Babylon Berlin

Babylon Berlin

Zahler des so genannten Beitragsservice mussten ein Jahr warten, bevor sie den mit öffentlichen Mitteln finanzierte Serie Babylon Berlin in der ARD zu sehen bekam. Hat sich die Wartezeit gelohnt?

Nasser Fisch

Vor dem Film Babylon Berlin steht das Buch „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher. Gelesen habe ich den historischen Krimi vor gut acht Jahren. Das Setting hat mir gefallen, aber als Krimi fand ich ihn nicht hundertprozentig überzeugend. Die Fortsetzung „Der stumme Tod“ ließ mich dann ganz aus der als Serie geplanten Reihe aussteigen. Es lag definitiv nicht am Setting, da ich die Zwischenzeit faszinierend finde. In ihren radikalen Gegensätzen, aber auch in ihrer enormen Lebendigkeit. Hier einen fiktiven Krimi anzusiedeln, ist im Prinzip eine gute Idee. Es erfordert viel Recherche, die Volker Kutscher auch offensichtlich gut gemeistert hat. Was die eigentliche Handlung angeht, kann man den Autor schon während der ersten beiden Sätze beim Scheitern beobachten:

Wann würden sie zurückkommen? Er lauschte. In der Dunkelheit geriet jedes kleinste Geräusch zu einem Höllenlärm, jedes Flüstern wuchs zu einem Brüllen heran, die Stille selbst lärmte in seinen Ohren.
Quelle: „Der nasse Fisch“ von Volker Kutscher

Das ist für einen Romananfang lediglich mäßig spannend. Als ich vor länger Zeit dann von dem Plan hörte, den Krimi zu verfilmen, war ich entsprechend skeptisch. Meiner Meinung nach kann sei was mächtig schief gehen — besonders, wenn es von Deutschen verfilmt wird.

Babylon Berlin
Der Nasse Fisch

Verfilmt als Babylon Berlin

Zu hören bekam man dann folgendes: Babylon Berlin sei die „bislang teuerste deutsche Fernsehproduktion und teuerste nicht-englischsprachige Serie“ (Wikipedia). Lesen konnte man aber auch, dass Babylon Berlin zunächst exklusive bei Sky zu sehen sein wird. Erst mit einer Verzögerung von einem Jahr könnte der öffentlich-rechtliche Zuschauer dann beurteilen, was mit Steuergelder produziert worden ist. Ehrlich gesagt hat mich das schon maßlos geärgert. Ich halte das nach wie vor für ein Unding. Hier müssen andere Wege der Finanzierung eingeschlagen werden. Natürlich erwartet man als Zuschauer auch Qualitätsfernsehen. Schließlich ist man unter anderem von Netflix verwöhnt. Es kann aber nicht zielführend sein, wenn mit öffentlichen Geldern mehr oder weniger ein privater Pay-TV Sender gefördert wird.
Genug des Ärgers, kommen wir zu Serie selber. Die startet am vergangene Sonntag mit gleich drei Folgen zur Primetime in der ARD durch. Durchstarten, das kann man hier wirklich wörtlich nehmen. Sie hatte eine Einschaltquote von fast 25 Prozent. Tja, zu den 25 Prozent kann man meine Frau und mich leider nicht zurechnen, denn wir haben Babylon Berlin verschlafen. Ich hatte die Serie überhaupt nicht mehr auf dem Schirm.

Rettungsanker Mediathek

Zum Glück gibt es aber die ARD-Mediathek. In der sind die verpassten ersten drei Folgen noch bis Mitte des Monats verfügbar, ebenso wie die anderen Teile. Wer den Anfang wie wir verpasst haben, sollte die Gelegenheit unbedingt nutzen — denn ganz ehrlich, es lohnt sich. Mich hat es selber überrascht, wie gut die filmische Umsetzung geworden ist. Der Serie gelingt das, wo die Vorlage scheitert. Sie ist von Anfang an spannend, überzeugen. Im Gegensatz zur Süddeutsche Zeitung min ich der Meinung, dass sie einen Sog auslöst. Man muss einfach weiter schauen. Allein visuell ist hier wider Erwarten ein Meisterwerk gelungen. Gar nicht mal so schlecht für eine deutsche Produktion, möchte man anmerken.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren