Vapiano sagt addio

Vapiano sagt addio

In Bezug auf Pizza sind die Deutschen beim Konsum vermutlich italienischer als die Italiener. Das Konzept von Vapiano hätte daher erfolgreich sein können.

Pizza hat fertig

Quer durch alles Altersgruppen, soziale Schichten und sonstige Möglichkeiten, die Gesellschaft zu differenzieren gibt es einen gemeinsamen Nenner. Zumindest eine signifikante Häufung in der Antwort auf die Frage nach dem Lieblingsessen. Neben Currywurst mit Pommes und Döner ist es vor allem die Pizza, die uns eint. Kein Wunder, denn sie ist in breitem Preisspektrum verfügbar. Von der No-Name Variante aus dem Kühlregal beim Discount bis zur Edel-Variante beim Nobel-Italiener. Nicht nur Teig und Sauce entscheiden, sondern auch das, was die Pizza so drauf hat. Ob Steinofen oder Mikrowelle, auch die Zubereitung spielt eine Rolle.
Insofern ist Pizza ein weites Feld, wie Günter Grass sagen würde. Nach wie vor hält sich noch das Gerücht, man könne im Grunde zu Hause selber keine echte Pizza machen. Meiner Meinung nach hängt das ab vom eigenen Talent und von der Leistung des Backofens. Wie dem auch sei, Pizza wird auch gerne auswärts gegessen, beziehungsweise dort zubereitet. Die Motorroller am späten Abend in der autofreien Siedlung zeigen, dass auch hier in der Mittelschicht gerne der runde Teigfladen verspeist wird — und im Notfall die Autofreiheit gegenüber der Bequemlichkeit ins Hintertreffen gerät.

Vapiano geht, der Mond schaut zu
Vapiano geht, der Mond schaut zu

Konzeptmängel bei Vapiano

In der Süddeutschen Zeitung wird heute über Vapiano berichtet — die Überschrift des Artikels in der Printausgabe „Durchgenudelt“ deutlich besser gewählt. Der Kette geht es nicht so gut, eigentlich ging es ihr bereits seit längerem nicht gut. Bei Vapiano wundert mich das ehrlich gesagt überhaupt nicht. Meiner Meinung nach hat Vapiano nicht nur Mängel im Service und mit der Hygiene sondern das Konzept ist einfach blödsinnig.
Mal ganz ehrlich: Wenn ich auswärts esse, dann entweder, um schnell und günstig den Hunger zu stillen. Oder aber um mein Essen zu genießen, es zu zelebrieren. Dann muss es besser sein, als wenn ich selber kochen würde. Vor allem muss der Service stimmen. Hier liegt der Fehler bei Vapiano, denn man liegt genau in der Mitte. Die Zutaten wollen frisch sein, die Preise liegen im Mittelfeld — für ein normales Restaurant. Und damit eben über dem Niveau der kleinen Pizzerien und Lieferdienste.
Gleichwohl muss man für eine Bestellung anstehen und sein Essen auch abholen, wenn es fertig ist. Keine Bedienung am Platz. Bei den Besuchern von meiner Frau und mir führte das dazu, dass wir unser Essen sehr asynchron auf dem Tisch hatten.

Zusehen beim Essen

Natürlich habe ich keine Probleme damit, anderen am Tisch beim Essen zu zusehen, während ich selber hungrig auf mein Gericht warte. Es ist aber nicht das, was ich mir unter einem gelungenen Restaurantbesuch vorstelle.
So wie mir scheint es offensichtlich auch anderen zu gehen. Der Fehler im Grundgedanken von Vapiano erklärt meiner Meinung nach, warum diese Fastfood-Kette scheitern muss.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren