Wald retten, Kohle stoppen

Wald retten, Kohle stoppen

Den Hambacher Wald retten ist nicht nur in Köln ein Thema. Aber haben Demonstrationen überhaupt noch eine Signalwirkung oder handelt es sich um Folklore?

Flyer im Briefkasten

Am vergangene Dienstag lag bei uns und vielen Nachbarn ein Flyer im Briefkasten. Ja, es steht draußen dran, „Bitte keine Werbung einwerfen“. Aber wer kann schon lesen? Nein ehrlich, sehr häufig stört sich niemand an dem Hinweis. Mit der kostenlosen Wochenzeitung (diese Art von Plage gibt es wohl in fast jeder Stadt) habe ich öfter schon ernsthaft diskutiert und rechtliche Schritte angedroht. So was kann man natürlich bei einer Pizzeria vergessen. Und bei bestimmten politischen Parteien weckt man lieber keine schlafenden Hunde, schließlich hat Köln genug dunkle Ecken.
Zurück aber zum Flyer, der rief: Wald retten — Kohle stoppen.
Es ist ja nicht so, dass mir das grundsätzliche Anliegen unsympathisch wäre. Im Gegenteil. Der Flyer ist auch nicht sofort ins Altpapier gewandert, sondern liegt hier auf meinem Schreibtisch. Was mir sofort an ihm auffiel, ist sein professionelle Machart. Natürlich wurde er auf Papier gedruckt, welche aus Holz gemacht wird aber die Form von tiefsinniger Ironie werden die Verfasser vermutlich nicht verstehen und erst recht nicht beabsichtigt haben. Kommen wir zum Inhalt, der uns ja mit Wald retten entgegen springt. Es geht um den Hambacher Forst, auch wenn im Flyer von Wald die Rede ist — muss man nicht verstehen, warum auf die richtige Bezeichnung verzichtet wurde.

Wald retten
Wald retten

Demo oder Wald retten?

Aufgerufen wird zu einer Demonstration am Samstag, den 6. Oktober.

Motorsägen heult. Uralte Bäume fallen.

 

Was grundsätzlich von der Abholzung des Hambacher Forst halte, habe ich bereits hier zum Ausdruck gebracht. Aber auch, was ich davon halte, nur symbolisch zu demonstrieren. Natürlich wäre es wichtig, den Wald zu retten. Und klar geht es mehr oder weniger um die Zukunft des Planeten. Man muss auch nicht in Flyer Schreckensszenarien bemühen. Entweder ist den Menschen, die den Flyer in die Hände bekommen, das Anliegen wichtig. Oder nicht. Und dann wird es auch nicht durch viele Worte wichtiger. Denn das Problem des an sich gut gestalteten Flyers ist: er überzeugt nur die, die bereits überzeugt sind. Wald retten können nur die, die es ehedem schon tun. Wobei, ganz richtig ist das ja nicht, denn ganzen Monate davor hat das Thema niemanden so richtig hinterm Ofen hervorgelockt.
Und wo bin ich am Samstag? Nicht im Hambacher Forst, so viel ist sicher. Vermutlich bei schönem Wetter irgendwo in der Eifel, in einem anderen Wald. Das hängt weniger mit dem Flyer zusammen als mit meinem mittlerweile fehlenden Glauben an die Wirksamkeit von solchen Demonstrationen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren