Sommer des Jahrhunderts

Sommer des Jahrhunderts

Von den zurückliegenden heißen Monaten kann man durchaus als Sommer des Jahrhunderts sprechen. Ganz anders ist es in 1913 gemeint, ein Buch von Florian Illies.

Klimawandel ist Gegenwart

Die Problematik an einem so genannten Sommer des Jahrhunderts ist, dass er sich nur in der Rückschau als solcher erkennen lässt. Was aus heutiger Sicht für 1913 möglich ist, lässt sich über den Sommer 2018 derzeit noch nicht sagen. Zum Teil unerträglich heiß war es. Mit wenig Niederschlag und vielen Sonnenstunden. Möglicherweise aber ist genau das künftig die Regel und nicht mehr eine Ausnahme. Auf einen solchen Sommer folgen viele solcher Sommer.
Die Süddeutsche Zeitung brachte vor ein paar Tagen einen hervorragenden Artikel zum Thema. Unter der Überschrift „Der längste Sommer“ hat man gut recherchiertes Material ansprechend, aber auch erschreckend überzeugend zusammengetragen. Allein die Durchschnittstemperatur 2018 (April bis August)im Vergleich zu den selben Monaten in den Jahren 1961 bis 1990 haut einen um. Gleich gilt für die Sonnenstunden und den durchschnittlichen Niederschlag. Für mich wurde beim lesen des Artikels klar: der Klimawandel ist Realität. Wenn auf diesen Sommer weitere solche Sommer folgen, werden wir massive Probleme bekommen. Probleme, die sich nicht mal eben lösen lassen.

Sommer des Jahrhunderts
realworkhard / Pixabay

1913 — Sommer des Jahrhunderts

Zurück aber zum Buch von Florian Illies, über das ich eigentlich schreiben wollte. Gekauft hatte ich es schon vor längerer Zeit. Die Jahre vor dem ersten Weltkrieg beschäftigen mich, genau so wie die Frage, wie es zum Krieg kam . 1913, das war das Jahr vor der Urkatastrophe, ein letztes friedliches Jahr — allerdings nicht überall auf der Welt, wie man dazu sagen muss. Das Buch schlummerte lange auf meinem eBook-Reader, weil mich die Zeit faszinierte, aber ich noch im Hinterkopf eine kleine Genration-Golf-Schädigung hatte. So vergaß ich es dann mehr oder weniger. Als dann die Diskussion um die Neubesetzung der Verlagsleitung bei Rowohlt anfing, leuchte bei mir ein Lämpchen auf. Da war doch was, sollte ich mal lesen. Habe ich jetzt auch getan. Und um es vorweg zu nehmen, 1913 — Der Sommer des Jahrhunderts hat mich begeistert.
Man muss den Stil des Autors mögen, um überhaupt mit dem Buch warm zu werden. Eine durchgehende Geschichte wird man nicht finden. Es blitzen verschieden Biographien auf, die durch die Monate des Jahres 1913 immer wieder verfolgt werden. Wie aus Zeitungsmeldungen erfährt man etwas über Picasso, Kafka, Stalin, Hitler, Freud und eine Reihe von Personen mehr. Beeindruckt hat mich der Umstand, dass sie alle im Jahr 1913 schon oder noch lebten. Man durchschreitet zusammen mit Illies eine Galerie, in der Porträts von wichtigen Künstlern, Schriftstellern, Ärzten und Politikern hängen.

Gleichzeitigkeit

Die Gleichzeitigkeit der Lebensläufe und das eigene Wissen, was ein Jahr später über Europa hereinbrach — ein Schwebezustand, der dem Untertitel Sommer des Jahrhunderts gerecht wird. In seiner Vielfältigkeit sorgt das Buch auf jeden Fall für eine Bereicherung des Allgemeinwissens und macht darüber hinaus neugierig, sich mit einzelnen Personen der Geschichte näher zu beschäftigen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren