Braunkohle unterridisch beim IGBCE

Braunkohle unterridisch beim IGBCE

Am vergangenen Mittwoch demonstrierte der IGBCE am Kölner Hauptbahnhof lautstark für den Erhalt von 794 Arbeitsplätzen. Die hängen angeblich an der Braunkohle.

Reaktion und Gegenreaktion

Nach dem vorläufigen Stopp der Rodung des letzten Restes vom Hambacher Forst freuten sich zunächst die Gegner des Braunkohletagebaus. Es war allerdings nur eine Frage der Zeit, bis es zu einen Gegenreaktion kommen würde. Nicht nur von RWE selber, sondern quasi von deren Beschäftigten. Mehr oder weniger durch Zufall stieß ich am vergangenen Mittwoch nach einem Kundentermin auf die vom IGBCE organisierte Demonstration für den Erhalt der Braunkohle. Die Kundgebung fand am Kölner Hauptbahnhof statt. Mir kam beim Anblick sofort die Galle hoch. Wegen eines Plakates, auf dem von 794 Arbeitsplätzen gesprochen wurde, die jetzt gefährdet seien. Aber auch auf Grund der Gewerkschaft selber, die diese Demonstration veranstaltet hat. Das muss ich natürlich erklären.
Mit Braunkohle selber habe ich im Prinzip nichts am Hut. Aber mit Kohle hatte ich eine Zeit lan zu tun gehabt. Indirekt, da ich für ein Tochterunternehmen der RAG (heute Evonik) gearbeitet habe. Selbstverständlich wurde ich auch Gewerkschaftsmitglied. Die zuständige Gewerkschaft war entsprechend der IGBCE. Lustig, denn ich und meine Kollegen waren im Bildungsbereich tätig. Aber gut, wir hatten auch drei zusätzliche Urlaubstage, so genannte Untertage-Freischichten.

Braunkohle hat viele Gesichter
Braunkohle hat viele Gesichter

Braunkohle als Klimakiller

Jedenfalls, aus der Zeit kenne ich den IGBCE. Er hatte damals unter uns Kollegen einen gewissen Ruf. Eine der wenigen mir bekannten Gewerkschaften, die kuschelig eng mit dem Unternehmen verbunden sind. In der Regel hat man beim IGBCE und bei der RAG Hand in Hand gearbeitet — fast schon nach Kölner Art. Das schlug sich in meiner Wahrnehmung auch in der Postenverteilung nieder.
Bei einer Demonstration für Braunkohle, organisiert vom IGBCE, habe ich ein merkwürdiges Bauchgefühl. Es sagt mir, dass diese Demonstration ganz im Sinne des Konzerns ist, der die Braunkohle abbaut und den Hambacher Forst roden will. Aus meiner Sicht ist Braunkohle ein Klimakiller. Die Arbeitsplätze weniger Menschen gegen das Wohl aller ausspielen zu wollen, ist für mich einfach nur daneben. Es fehlt der Gewerkschaft die gleiche notwendige Einsicht in umweltpolitische Zusammenhänge wie RWE.
Ziemlich daneben in diesem Zusammenhang finde ich auch das Verhalten einige Genossen bei der SPD. Traditionell steht die Partei der Kohle und Braunkohle ja eher unkritisch gegenüber — um es mal harmlos auszudrücken. In einer Facebook-Gruppe beschwerte sich etwa jemand massiv, dass ein WDR-Mitarbeiter während der Demonstration ein Schild „Bambi bleibt“ in seinem Bürofenster hängen hatte. Es sei ja ein „Skandal, dass Mitarbeiter einer öffentlich-rechtlichen Anstalt ihre politische Einstellung an ihrem Arbeitsplatz öffentlich demonstrieren“. Meiner Meinung nach liegt der Skandal ganz woanders.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren