Von allen guten und bösen Geistern verlassen

Hedwig Brockmöller stand mit ihrem kleinen schwarz-roten Reisekoffer etwas verloren an der Bushaltestelle vor ihrem Haus. Die anderen drei wollten sie hier mit dem Auto abholen. Sie war die letzte auf der Strecke von Waltraud Stieglitz, die den Wagen fahren sollte. Gemeinsam hatten sie sich bewusst für Waltraud als Fahrerin entschieden. Eine Wahl, die nicht schwer fiel, da Waltraud die Einzige der Frauen mit Führerschein war.

Landpartie Aufbruch

stux / Pixabay

Hedwig selber hatte einen Führerschein weder gebraucht noch vermisst. Ihr Mann besaß einen. Als er starb, schrumpfte die Welt von Hedwig auf eine Größe zusammen, die sich auch zu Fuß oder mit dem Bus bewältigen ließ.
Von der bevorstehenden Reise erhoffte sich Hedwig nichts. Weder interessierten sie Männer, noch Gurken oder landschaftliche Besonderheiten. In ihrer Abwesenheit würde sich auch niemand um das Grab ihres Mannes kümmern. Dennoch wollte sie nicht zu Hause bleiben, wenn ihre drei Freundinnen in den Osten aufbrachen. Sie würde mitfahren. Sie trieb die Angst vor Einsamkeit genau so wie das Pflichtgefühl gegenüber ihren Freundinnen an.

Die beim Warten verstrichenen Minuten legten sich wie eine Decke aus Blei über Hedwig. Je länger sie an der Haltestelle stand, desto blöder fand sie die Idee. Pünktlich kam der Bus. Menschen stiegen aus, der Busfahrer sah Hedwig fragend an. Sie zuckte nur mit den Schulter.n Schließlich schloss er die Türen und fuhr mit einem Kopfschütteln weiter.

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