Meinung nach im Fall von Manuel Erhardt aus. Der 20-jährige fährt Nahverkehr ganz bewusst schwarz und hängt sich dabei noch ein Schild um, auf dem genau dies steht. Er will damit laut eigener Aussagen für einen kostenlosen Nahverkehr kämpfen. Bisher wurde er 23 Mal erwischt, steht zur Zeit vor Gericht und rechnet mit einem Freispruch für sich — die Anklage steht auf etwas wackeligen Füßen, da er sich auf Grund des Schildes keine Leistung heimlich erschlichen hat.

Schwarzfahren mit Lauch
Schwarzfahren mit Lauch

Protestform Schwarzfahren

Ich für meinen Teil hoffe, das er mit der Aktion nicht durchkommt und für sein Schwarzfahren belangt wird. Nicht weil ich gegen kostenlosen Nahverkehr bin, sondern weil ich die Art und Weise, wie er dafür „protestiert“ für falsch und verwerflich halte.
Schwarzfahren schadet vor allem den Fahrgästen, die ein Ticket gekauft oder ein Abo haben. Würde jeder so handle wie Herr Erhardt, würde der  Nahverkehr kollabieren, weil die erforderlichen Einnahmen wegbrechen würden. Das nimmt er mit seinem schwarzfahren billigend in kauf.

Gleichzeitig hat sein Schild „Ich fahre ohne gültigen Fahrausweis“ auch eine Botschaft an die Mitreisenden parat. Zwischen den Zeilen unterstellt man den anderen nämlich, zu blöd zu sein. Im Endeffekt für das Verhalten zu einer möglichen Erhöhung der Ticketpreise, in jedem Fall sorgt aber der Schwarzfahrer dafür, dass andere ihn mitfinanzieren. Um für ein alternatives Finanzierungsmodell für den Nahverkehr zu demonstrieren, ist die Aktion der falsche Weg.

Klar, die Ticketpreise etwa hier in Köln sind gruselig. So kostet etwa die Kurzstrecke (drei Stationen) zwei Euro. Das ist viel. Auf der anderen Seite fährt die KVB im Bezug auf die Fahrgäste bereits am Maximum. Mehr geht nicht. Hier ist die Politik gefordert, Möglichkeiten für einen Ausbau und für die Finanzierung zu schaffen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren