Spielverhalten unter der Lupe

Spielverhalten unter der Lupe

Brettspiele bedeuten immer auch Interaktion. Die findet auch abseits vom Spielbrett statt.  Höchste Zeit, das Spielverhalten unter die Lupe zu nehmen.

Manche mögen es heiß

Je länger man sich mit dem Hobby Brettspielen beschäftigt, desto wahrscheinlich ist es, dass man sich über das Spielverhalten am Tisch Gedanken macht. Über das eigenen Spielverhalten und das seiner Mitspieler. Dazu gehört auch, was rund um den Tisch während einer Partie passiert. Schon öfter habe ich mir Gedanken dazu gemacht, aber meistens war das wie Bauchgrummeln. Es ging wieder vorbei. Dabei gilt es eine ganze Reihe von Fragen, deren Antworten wichtig sind. Schließlich möchte man unterm Strich vor allem eins: sich am Spieltisch wohlfühlen und am Ende des Tages mit einem guten Gefühl so wie der Motivation für einen nächsten Spieleabende beziehungsweise Nachmittag ins Bett gehen.
Mehr oder weniger zufällig bin ich über den YouTube-Kanal von Spielwelten gestoßen. Eine positive Überraschung, denn dort wird ganz unaufgeregt über das Hobby berichtet. Gut gefallen hat mir auch der Reflexionsgrad — etwa zum Thema Promos versprechen, wenn man für ein ganz bestimmtes Spiel stimmt. Am Mittwoch gab es dann ein neues Video, welches ich mir gestern angesehen habe. Fünf Entweder-Oder Fragen, die von einer Reihe Menschen vor der Kamera beantwortet wurden.

Spielverhalten unter der Lupe
thedanw / Pixabay

Spielverhalten zum Wohlfühlen

Als Oberthema wurde das Spielverhalten gewählt. Also genau das, was mich selber auch beschäftigt. Fünf Fragen, die jeweils beantwortet und dann begründet wurden. Das fand ich inspirierend, um hier im Blog auch über diese Fragen nachzudenken.

Spieleranzahl

Den Einstieg machte die Frage „1 vs. 1 oder mehrere Mitspieler“. Gar nicht so leicht zu beantworten. Wenn ich sie etwas ausweite, kann ich auf jeden Fall schon mal recht schnell eine Option ausschließen. Solitär-Spiele mag ich gar nicht auf dem Spieltisch. Entweder mit anderen Menschen oder gar nicht. Was nicht bedeutet, dass ich dann nicht spiele. Entweder lese ich dann Regeln zu neuen Spielen oder aber zocke an der Konsole. Aber zurück zur Frage. Mir gefallen beide Möglichkeiten, es kommt einfach auch das Spiel an. Gerade etwa bei den Wargames gibt es sehr viele, die für genau zwei Spieler vorgesehen sind. Grundsätzlich mag ich nämlich Spiele für zwei Personen. Meine Frau und ich habe eine sehr lange Zeit Magic the Gatherine gespielt. Zu zweit, gegeneinander.
Bei Mehrpersonenspielen finde ich den Interaktionsgrad wichtig. Wenn jeder nur vor sich hin spielt, ohne das es Auswirkungen auf andere Spieler hat, kann ich das auch zu zweit spielen. Das macht zumindest mir und meine Frau die Terminfindung leichter.
Spiele sind aber Anlass, sich mit Freunden zu treffen. Dann senkt sich die Waagschale natürlich Richtung mehre Spieler als Antwort. Abgesehen davon gibt es Spiele, die geradezu danach schreien, auf jeden Fall mit mehren gespielt zu werden. So macht mir etwa Codenames trotz einer Vorhanden Fassung für zwei Spieler nur mit mindestens vier Personen am Spieltisch Spaß.

Dienst ist Dienst

Und Schnaps ist Schnaps. So ließe sich die Frage „mit oder ohne Alkohol“ einleiten. Was ich hiermit auch getan habe. Brauche ich Alkohol am Spieltisch oder geht es auch ohne? Eine fast schon gefährlich Frage, denn wenn man antwortet, es gehe nur mit Alkohol, hat man ein ganz andere Problem, um dessen Beantwortung man sich kümmern sollte.

Alkohol

Das aber mal beiseite gewischt, wie sieht es denn nun mit Alkohol am Spieltisch aus? Vorweg auf jeden Fall: ein Spielabend sollte nicht zum Besäufnis werden. Dafür gibt im Lauf des Erwachsenwerdens eine Phase. Dabei spielt man dann am besten Meiern.
Weder habe ich etwas dagegen, wenn Mitspieler am Tisch Alkohol trinken noch verzichte ich selber immer drauf. Es kommt ganz darauf an, was gespielt und ob ich gerade Lust auf ein Glas Wein habe oder eben nicht. Wichtig finde ich es hier, die eigene Grenze zu kennen. solange niemand so viel trinkt, dass seine Spielentscheidungen deutlich sichtbar darunter leiden, ist es für mich kein Problem.

Nebengespräche

Frage Nummer drei ist von allen wohl die heikelste Frage. Es geht zwar ums Spielverhalten, aber sehr viel stärker als bei den anderen Fragen entscheidet sich hier, ob man sich in der Runde wohlfühlen oder nicht. Also, „unterhalten oder leise und konzentriert?“, was würde man antworten?
Eine Spieleabend ist kein Schweigekloster. Würde tatsächlich alle Spieler leise und konzertiert über Stunden am Spieltisch sitzen, triebe mich das wohl in den Wahnsinn.

Schweigekloster mit Brettspielen

Das andere Extreme, laute Gespräche am Spieltisch, sind auch nicht mein Ding. Meiner Meinung nach spricht nichts gegen Gespräche am Spieltisch, so lange sie nicht im Mittelpunkt stehen. Andernfalls könnte man sich nämlich zum quatschen statt zum spielen verabreden. Wichtig ist mir in jedem Fall Achtsamkeit und Aufmerksamkeit der Mitspieler. Insbesondere dann, wenn jemand einen wichtigen Spielzug macht. Zur Achtsamkeit gehört im Übrigen für mich auch, auf Nebentätigkeiten am Spieltisch zu verzichten. Hier muss jedoch jeder selber für sich entscheiden, was ihm wichtiger ist. Die Mitspieler oder andere Dinge. Ich für meinen Teil spiele gerne mit Menschen zusammen, die sich meiner Gegenwart am Spieltisch bewusst sind. Wie gesagt, diese Frage zum Spielverhalten ist entscheidend für das Wohlfühlklima.

Hunger und Fettfinger

Es gibt Menschen, die sehr auf ihre Spiele und das Spielmaterial achten. Dazu gehöre zum Beispiel ich. Fettig Finger von irgendwelchen Snacks vertragen sich nicht mit Brettspielen. Auch wenn die Karten ein Schutzhüllen stecken, gibt es noch genügend Material, was man versauen kann. Die Frage „Essenspause oder Snacks nebenbei“ ist für mich daher recht einfach zu beantworten. Ganz eindeutig Essenspause, beziehungsweise auch gerne gemeinsames Essen vor dem spielen. Wenn ich ehrlich bin, finde ich das sogar sehr schön. Essen hat genau wie spielen eine soziale Komponenten. Es ist i(s)st mehr, als reine Nahrungsaufnahme. Ja vielleicht sogar ein verbindendes Ritual.
Satte Mitspieler brauchen dann auch keine Snacks am Spieltisch. Vielleicht nur ein Absacken, aber Nachtisch kann man ja auch mit Gabeln oder Löffeln zu sich nehmen. Und wenn dann immer noch Hunger bleibt, gibt es auch unproblematische Süßigkeiten.

Spielziel Sieger sein

Die letzte Frage dreht sich um die Motivation während des Spielens. Sofern man keine kooperativen Spiele spielt, kann es meistens nur einen Gewinner geben. Unabhängig vom Umstand, dass es schlecht und gute Verlierer gibt, wirkt sich die Motivation auch auf das Spielverhalten aus. Also, wie hält man es, „gewinnen oder Spielfreude“?

Es kann nur einen geben

Puh, vielleicht fange ich bei der Frage vom Ende her an. Mir ist die Spielfreude, auch die Stimmung am Spieltisch wichtig. Allerdings nicht so wichtig, dass ich absichtlich verliere. Natürlich möchte ich auch ein Spiel gewinne. Wäre das nicht meine Absicht, würde es die Teilnahme am Spiel in Frage stellen. Ich würde mich selber aber durchaus als guten Verlierer bezeichnen. Das ist wahrscheinlich deshalb zutreffend, weil ich spiele um zu spielen. Demnach ist die Spielfreude wichtig.
Häufig mache ich Spielzüge aus reiner Neugier, wie sie sich auswirken. Ja, und manchmal mache ich auch Züge, die garantiert keine Auswirkungen darauf haben, wer Sieger wird. Aber es sind Züge, die mehr oder weniger episch sind. Die ein Bild im Kopf ergeben, an dem man sich noch lange erfreuen kann. Die Spielfreude findet lediglich da ihre Grenzen, wo ein Spiel unfair ist. Wo die Regeln schlecht sind oder aber, wenn ein Spieler seinen Sieg übermäßig auskostet.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren