Dieselpunk tanzt anders

Dieselpunk tanzt anders

Brettspieler sind auch nur Menschen, in jeglicher Hinsicht. Mitunter tanzt daher der Dieselpunk über Rezensionen hinweg und pfeift auf andere Meinungen.

Versuch einer Standortbestimmung

Mittlerweile schreibe ich hier in diesem Blog gut 15 Jahre. Die Themen sind häufig bunt gemischt, es ist auch einiges dreht sich erkennbar um Politik und Gesellschaft. Nicht immer treffe ich den richtigen Ton, manchmal bin ich etwas launisch beim verfassen der Zeilen. Die Texte entstehen meisten in einem Zeitfenster von einer Stunde.
Es liegt in der Natur der Sache, dass nicht immer alle Menschen die gleiche Meinung haben. Schon gar nicht meine Meinung. Bisher, und wir reden hier über den bereits erwähnten langen Zeitraum, wurde in den überwiegenden Fällen höflich kritisiert. Sachliche Auseinandersetzungen wie etwa mit Sven  schätze ich. Auch wenn wir uns nicht persönlich kennen, ist Kritik höflich und nie beleidigen.
Auch von anderer Seite bin ich es nicht gewohnt, auf übelste Weise von der Seite angemacht zu werden. Und wahrlich, bei manchen Themen hätte ich das möglicherweise sogar verdient, wenn nicht provoziert.
Das alles sollte man im Hinterkopf haben, wenn ich das beschreibe, was gestern passierte. Für Alpha Meeple habe ich eine neue Rezension veröffentlich, diesmal über das Brettspiel Scythe. Noch mal langsam zum mitdenken: Rezension eines Brettspiels. Kein Text über Bürgerinnen aus Ostdeutschland, die AfD oder die neue Parteivorsitzende der CDU — der kommt dann morgen.

Muskelpower statt Dieselpunk
Muskelpower statt Dieselpunk

Steampunk oder Dieselpunk?

Einen Link zu meiner Rezension habe ich in der Facebookgruppe „Brettspielrezensionen“ gepostet. Neben einen paar Likes gab es dann drei Menschen, die mich auf eine, meiner Meinung nach unangemessene Weise, angingen. Geschrieben hatte ich in meiner Rezension, Scythe sei ein „3x-Spiel mit Workerplacement und Steampunk Setting“. Erster Reaktion darauf: „das Spiel ist weder 3x, noch Steampunk…“. Maximal seit Scythe ein 2,5x Spiel. Auf diesen Punkt gehe ich gleich noch ein. Zuerst aber zum Steampunk. Man belehrte mich, dass es korrekt „Dieselpunk“ lauten müsste. Ich für meinen Teil habe von Dieselpunk bisher nichts gehört. Tut mir wahnsinnig leid, dass ich mit meine bald 48 Jahren so unwissend bin. Natürlich gibt es Unterschiede zwischen Dieselpunk und Steampunk. Meiner bescheidenen Meinung nach kennen die viele der Leser, für die der Text eigentlich geschrieben ist, genau so wenig wie ich selber. Die Bezeichnung Steampunk hatte ich nur gewählt, damit man die grobe Richtung einschätzen kann.
Ob nun Dieselpunk oder Steampunk — geschenkt. Auf einem ganz anderen Blatt steht jedoch die Einordnung von Scythe als 3x-Spiel. Natürlich kann man so was in einer Rezension auch ausführlich begründen. Aber es ist keine Grundvoraussetzung. Mein Antwort bei Facebook lautete dann „Gut das jeder das Recht auf eine eigene Meinung hat ;-)“ — man beachte hier den ironischen Smilie.
Für mich war dann die Sache damit erledigt.

Runde zwei mit mehr Dampf

Daraufhin ging die Sache aber erst so richtig los. Eine SpielL wollte das nicht auf sich beruhen lassen. Das sei keine Meinung, sondern Fakten. Womit in erster Linie die Einordnung von Scythe als 3x beziehungsweise 2x Spiel gemeint war. Auch hier habe ich dann wieder, wie ich finde, mit einem Zwinkern geantwortet: „Über 2.5 x als Fakt ließe sich streiten. Aber wozu, bringt der Weihnachtsmann mehr Spiele, wenn man gewinnt?“ Ehrlich, mir ist es wirklich nicht wichtig, ob nun 2.5x oder 3x. das Ganze soll kein Glaubenskrieg sein. Schließlich geht es nicht um Organspende, Migration sondern nur um beschissene Brettspiele. Das manche Menschen das an die große Glocke hängen, hätte ich nicht mal im Traum für möglich gehalten.
Die nächste Reaktion vom SpielL:

ich hab persönlich ein Problem damit, wenn man Fakten bestreitet und nicht als welche anerkennt. Ein grosses Problem unserer heutigen Zeit.

Das empfinde ich bereits als unverschämt. Zudem fühle ich mich da in die AfD-Ecke geschoben. Das man gerade mir, der Wert auf Fakten legt, so was unterstellt, geht mir gegen den Strich. Entsprechend fiel meine Antwort aus:

Schau, ich habe Probleme mit dem Tonfall. Kritik kann man entweder charmant, mit Augenzwinkern formulieren oder sie einem einfach vor die Füße werfen.

Für mich, man sehe mir meine Naivität nach, macht der Ton die Musik. Manieren scheine in der Anonymität oder scheinbaren Anonymität rar geworden zu sein. Manche Sätze würden nie fallen, säßen sich die Personen am Tisch gegenüber.

Öl ins Feuer vom Dieselpunk

Danach ging der Dieselpunk so richtig ab. Bisher hatte ich die betreffende Person als ruhigen und angenehmen YouTuber empfunden. Bis mir dann so eine Aussage entgegen geschleudert wurde:

Soll er dir beim richtig Stellen falscher Aussagen noch den Bauchpinseln? Sorry, das ist meiner Meinung nach die falsche Einstellung. Du veröffentlichst etwas – gehst an die Öffentlichkeit – da sind sachliche Fehler drinne – was vorkommen kann, keine Frage. Aber Bauchpinseln braucht man da wirklich nicht erwarten.

Bin ich im falschen Film? was hat mein Wunsch nach zivilisierten Umgangsformen mit Bauchpinseln zu tun. Ne, hier fehlt mir echt das Verständnis. Aus der Diskussion wollte ich bereits an dieser Stelle aussteigen:

Deine Antwort ist jetzt etwas übertrieben, wirklich schade. Und für mich ist Scythe ein 3x Spiel.

Mir ist das Thema einheitlich nicht wert, darüber einen handfesten Streit vom Zaun zu brechen. Verstanden wurde das aber nicht, ich hätte mich wohl noch deutlicher und vor allem unterwürfiger ausdrücken sollen. Als Reaktion wurde noch mal danach gefragt, wo denn das Explore und Exterminate bei Scythe sei. Keine Thema, ich hatte ja auch von 4x geschrieben.

Versuch eines Ausstiegs

Da ich das Gefühl hatte, nach wie vor nicht verstanden zu werden, wählte ich diesmal deutlichere Worte:

Ich denke, wir belassen das an dieser Stelle einfach. Es gibt meiner Meinung nach keinen Grund, das hier eskalieren zu lassen. Rechtfertigen für meine Rezension muss ich mich auch nicht. Alles weitere kann man mit mir gerne per PN oder in einem persönlichem Gespräch geklärt werden.

Meiner Meinung nach ist das nicht nur deutlich, sondern auch eine zur Versöhnung entgegengestreckte Hand. Reaktion darauf dann:

Ich verstehe zwar nicht, warum du nicht bereit bist, öffentlich meine Frage nach dem eXplore und eXterminate zu beantworten – es signalisiert mir aber, dass du anscheinend keine Antwort darauf hast. Jeder macht Fehler, sie zuzugeben zu können ist die Tugend an der Sache. Es redet ja keiner deine Meinung über das Spiel schlecht, sondern es geht einfach um diese konkreten Punkte.

Hier wird mit Unterstellungen gearbeitet, mehrfach sogar. Natürlich hätte ich einfach die Benachrichtigungen ausschalten können. Aber so was konnte und wollte ich nicht auf sich beruhen zu lassen. Nach wie vor war ich noch unterwegs, versuchte mich zu sammeln und eine Antwort zu formulieren:

du ziehst die falschen Rückschlüsse. Das “ sie zuzugeben zu können ist die Tugend“ nehme ich jetzt Mal persönlich. Du urteilst über mich, ohne mich überhaupt zu kennen. Finde ich nicht fair. Für mich hat das hier schon fast etwas von einem Schauprozess: „Zeigen wird dem Möchtegern-Rezensenten doch mal, wie wir es machen“. Btw.: Ich nehme das mal zum Anlass für einen Blogartikel in meinem Nicht-Spiele-Blog. Da werde ich dann auch darauf eingehen, warum es meiner Meinung nach ein 3x Spiel ist. Von 4x habe ich nie gesprochen…

Für mich stand zu dem Zeitpunkt fest, dass ich den Vorfall zum Anlass für diesen Blogartikel hier nehmen würde. Mir geht es echt gegeben den Strich, vor allem wenn Dinge Jahre später wieder auf den Tisch kommen und man einen Strick draus gedreht bekommt. Aus diesem Grund habe ich hier auch ziemlich frech die Kommentare zitiert.

Ist Scythe ein 4x-Spiel?

Kommen wir an dieser Stelle zu des Pudels Kern. Meiner Meinung nach ist Scythe ein 3x-Spiel, weil ich den Faktor der Entdeckung zu schwach finde. Durch die Begegnungsplättchen ist er aber durchaus vorhanden. Extermination, also die vollständige Eliminierung eines Spielers geben die Regeln nicht her, aber es ist durchaus möglich, einen Spieler so weit in die Enge zu treiben, dass er aus seiner eigenen Heimatgebiet nicht mehr heraus kommt (Ausnahme hier: Kahntat der Krim). Genau das ist bei zwei der vielen gespielten Partien auch passiert. Grundsätzlich halte ich von knallharter Eliminierung eines Spielers nichts. Aber das wäre ein anderes Thema.
Ausbreiten (expand) sollte man sich auf jeden Fall bei Scythe und auch die Ausbeutung von Rohstoffen so wie die Entwicklung der eigenen Nation spielen eine wichtige Rolle.
Bei BoardGameGeek wurden zu dem Thema schon mehrfach Diskussion  geführt, die Antwort von Jamey Stegmaier (Autor des Spiels), halte ich für zulässig, auch wenn ich ihr nicht ganz folge.

Scythe, ein 4x Spiel
Scythe, ein 4x Spiel

Es kehrt dann am Abend Ruhe ein in Bezug auf neue Kommentare. Mit etwas Berechtigung hatte ich gehofft, das Thema sei damit erledigt – bessere wäre es wohl gewesen, ich hätte auch gleich die Benachrichtigung für den Beitrag deaktiviert.

Das Niveau sinkt

In der Nacht gab es dann einen weiteren Kommentar von anderer Seite. Diesmal ging es nicht um Dieselpunk oder 4x:

„Um die Regeln zu lernen, lässt man sich das Spiel entweder erklären oder aber liest selber die Anleitung“
Jo! Regel lesen ist manchmal von Vorteil, super recherchiert! 👍 Auch ich lese machmal eine Regel, bevor wir ein komplexes Spiel spielen.

Ehrlich, ist so was nötig? Gibt es Menschen, die aus Schlaflosigkeit und Langeweile andere von der Seite anmachen? Offensichtlich schon. Meine Antwort, kurz vor dem zu Bett gehen:

tolles Hobby hast du da, abends noch mal jemand blöd anmachen, den du nicht persönlich kennst. Tatsächlich lass ich mir gerne auch die Regeln mal komplett erklären, um ein Spiel kennen zu lernen. Auch mal gerne von komplexeren Spielen oder dem Besitzer des Spieles. Aber jeder hat da andere Maßstäbe. Soll auch Spielegruppen geben, wo man erst an den Tisch darf, wenn man schriftlich Fragen zu den Spielregeln beantwortet hat.

Bevor ich hier die Antwort der betreffenden Person veröffentliche, noch mal eine Erklärung, wie bei mir eine Rezension entsteht und wie lange ich dafür im Gegensatz auch zu meinen Blogtexten benötige.
Ich lege gerade bei den Topspielen Wert darauf, ein Spiel mindestens 10 Mal gespielt zu haben, um einen ordentlichen Eindruck zu bekommen. Für die Fotos nehme ich mir Zeit, auch um wie ich finde eine eigene Handschrift mit ihnen zu haben. Bevor ich dann die Rezension schreibe, lese ich mir die Spielregeln erneut durch, habe sie auch parallel offen, um bei den Formulierungen keine falschen Begriffe zu verwenden.
Für die Struktur der Rezensionen habe ich mir in Scrivener ein Vorlage gebastelt. Um sie mit Inhalt zu füllen, vergeht (gemessen an meine ersten beiden Rezensionen) eine Woche. Schreiben, noch mal darüber lesen, Fehler, auch inhaltliche, korrigieren. Kurzum, es steckt viel Arbeit darin und ich bekomme dafür weder Geld noch sonst was. So, und was bekam ich dann in der Nacht noch als Antwort:

Was heisst blöd anmachen? Ich sehe einen post mit dem Titel: was mir an Scythe gefällt und lese ein copy past text über simple regel zusammenfassung… deine Meinung, die mich interessiert hätte=0, sorry.

Was für eine freche Person. Darauf möchte ich auch nicht mehr antworten und lasse es für sich selber sprechen. Heute Morgen habe ich dann die Benachrichtigungen für den Beitrag deaktiviert. Was lerne ich draus? Spieler sind Hyänen? Das mit den Rezensionen zu lassen? Nein, etwas, was ich eigentlich schon früher in Foren gelernt habe. Die Sache mit der nordischen Sagengestalt. Ich werde weiter machen mit den Rezensionen. So leicht werfe ich die Flinte nicht ins Korn.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren