Preispolizei am Abgrund

Preispolizei am Abgrund

Mundtot zu machen ist möglicherweise eine sehr deutsche Art mit Kritikern umzugehen. Die Bezeichnung als Preispolizei bei einem Hinweis auf unfaire Preisgestaltung gehört dazu.

Angebot und Machtfrage

Es gibt Abschnitte im Leben, wo man viel lieber selber Dinge wieder los werden würde, als neue zu kaufen. Aus diesem Grund tummel ich mich  selten als Käufer auf diversen Verkaufsplattformen. Auf der anderen Seite habe ich bereist mehrfach versucht, etwas bei ebay-Kleinanzeigen los zu werden. Auch wenn sich das nach Kleinanzeigen anhört, ist diese Plattform eher ein umgekehrtes Ebay. Wir erinnern uns: bei ebay fanden mal hauptsächlich Auktionen statt, bei dem der mit dem höchsten Preisangebot den Zuschlag bekam.

Bei ebay-Kleinanzeigen dagegen geht es nicht um den höchsten, sondern den letzten („Was ist letzte Preis?“). Käufer erwartet hier, dass man mehr oder weniger noch drauf zahlt und ewig dankbar ist, überhaupt einen Interessenten gefunden zu haben. Aktuell interessiert mich das jedoch weniger. Wirklich häufig treibe ich mich in Facebook-Verkaufsgruppen für Brettspiele herum. Und ja, ich gestehe, da geht es mir leider auch ums kaufen — statt meinen Sammlung endlich mal zu verkleinern, halte ich Ausschau nach fairen Angeboten. Die letzten beiden Wörter bitte zweifach dick unterstreichen, denn damit sind wir im Prinzip schon bei der Preispolizei angelangt.

Preispolizei für Mortheim
Preispolizei für Mortheim

Fairness statt Preispolizei

In einer idealen Welt wäre so was wie eine Preispolizei nicht notwendig — eine ganze Reihe andere Sachen ebenfalls nicht. Im Übrigen finde ich den Begriff Preispolizei auch ziemlich misslungen, ja er ist unfair und es wird damit versucht, berichtigte Kritik im Keim zu ersticken. Typisch deutsch, wie ich einleitend bereits schrieb.

Worum geht es aber eigentlich? Wahrlich kein Einzelfall sind Brettspiele, die zu einem Preis angeboten werden, der über dem Neupreis liegt. Durch die Beschäftigung mit meinem Hobby kenne ich ein paar Onlineshops und auch Geschäfte vor Ort. Hinzu kommt, dass ich im Studium in einem Spieleladen gearbeitet habe. Man könnte entsprechend behaupten ich, ich würde mich etwas mit Preisgestaltung auskennen — ist aber unerheblich.

Mich stört es, wenn Menschen versuchen, andere Menschen über den Tisch zu ziehen. Klar möchte jeder über die Runden kommen, aber ein überzogener Preise (für zum Teil gebrauchte) Brettspiele finde ich nicht in Ordnung. Berücksichtigen bei den Verkäufen über Facebook muss man immer, dass es Privatverkäufe ohne Gewährleistung sind, in den meisten Fällen kommen noch die Versandkosten dazu. Mit andere Worten: im Gegensatz zum normalen Fachhandel trägt der Käufer das volle Risiko.
In Bezug auf die Preisgestaltung wird zum Teil massiv ausgenutzt, dass Spiele temporär nicht verfügbar sind. Merkwürdigerweise schlägt die Preispolizei nämlich keinen Alarm bei spiele, seit längerer Zeit nicht mehr produziert werden.

Spekulationsobjekt Brettspiele

Es gibt tausend und einen Grund, sich wieder von Brettspielen zu trennen. Allerdings scheint es auch Zeitgenossen zu geben, die mehr oder weniger blind Brettspiele kaufen um sie dann zu einem höheren Preis wieder zu verkaufen. In gewissen Grenzen ist das auch legitim. Jedoch sollte man hier gut aufpassen, ab wann das ein Nebenverdienst ist, welcher der Steuerpflicht unterliegt — ein freundlich gemeinter Hinweis der Preispolizei.

Persönlich möchte ich niemandem unlautere Gründe unterstellen. Jeder sollte aber für sich nachdenken, was er für welchen Preis wann und wo verkauft. Ganz konkret file mir es gestern Abend auf bei einem Spiel, welches mal wieder überteuert angeboten wurde. Das Detail hier: selbstverständlich gibt es das Spiel im Fachhandel deutlich günstiger. Durch die Verlagspolitik jedoch darf es derzeit nur im stationären Fachhandel verkauft werden. Eine gute Sache, stärkt es doch den lokalen Handel und Menschen, die sich vor Ort mehr als nur ein Bein ausreißen. Gelangen solche Spiele wenn auch nur über Umweg online auf den Markt, ist das nicht nur ein Problem der Preispolizei. Es konterkariert die Idee der zeitlichen Exklusivität für den Fachhandel. Natürlich kommt es auf die Dosis an, aber bitte mal einen Moment darüber nachdenken.

Wenn wir schon gerade beim Nachdenken sind, können wir auch noch mal das gegenseitige Anfeinden aufgreifen. Danke.
Im Übrigen noch ein Hinweis zum Thema Persönliche Nachricht (PN), wenn einem der Preis nicht gefällt. Auch das ist eine Methode, Kritik zum schweigen zu bringen. Hinweise auf möglicherweise nicht passende Preise (und die eine oder andere Richtung) gehören in die Öffentlichkeit. Sie sollten aber mit dem mit notwendigen Respekt vorgebracht werden.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren