Apple Pay für Unentschlossene

Apple Pay für Unentschlossene

Seit heute ist Apple Pay in Deutschland verfügbar. Im Land der Bargeldliebhaber wird das viele Fragen auf, vor allem in Bezug auf die Kosten.

Bargeld lacht

Meistens wird der Spruch „Bargeld lacht“ falsch verstanden. Tatsächlich ist es nämlich so, dass Bargeld einen auslacht, wenn man gerade keins hat. Ungünstig, wenn hinter einem in der Schlange die ersten anderen Kunden bereits unruhig werden. Aber im Ernst, in Bezug auf bargeldlose Zahlung hat sich in Deutschland etwas getan. Nicht besonders viel, aber immerhin wird man im Supermarkt nicht aus der Schlange heraus zur Steinigung abgeführt, wenn man mit Karte zahlen will. Die Abwicklung beim bargeldlosen Zahlen ist schneller geworden, in jedem Fall aber schlägt man die Rentnerin, die der Kassiererin den Inhalt ihres Portemonnaies aufs Fließband schüttet.
Über uns Deutsche sagt man nach wie vor, wir wären ein Volk von Bargeldliebhabern. Das ist vermutlich eine Pauschalaussage, oder aber ich bin mal wieder kein Teil der Gemeinschaft. Ich für meinen Teil bevorzuge den Bargeldlosen Zahlungsverkehr. Daher müsste ich Apple Pay eigentlich mit offenen Armen begrüßen. Dem ist aber nicht so, wofür es ein paar Gründe hat. Erinnert sich noch jemand an den Erfolg der Geldkarte? Eben! Vermutlich hat das nicht nur beim mir verbrannte Erde hinterlassen. Die Idee dahinter war auch zu dumm. Man lädt die Karte vorab auf, das Geld befand sich nicht mehr auf dem Konto, war aber auch nicht mehr ausgegeben. So ganz geglaubt habe ich es nie, dass die Banken nicht in der Zwischenzeit noch mit dem Geld auf der Geldkarte arbeiten konnten.

Einrichtung von Apple Pay
Einrichtung von Apple Pay

Tücken von Apple Pay

Nun aber zu Apple Pay. „Sie müssen gar nicht mehr zahlen. Das macht jetzt alles Apple.“, schreibt die Süddeutsche Zeitung. Dabei ist das glatt gelogen. Wenn am Monatsende die Rechnung kommt, weiß man, wer wirklich (drauf-)zahlt. Auf der eigentlich Webseite zu Apple Pay findet man zum Thema Kosten nichts. Dafür dann aber in einem Supportdokument für Händler. Dort steht dann sehr deutlich:

Fallen zusätzliche Gebühren für die Akzeptanz von Apple Pay an?
Nein. Apple erhebt keine zusätzlichen Gebühren.

Was aber dann eben auch in der Form erstmal nur für Händler gilt. Die aber ehedem schon für die Terminals zahlen.
Kommen zum Verbraucher. Um mit Apple Pay überhaupt zahlen zu können, benötigt man die Karte einer Bank, die mit Apple zusammen arbeitet. Das sind zwar einige, aber nicht alle. Kein Wunder, denn die zahlen an Appel für die Verwendung in Appel Pay eine Gebühr. Da die Anzahl wirklich karitativer Banken überschaubar ist, holen sie sich das Geld auf die eine oder andere Weise wieder von ihren Kunden zurück.

Kein wirklicher Nutzen

Ziemlich deutlich wird diesbezüglich der Anbieter für eine virtuelle Kreditkarte, boon. — die ersten drei Monate sind kostenlos, danach fallen monatliche Gebühren in Höhe von 1,49 EUR an. Hier muss jeder selber entscheiden, ob ihm die Nutzung das wert ist. Brötchen beim Bäcker oder Gemüse vom Markt wird man in Deutschland auf absehbare Zeit noch immer nur auf eine Weise bezahlen können, nämlich mit Bargeld.
Selbst wenn man mal die kleinere Anzahl der teilnehmenden Banken und Händler in Deutschland außer Acht lässt, erschliesst sich mir der Nutzen von Apple Pay nicht. Warum soll ich mit dem Handy bargeldlos zahlen, wenn ich das auch mit Karte könnte? Ganz konkret in meinem Fall: wenn ich einkaufe, zahle ich da, wo es möglich ist mit meiner Amex. Künftig könnte ich das auch mit Apple Pay, denn American Express gehört zu einer der Partnerunternehmen von Appel. Aber warum sollte ich das tun? Für kleiner Beträge hat die Karte bereits einen NFC Chip zum kontaktlosen Bezahlen integriert. Bei größeren Beträgen finde ich völlig ausreichend, mit ihr zu zahlen. Die Karte ist kleiner und kompakter als mein iPhone, was ich öfter mal zu Hause liegen lasse. Geht meine Amex mal kaputt oder verliere ich sie, bekomme ich innerhalb kurzer Zeit kostenlos Ersatz. Verliere ich mein iPhone, bin ich erstmal so richtig am Arsch.
Im Übrigen fand ich es leicht gruselig, als ich heute Morgen Apple Pay aktivieren wollte. Meine Kreditkarte war dort nämlich bereits hinterlegt, da sie ich mit ihr gelegentlich im Appel Store eingekauft habe. Ich musste lediglich den Sicherheitscode hinzufügen.

2 Replies to “Apple Pay für Unentschlossene”

  1. „Warum soll ich mit dem Handy bargeldlos zahlen, wenn ich das auch mit Karte könnte?“
    Ich glaub nicht, dass es auf lange Sicht ums Telefon geht. Ein Freund hat mir gezeigt, wie er mit seiner Apple Watch mit Apple Pay zahlt. Das schlägt das Rauskramen der Karte in Sachen Bequemlichkeit dann doch. Boon is bei ihm tatsächlich ein Nullsummenspiel, da er die Gebühren durch regelmäßie Paybackaktionen direkt wieder reinholt.

    Ist das was für mich oder mach ich dafür ein extra Konto bei einer der teilnehmenden Banken auf? Nö. Ich gehör zu den Leuten, die sich am Automaten alles in Fünfern auszahlen lassen. ^^

  2. Nach wie vor bleibe ich skeptisch. Vermutlich auch deshalb,weil ich einem Unternehmen wie Apple nicht noch mehr Geld in den Rachen schieben will. Auch nicht aus Bequemlichkeit. Und in Bezug auf teilnehmende Banken hab ich ja schon folgendes bei Twitter hinterlassen:

    „Mir persönlich wäre ja ein Bank lieber, die auch Obdachlosen die Möglichkeit gibt, ein kostenloses Konto zu führen statt eine, die sich sofort auf Apple Pay stürzt.“

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren