Leitmedium Buch am Ende

Leitmedium Buch am Ende

Im Land, wo der Buchdruck erfunden wurde, sieht man der Abenddämmerung des Buches entgegen. Das Leitmedium Buch sei am Ende, heisst es.

Verfrühte Todesanzeigen

Von Marc Twain, einem Buchautor von Weltruhm, stammt ein sehr treffendes Zitat: „Der Bericht über meinen Tod wurde stark übertrieben.“ Gleiches mag man denken, wenn man den Abgesängen auf das Leitmedium Buch lauscht. Lothar Müller in der Süddeutsche Zeitung ist einer derjenigen, die sich Gedanken zur Zukunft des Buches machen — mit einer weniger optimistischen Einstellung als die Betreiber der Frankfurter Buchmesse. Diese steht wieder vor der Tür und will sich mehr als den je vor allem selber feiern. „Unruhe beim Fest“ hat Müller seinen Text betitelt. Weniger charmant ist man in der FAZ, denn dort fragt Sandra Kegel sehr deutlich „Ist das Buch am Ende?“.
Ja, die Champagnerlaune ist vorbei, der Buchmarkt steckt ganz offensichtlich in der Krise. Es werden nicht unbedingt signifikant weniger Bücher gekauft, aber von weniger Lesern — die kaufen einfach nur etwas mehr. Auf Dauer geht das freilich nicht gut. Aus einem langsamen Sinkflug kann schnell ein Sturzflug werden. Händeringen versucht man dem gegenzusteuern, vor allem sich selber aber die Frage zu beantworten, woran es denn liege. Ist das Leitmedium Buch tatsächlich am Ende, lesen nur noch etwas von Vorgestern?

Leitmedium (Suchbild)
Leitmedium (Suchbild)

Kein wirkliches Leitmedium

Der Anteil an jüngeren Lesern nimmt wohl tatsächlich kontinuierlich ab. Das liegt kaum an einem fehlenden Nachfolger für Harry Potter, sondern hängt mit anderen Faktoren zusammen. Abgesehen davon muss die Frage erlaubt sein, ob die Rolle des Buchs als Leitmedium wirklich erst „kürzlich“ bedroht oder ob sie nicht schon längst verschwunden ist. Wikipedia schreibt zu Leitmedien, dass ihnen eine Hauptfunktion in der Konstitution gesellschaftlicher Kommunikation und von Öffentlichkeit zukommt. Hier kann sich jeder selber beantwortet, ob das für das Buch zutrifft und wann es aufgehört hat zu zutreffen. Persönlich würde ich nicht vom Buch als Leitmedium, sondern von ihm als wichtigem Kulturgut sprechen.
Unabhängig davon scheint die Bedeutung des Buches zu schwinden. Nicht nur bei der jüngeren Generation, sondern in der breiten Masse. Das kann man kulturkritisch sehen oder aber auch ganz nüchtern betrachtet. Ein Tag hat 24 Stunden, die Zeit ist tatsächlich knapp. Zudem ist die Konkurrenz groß und definitiv gestiegen. Selbst ein gutes Buch konkurriert bei mir mit Streaming Angeboten, mit Brettspielen und Videospielen — neben einer ganzen Reihe anderer Tätigkeiten. Die Zeit für ein Buch muss man sich bewusst nehmen. Und wenn ich ehrlich bin, verbringen ich Genre auch Zeit in der Gesellschaft anderer mit einem Brettspiel statt alleine ein Buch zu lesen.

Autoren gefordert

Über das Buch als Leitmedium könnte man noch viel diskutieren. Viel spannender für mich ist für mich die Frage nach der Rolle der Autoren. Meiner Meinung nach ist die eigentliche Frage nicht die, ob das Buch eine Zukunft hat — ich denke, es hat durchaus eine. Sondern die, ob eine neue Zeit nicht auch eine neue Art des Schreibens erfordert. Wenn man Leserinnen und Lesern die immer gleichen Geschichten serviert, auf die immer gleiche Weise erzählt, dann lockt das keinen mehr hinterm Ofen hervor. Der Art der Rezeption hat sich verändert, was eine Veränderung des Schreibens unabdingbar macht. Kreativität und neue Ideen sind gefragt, statt Nabelschau und festhalten an der Vergangenheit.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren