Spielentwicklung für Anfänger

Spielentwicklung für Anfänger

Irgendwann stößt jeder Brettspieler auf das Thema Spielentwicklung. Man möchte mehr, als nur konsumieren. Doch wie sehen die ersten Schritte aus?

Aller Anfang ist schwer

Nach wie vor begeistert mich die Idee, selber ein Brettspiel zu entwickelnd. Es gab immer wieder Versuche, so habe ich mich im letzten Jahr an ein Wargame herangetraut. Das ist dann leider im Sande verlaufen. Zeitmangel ließe sich bequem als Grund vorschieben. Ehrlich wäre das jedoch nicht. Mich hat die Komplexität erschlagen. Eine einfache Idee uferte aus, allein die thematische Recherche überforderte mich etwas. Kurz gesagt, das Thema Spielentwicklung hatte sich für mich dann erstmal wieder erledigt.
Anfang der Woche holte es mich dann doch wieder ein. Kreativität tritt bei mir zuweilen auch nachts auf. In diesem Fall hatte ich plötzlich im Halbschlaf eine Idee für ein Spiel. Erstaunlicherweise vergaß ich die nicht bis zum nächsten Morgen, so wie mir das häufiger mit (guten) Ideen in der Nacht passiert, die ich nicht sofort aufschreibe.
Zuerst hielt ich ein paar Stichwörter auf Schmierpapier fest — wir haben ja zu Hause dank DPD und Stapels einen riesigen Vorrat an DIN-A5 Blättern (eine andere Geschichte). In der folgenden Nacht entwickelt sich die Idee weiter. Zeit, das alles richtig aufschreiben. Natürlich wie beim letzten Mal mit Scrivener.

Spielentwicklung mit Scrivener
Spielentwicklung mit Scrivener

Spielentwicklung erste Schritte

Bisher liegt beim mir nicht der legendäre Leitfaden für Spieleerfinder zu Hause — ich kenne es bereits seit Anfang der 1990er-Jahre. Die Website der Spiele-Autoren-Zunft habe ich nur über Google gefunden. Anders gesagt, ich bin für Spieleentwicklung vermutlich denkbar schlecht vorbereitet, lerne aber dazu.
Anlass, überhaupt aktiv zu werden, waren Momente bei anderen Brettspielen. Fragen wie „Könnte man das nicht besser mache“ oder „Was wäre, wenn man das noch hinzufügen würde“ sind vermutlich erste Schritte. Anders als etwa bestimmte in diesem Jahr mehrfach nominierte Autoren kann ich auf viele Jahre als aktiver Brettspieler zurückblicken.
Meiner Meinung nach ist es wichtig, vor jeder Art von Spielentwicklung selber viel gespielt zu haben. Oder anders gesagt: würde jemand ein Buch von einem Autor kaufen, der selber nicht liest?
Bei meiner neuen Spielidee versuche ich, Fehler aus den letzten Versuchen zu vermeiden. Mir hilft es enorm, vorerst keinen Prototypen zu basteln oder dran zu denken. Mir geht es erstmal um den Mechanismus selber, ohne mich mit irgendwas einzuschränken. Nur so kann man meiner Meinung nach frei denken bei der Spielentwicklung. Abstriche und Kompromisse kann man später immer noch machen.

Fluch der Mathematik

In dieser Woche habe ich mich mehrfach über Mathematik geärgert. Genauer gesagt über den Matheunterricht an der Schule. Irgendwie sprang der Funke nicht über. Statistik und Wahrscheinlichkeiten finde ich mittlerweile aus naheliegenden Gründen interessanter als abstrakte Kurvendiskussionen. Bei der Spielentwicklung geht es nämlich unter unterem um Mathematik. Gerade dann, wenn das Spiel gewisse Glückselemente aufweist. Die müssen sorgfältig ausbalanciert werden, ansonsten ist Scheitern und Frust vorprogrammiert.
Ernüchternd war für mich, wie es mit der Wahrscheinlichkeit bei einem 52er Deck Pokerspielkarten aussieht, ein bestimmtes Farbzeichen zu ziehen. Das die bei 25 Prozent liegt, kann man ohne viel Expertenwissen selber rausfinden. Aber, wie sieht es dann bei der zweiten Karte aus, die man zieht? Wie hoch ist dann die Wahrscheinlichkeit, das selbe Farbzeichen zu ziehen? Beholfen mir beim herausfinden der Antwort dann mit einem Online-Generator https://www.random.org/playing-cards/.
Nach dem das gesackt war, warf ich dann einige Elemente über den Haufen. Mittlerweile ist das Scrivener-Projekt schon recht umfangreich geworden. Zudem zeichnet sich langsam ein roter Faden ab. Bevor ich aber an die ersten Testspiele gehen, muss ich noch einiges im Kopf durchspielen. Das spart unnötige Bastelarbeit.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren