Von allen guten und bösen Geistern verlassen

In einer Welt voller Elend und Hunger ist ein pathologischer Kinderwunsch und Luxusproblem für viele Paare. Therapie statt Reproduktionsmedizin wäre sinnvoller.

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Als erstes möchte ich explizit betonen, dass es sich bei dem Nachfolgenden um meine persönliche Meinung handelt. Klar ist das in einem privaten Blog normal, aber bei extrem sensiblen Thema ist er vermutlich nicht falsch, es noch mal zu betonen. Als ich am vergangen Samstag den Artikel „Es ist eine Geduldsfolter“ in der Süddeutsche Zeitung las (online unter andere Überschrift verfügbar), wollte ich noch am selben Tag darüber schreiben. Meine Frau hielt mich jedoch zurück. In der Sache stimmen wir vollkommen überein, aber sie hat ein berechtigtes Interesse, dass nicht allzu große Steine nach mir geworfen werden, wenn ich mich mal wieder unbeliebt mache. Also schlief ich erstmal eine Nacht darüber. Dann noch eine und hatte dann schon den Punkt erreicht, nicht über den in der SZ thematisierten Kinderwunsch zu schreiben. Das änderte sich allerdings gestern Abend, als ich auf Facebook die Kommentare zu SZ-Artikel las. Dort schrieb eine ungewollt kinderlose Frau und schrieb eine sehr treffenden Satz, wie ich finde:

Es gibt ein sinnvolles, glückliches Leben auch jenseits von Kindern.

Es gab dort auch andere Töne, aber auch nicht wenige, die in eine ähnliche Richtung einschlugen. Auch angesprochen wurde ein heikler Punkt. Das es möglicherweise seine Gründe hat, warum nicht jeder Kinderwunsch erfüllt wird.

Unerfüllter Kinderwunsch

Unerfüllter Kinderwunsch

Kein eigener Kinderwunsch

Wir, meine Frau und ich, sind gewollt kinderlos, nein eigentlich kinderfrei. Vor diesem Hintergrund mag es vielleicht auch anmaßend klingen, wenn ich mich zum Thema Kinderwunsch anderer Menschen äußere. Auf der anderen Seite empfinde ich es aber als Maulkorb, sogar Zensur, wenn ich grundsätzlich dazu keine Meinung habe darf und diese auch nicht öffentlich kundtun dürfte.
Meiner Meinung nach ist haftet einem Kinderwunsch, so wie er in dem SZ-Artikel beschrieben wird, schon etwas pathologisches an. Warum will ein Paar mit aller Gewalt ein Kind in die Welt setzen? Geht es da um das Kind an Sicht oder um etwas ganz anderes?
Lassen wir jede Argumentation über zu viele Menschen auf diesem Planeten, die zahl der Waisenkinder, die auf Adoption warten und andere Aspekte mal völlig unberücksichtigt. Also nur dieser Kinderwunsch, der im Raum steht.

Ist es nicht ziemlich stressig, was sich so ein Paar zumutet? Sich selber unter Druck zu setzen, die Beziehung zu riskieren, nur weil beide (oder einer?) unbedingt diesen Wunsch erfüllt sehen wollen?

Dieser ausgeprägte Kinderwunsch hat viel, sehr viel auch mit unserer Gesellschaft zu tun. Auf der einen Seite wird man merkwürdig angesehen, wenn man keine Kinder hat, auf der anderen Seite gibt es dann wiederum wenig Verständnis, wenn man ungeplant auf der Arbeit fehlt, weil ein Kind gerade krank geworden ist — aber das nur am Rande.

Ich finde, wir sollten gelassener an das Thema herangehen. Wenn man keine Kinder bekommen kann, dann ist das einfach so. Wenn man jedoch darüber unglücklich wird, dann stimmt etwas mit der Gesellschaft nicht die letztendlich dafür verantwortlich ist, dass man der Überzeugung anhängt, nur mit Kindern eine richtige Frau / ein richtiger Mann zu sein.

Eine Antwort

  1. Tja, vielleicht hättest du auf deine Frau hören sollen… Also genauso wie ich dir zustehe, dass ihr keine Kinder wollt und euch nicht deswegen angreife (weil ich finde, dass das absolut okay und eure Sache ist) – solltest du nicht so über Personen mit Kinderwunsch urteilen.

    „Wenn man keine Kinder bekommen kann, dann ist das einfach so“ – ehrlich, das ist weder reflektiert noch respektvoll. Denk da bitte noch mal darüber nach. Und noch schlimmer finde ich den Satz „Das es möglicherweise seine Gründe hat, warum nicht jeder Kinderwunsch erfüllt wird.“ Das ist ehrlich einfach nur gefühllos und jenseits der Realität. Ich verstehe, dass du als Mann OHNE Kinderwunsch das emotionale Trauma, was ein unerfüllter Kinderwunsch bei Paaren hinterlassen kann, vielleicht nicht nachvollziehen kannst – aber zumindest solltest du die Weitsicht besitzen, nicht so abfällig darüber zu urteilen. Weil das würdest du dir doch für deine eigene Entscheidung auch nicht wünschen.

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