Kriegsende vor 100 Jahren

Kriegsende vor 100 Jahren

Gestern wurde dem Kriegsende vor 100 Jahren gedacht. Am 11. November 1918 endet jener Krieg, welcher später der „1.Weltkrieg“ genannt wurde.

Gedenken fast weltweit

Am meisten berührt in der Berichterstattung über die Gedenkfeiern gestern hat mich ein Foto. Es zeigt Bundeskanzlerin Angela Merkel und den französischen Präsidenten Emmanuel Macro in einem Moment der Stille. Kay Nietfeld hat in perfekt eingefangen. Zu sehen ist das Foto unter anderem auf der Titelseite der heutigen Süddeutsche Zeitung. Für mich hat dieses Foto deshalb etwas besonderes, weil es Vertrautheit zeigt. Vertrautheit zwischen zwei Menschen, aber auch Vertrautheit zwischen zwei Nationen. Zischen jenen zwei Nationen, die sich im ersten Weltkrieg erbittert gegenüber standen. Der Krieg an der Westfront wurde mit enormer Brutalität geführt, mit vielen Toten auf beiden Seiten.

Kriege gab es bereits früher zwischen Frankreich und Deutschland. Auch Konflikte, bei denen auf die Zivilbevölkerung keine Rücksicht genommen wurde. Abgesehen vom Dreißigjährigen Krieg, der vor 400 Jahren begann, waren die Kriege in der Regel zeitlich eng begrenzte Auseinandersetzungen. Es war damals bei Kriegsbeginn im August 1914 daher nicht verwunderlich, dass die deutschen Soldaten glaubten, sie wäre Weihnachten im selben Jahr wieder zu Hause. Man glaubte an einen schnellen Vorstoß, an die eigene militärische Überlegenheit und an den Erfolg des Schlieffenplans.

Kriegsende nicht in Irland
Kriegsende nicht in Irland

Lehren aus dem Kriegsende

Nach anfänglichen Erfolg kam es an der Westfront zu einem Stellungskrieg. Nur wenig und wechselnder Geländegewinne. Man sprach von einem Abnutzungskrieg. In Wahrheit wurde jedoch nicht nur Material abgenutzt, sondern Menschen in der Blutmühle verheizt. Sinnlose Angriffe fordert hohe Opfer. Dazu kam die Technisierung des Krieges, die völlig andere Strategien und Taktiken ermöglichte.
Extrem barbarisch war nicht nur der Einsatz von Giftgas, sondern auch von Flammenwerfern.
Nach dem Kriegsende wollte Frankreich Deutschland so schwächen, dass nie wieder ein Krieg von dieser Nation ausgehen würde. Weniger als 21 Jahre später kämpften die beiden Länder wieder gegeneinander.
Das Foto von Merkel und Macro drückt auch meine Hoffnung aus, dass es nie wieder zwischen diesen beiden Nationen zum Krieg kommen wird. Das wir endlich eine Lehre aus der Vergangenheit ziehen und erkennen, wie nah sich die beiden Nationen eigentlich sehen. Für mich sind sie das Herz von Europa, der Europäischen Union.

Der große Krieg

Das Kriegsende des 1. Weltkrieg sollte und Deutsche ins Gedächtnis rufen, wie anders die geschichtliche Sicht in anderen Ländern auf die beiden Weltkriege ist. Wir sind aus guten Gründen geprägt vom 2. Weltkrieg. Unsere Schuld darf niemals vergessen werden. Es war nicht nur ein Krieg, die deutsche Nation hat den Holocaust zu verantworten.

Für Länder wie etwa Großbritannien, Kanada und Australien ist der 1. Weltkrieg nach wie vor „The Great War“. Sie bezahlten ihren Beistand für Frankreich mit ihrem Blut auf den Feldern von Flandern. Um die Bedeutung dieses Krieges für diese Nation zu begreifen, sollte man das Gedicht von Major John McCrae lesen. „In Flanders Fields“ erklärt auch, warum Mohnblumen zum Symbol des Gedenkens in Großbritannien wurden.
In diesem Jahr erschienen zahlreichen Bücher zum Kriegsende und zum 1. Weltkrieg. Versuche ihn zu erklären. Für mich nach wie vor ein Standardwerk ist „Die Schlafwandler“ von Christopher Clark. Vergessen sollte man auch nicht, dass das mit dem Kriegsende am 11. November 1918 so nicht stimmt. Es endet lediglich die Auseinandersetzung zwischen den Westeuropäischen Staaten. Auf dem Balkan und anderswo tobte der Krieg weiter, Bürgerkriege wurden ausgetragen. Auch in Irland kam es zum Bürgerkrieg, dessen Folgen bis in unsere Zeit hinein spürbar sind. Der 1. Weltkrieg hatte ein blutiges Erbe.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren