Hakenkreuze in Spielen

Hakenkreuze in Spielen

Das jahrzehntelange Verbot von Hakenkreuzen in (Computer-)Spielen in Deutschland ist Geschichte. Und das ist auch gut so.

Rückblick zum Verbot

Jahrzehntelang wurde der Paragraf 86 des Strafgesetzbuchs, Absatz 1, welche die Verbreitung von Propagandamittel ehemaligen nationalsozialistischen Organisationen unter Strafe stellt, auf (Computer-)Spiele angewendet. Anders als etwa in Kunst oder Wissenschaft waren daher Hakenkreuze in Spielen verboten, sofern diese in Deutschland verkauft werden sollten. Das führte zu „entschärften“ Fassungen von Spielen. Teilweise waren es nur kosmetische Änderungen, in anderen Fällen wurden komplette Szenen gestrichen.
Paradoxerweise galt dieses Verbot nicht für Filme. Ganz unabhängig davon, ob man sie als Kunst oder Klamauk einstufen würde. Hakenkreuze gab es sowohl im sehr blutigen Inglourious Basterds oder Indiana Jones-Filmen. Ich persönlich habe mich schon gefragt, was Filme in ihrer Wirkung von Spielen so deutlich unterscheidet, dass in einem Medium Hakenkreuze ok sind und in dem anderen verboten.
Da ich mich in der Vergangenheit bei einigen Spieltitel nicht mit der von mir empfunden Zensur abfinden wollte, habe ich mir Import-Versionen besorgt — zumindest als das noch möglich war. Geschadet haben mir die verfassungsfeindlichen Symbole im Übrigen nicht. Was aber wohl auch damit zusammenhängt, dass in keinem der mir bekannten Titeln die Nazis die Guten waren. Im Gegenteil. In Wolfenstein etwa schießt man sie reihenweise über den Haufen. Es wäre also sehr merkwürdig, wenn man sich dann auf Grund von Hakenkreuzen mit den Nazis identifiziert.

Hakenkreuze im Film
loochanin / Pixabay

Hakenkreuze als Teil der Vergangenheit

Für mich sind Hakenkreuze ein Teil der deutschen Geschichte. Ein sehr dunkles, unrühmliches Kapitel. Durch weglassen und ausblenden verharmlost man hier eher, als das man jemanden vor negativen Einflüssen schützt. Als das Verbot vor wenigen Wochen endlich relativiert wurde, hielt ich es für einen richtigen und wichtigen Schritt.
Jetzt kommt aber die Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) und äußert sich dahingehend, dass man mit Hakenkreuzen nicht spiele. Wie viel Erfahrung Giffey mit dem Medium Computerspiele hat, ist mir nicht bekannt. Besonders viele dürften es nicht sein, andernfalls wäre sie zu einer differenzierten Betrachtungsweise in der Lage.

Gerade in Deutschland müssen wir uns auch heute unserer besonderen historischen Verantwortung immer bewusst sein.
Franziska Giffey

Die historische Verantwortung ist unbestritten. Warum sie sich aber daran messen lassen soll, ob man in einem Computerspiel Hakenkreuze zeigt oder eben nicht, ist mir ein Rätsel. Besonders dann, wenn es eine sehr eindeutige Rollenverteilung gibt und die Nazis als das gezeigt werden, was sie waren.

Wissenschaftliche Betrachtung

Im neu erschienene Spiel „Through the Darkest of Times“ , welches Stein des Anstoßes für Giffey wurde, dürfen zum ersten Mal (wieder) Hakenkreuze gezeigt werden. Worum geht es in dem Spiel? Der Spieler ist Teil einer Widerstandsgruppe gegen das Dritte Reich. An welcher Stelle hat Franziska Giffey den etwas nicht begriffen? Wenn sie schon Scheuklappen aufhat, dann sollten bitte schön auch in sämtlichen Filmen keine verfassungsfeindlichen Symbole mehr auftauchen. Könnte ja schließlich auch Jugenliche und Erwachsen negativ beeinflussen.
Vor zehn Jahren hat sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien mit dem Thema „Hakenkreuze in Film, Fernsehen und Computerspielen“ befasst. Rechtsanwalt Dr. Marc Liesching vertritt den Standpunkt, dass nicht von einer Gefährdung auszugehen ist, solange die Kennzeichenverwendung nicht im Vordergrund der Inhalte steht — sowohl bei Filme als auch bei Computerspielen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren