Geiselnahme in Köln

Geiselnahme in Köln

Zugausfälle und Verspätungen gehören zum Alltag. Weniger alltäglich ist es, wenn es zu ihnen auf Grund einer Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof kommt.

Ganz normaler Montag

Montags ist bei mir schon seit sehr langer Zeit ein Home Office Tag. Ein neues Projekt stand gestern an, zum ersten Mal überhaupt habe ich mich mit Elementor und dem Advanced Custom Fields Plugin für WordPress im Zusammenspiel beschäftigt. Die Möglichkeiten versetzen zumindest mich in eine Art Rausch. Im Prinzip kann man visuelle ansprechende Websites wie ganz früher in Dreamweaver bauen — mit dem Unterschied, dass alles an Inhalten dynamisch aus einer Datenbank kommt. Eigene Custom Post Types lassen dann nur die eigene Phantasie als Grenze erscheinen. Über die Arbeit vergaß ich aufzustehen, hatte zu wenige getrunken und von der allgemeinen Nachrichtenlage nichts mitbekommen. Na ja, die Landtagswahl in Bayern lag mir noch schwer im Magen.
Erst am frühen Abend erfuhr ich dann von der Geiselnahme am Kölner Hauptbahnhof. Eine Frau in der Apotheke im Bahnhof wurde als Geisel genommen, ein Mädchen soll schwer verletzt aus einem Schnellrestaurant gerannt sein. Vollsperrung des Bahnhofs, zahlreich Zugumleitungen und Ausfälle von Verbindungen. Noch etwas erschöpft vom Tag überflog ich nur die ersten Meldungen, primär bei der Süddeutsche Zeitung und nicht etwa beim Kölner Stadtanzeiger. Was über deren Twitter-Account zuvor alles gemeldet wurde im Zusammenhang mit der Geiselnahme, ist alles an mir vorbei gerauscht.

Polizeiabsperrung nach Geiselnahme
Polizeiabsperrung nach Geiselnahme

Hintergründe der Geiselnahme

Heute Morgen habe ich dann einen ausführlicheren Artikel in der SZ zur Geiselnahme in Köln gelesen. Sachlich und ruhig im Ton, nicht auf Effekthascherei versehen. Genau so wie die weitere Berichterstattung der SZ  zum Thema. Im KSTA mag es dagegen laut, bunt und brennend. So wird fast schon genüsslich ausgebreitet, was es mit dem Vorfall im Schnellrestaurant https://www.ksta.de/koeln/innenstadt/geiselnahme-am-koelner-hbf-maedchen-fluechtete-brennend-ins-freie-31442298 auf sich hat. Natürlich sind es dramatische Momente gewesen, aber nicht immer es es geboten, die in allen Einzelheiten zu schildern. Vielleicht sind sich manche der so genannten Journalisten nicht bewusst, dass sie dadurch das Leid der Opfer verstärken.
Der Ablauf in der SZ wird wie folgt geschildert: ein Mann habe im Schnellrestaurant einen Molotowcocktail geworfen und dadurch ein 14-jähriges Mädchen schwer verletzt, anschließend sei er in die gegenüberliegende Apotheke geflüchtet und habe dort eine Frau mit Benzin übergossen. Er droht damit, sie anzuzünden. In folge dessen kam er zur Erstürmung der Apotheke, bei der der Geiselnehmer so schwer verletzt wurde, dass er derzeit vernehmungsunfähig auf einer Intensivstation liegt.
Soweit die Fakten. Alles andere zur Geiselnahme ist entweder überflüssig oder schon Teil von Spekulationen, wie etwa ein terroristischer Hintergrund der Tat. Die Ermittlungen dauern noch an. Ebenso wie die Zugverspätungen. Aber dafür gibt es am heutigen Dienstag auch noch andere Gründe.

Tatort Bahnhof

Während viele vermutlich im Zusammenhang mit der Geiselnahme im Kölner Hauptbahnhof gedanklich sofort in jener Kölner Silvesternacht sind, welche die Domstadt deutschlandweit ins Gespräch brachte, musste ich an den Toten in der Pizza Hut Filiale vor fast vier Jahren denken. Der Kölner Hauptbahnhof ist ein hochfrequentierter Ort. Täglich sind hier 280.000 Reisende unterwegs, steigen aus, steigen um und begegnet einander.
Kriminalität ist daher ein statistischer Begleitumstand. Ja, das ist nicht schön, lässt sicher aber kaum vermeiden — es sei denn, man möchte den totale Überwachungsstaat. Und wirklich sicher fühle ich mich persönlich nicht, wenn Polizisten in Kugelsicheren Westen mit Maschinenpistole im Kölner Bahnhof patrouillieren.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren