Hausarbeit macht der Waschbot

Hausarbeit macht der Waschbot

In jeder Beziehung stellt sich früher oder später die Gretchenfrage. Wie hält man es mit der Hausarbeit? Längst sollte es nicht nur Sache einer Person sein.

Wie es früher war

In einer Zeit vor meiner Zeit — nein, das ist eigentlich nicht so richtig. Früher ist meine Vergangenheit und bei vielen Paaren noch Gegenwart. Also, wie es umschreiben? Sagen wir es einfach gerade heraus. Es gibt Beziehungen, da bleibt die ganze Hausarbeit an einer Person hängen. In heterosexuellen Ehen ist das auffällig oft die Frau. Hat das Paar Kinder, darf sie sich gleich auch noch um deren Erziehung kümmern. Egal wer welche Ausbildung hat, wer wie viel verdient, die Frau kümmert sich die Hausarbeit. So kenne ich das aus meiner Kindheit. Meine Großmutter hat das wie selbstverständlich erledigt, genau so wie meine Mutter. Die Doppelbelastung geht natürlich auf Dauer auf die Substanz. Sie kann sogar die Beziehung gefährden, wenn man in seine, Partner / seiner Partnerin nur noch eine Art Dienstleister sieht. Ist ja auch schön praktisch, wenn man nach Hause kommt, das Essen auf dem Tisch steht und die Wäsche gebügelt im Schrank der sauberen Wohnung hängt. Allerdings ist das weder romantisch noch besonders fair. Ein nicht unwesentlicher Punkt, wenn man über Gleichberechtigung diskutiert, ist aus meiner Sicht auch die faire Aufteilung der Hausarbeit. Was nützt ein Sternchen, wenn die Frauen nach wie vor die Hausarbeit machen?

Hausarbeit mit Anleitung
Hausarbeit mit Anleitung

Wer macht die Hausarbeit?

Die Frage, wer die Hausarbeit macht, ist definitiv nicht so alt wie die Menschheit. Sie zu stellen, ist wichtig, oft auch sogar überfällig. Für meine Frau und mich war es von Anfang an klar, dass wir die Hausarbeit soweit möglich fair aufteilen. Essen kochen gehörte ehedem schon zu meinen Leidenschaften, so dass dieser Part ganz klar in meinem Aufgabenbereich liegt. Spülen dagegen ist nicht so mein Ding. Unter der Woche kann ich auch nichts zum kochen einkaufen. Auf der anderen Seite habe ich es nicht so mit Wäsche waschen. Besonders Bügeln würde zu hässlichen Unfällen führen. Da Wäsche waschen viel Arbeit ist, habe ich zum Ausgleich das Putzen in der Wohnung übernommen. Und ja, dazu gehört auch Kloputzen, was auf keinen Fall „unmännlich“ ist.
So haben wir die Hausarbeit meiner Meinung nach gleichmäßig aufgeteilt. Diese Aufteilung ist aber nicht in Stein gemeißelt. Man muss in einer Beziehung auch immer wieder neu verhandeln und justieren. Derzeit etwa ist der Stundenplan meiner Frau so undankbar, dass sie viel Zeit am Wochenende am Schreibtisch verbringt. Warum das so ist, hängt mit dem Ganztagsunterricht in der Schule zusammen. Die Arbeit ist nicht mehr geworden, verteilt sich aber auf den Tag. Nachmittags frei haben wird dadurch für viele Lehrer zur Illusion.

Wäsche waschen für Anfänger

Da Lehrer in der Regel kein eigenes Büro in der Schule habe, könne sie Leerlauf zwischen den Stunden häufig nicht zur Unterrichtsvorbereitung benutzen. Ihr Tag wird durch den Ganztagsunterricht länger, die Vorbereitung muss dann zu einem anderen Zeitpunkt stattfinden.
Zurück aber wieder zur Hausarbeit. Um meiner Frau etwas von der Belastung zu nehmen (und auch mehr Zeit am Wochenende mit ihr verbringen zu können, weil der Wäscheberg etwa kleiner ist), habe ich einen Teil der Wäsche übernommen. Da ich diesbezüglich aber absolut keinen Plan habe, gibt es für ich eine Art Programm. So werde ich so Wäschebot. Das ist eigentlich ganz einfach. In blauen IKEA-Taschen liegt die vorsortiert Wäsche zusammen mit einer passenden laminiert Schritt-für-Schritt Anleitung. Einstellung der Waschmaschine, Menge an Waschmittel und auch das, was beim Trockner berücksichtigt werden muss. Damit komme ich zurecht, auch wenn es etwas an Anleitungen für Demenzkranke erinnert.
Für uns beide ist eine faire Verteilung der Hausarbeit auch einer der Gründe, warum wir es schon über 19 Jahre lang miteinander aushalten.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren