Arbeitslose Lehrer in Deutschland

Arbeitslose Lehrer in Deutschland

In den nächsten zehn Jahren werden 15.000 Pädagogen in NRW fehlen. In anderen Bundesländern dagegen gibt es arbeitslose Lehrer.

Merkwürdige Sitten

Die Lage in anderen Bundesländern ähnelt im Prinzip der in Nordrhein-Westfalen. Und doch gibt es in einigem Ländern Besonderheit, die fragwürdig sind. In Baden-Württemberg begannen letzte Woche Freitag die Sommerferien. Aber nicht nur das. Für tausende angestellte Lehrer bedeuten dort die Sommerferien auch Arbeitslosigkeit. Nein, das ist kein schlechter Scherz über Lehrer und zu viel Urlaub. Es werden tatsächlich Lehrer für die Dauer der Sommerferien entlassen. Spart schließlich Geld. Deswegen werden gerne auch befristet Verträge geschlossen, die so was erst ermöglichen. Mit verbeamteten Lehrer lässt sich das natürlich nicht machen. Dafür verdienen sie auch entsprechen mehr bei gleicher Arbeit.
Laut Spiegel Online sind es rund 3300 Verträge, die in Baden-Württemberg ausgelaufen sind. Gespart wird durch die Arbeitslosigkeit 12,5 Millionen Euro. Wobei das eher eine Milchmädchenrechnung ist, denn für die Unterstützung der arbeitslosen Lehrkräfte zahlt die Gesellschaft. Im Übrigen ist Baden-Württemberg in Bezug auf arbeitslose Lehrer trauriger Spitzenreiter. Auf der anderen Seite steht NRW, das sonst so häufig im Zusammenhang mit Schule gescholtene Bundesland. Dort berücksichtigt man im Arbeitsvertrag auch die Sommerferien und bezahlt sein Personal.

Arbeitslose Lehrer
Alexas_Fotos / Pixabay

Arbeitslose Lehrer setzen Zeichen

Alle Klagen über den Zustand unseres Bildungssystems sollte man sich vor Augen halten. Und dann darüber nachdenken, was arbeitslose Lehrer für ein Zeichen setzen. Es schreckt möglicherweise ab, sich überhaupt für den Dienst in der Schule zu begeistern. Zumindest dann, wenn man nicht verbeamtet wird. Darüber hinaus ist aber auch ein Signal, welchen Stellenwert Bildung in Deutschland hat. Wenn man sparen kann, dann wird da besonders gerne gespart. Das beweisen nicht nur die arbeitslosen Lehrer in Baden-Württemberg und anderswo, sondern auch fehlende und marode Schulen in der ganzen Republik. Hinzu kommt eine teilweise miserable Ausstattung.
Bleiben wir aber bei den Lehrkräften. Denen wird immer mehr aufgebürdet. Nicht nur wichtige Themen wie Inklusion, sondern auch Datenschutz. Gerne lässt man sie ohne zusätzliche Schulung im Regen stehen. Eigentlich müsse ein lauter Aufschrei durchs Land gehen. Ein Aufschrei gerade auch von Eltern, deren Kinder unter den erheblichen Mängeln und Fehlentwicklungen im Schulsystem zu leiden haben. Nach wie vor habe ich den Eindruck, hier unterlässt man das Handeln frei nach dem Motto „Augen zu und durch“. Gleichzeitig aber sorgt das Thema Schule immer wieder für Gesprächsstoff. Und sehr gerne wird dabei über „faule“ Lehrer gelästert. Was ja auch bequemer ist, als sich mit den wahren Ursachen der Missstände auseinanderzusetzen.

2 Replies to “Arbeitslose Lehrer in Deutschland”

  1. Ach ja, schon wieder…Hier die Aufkleber in der KVB mit Werbung für den Beruf, und in München kenne ich mindestens zwei qualifizierte und langjährig berufstätige Lehrerinnen, die nicht eingestellt werden, weil sie aus dem falschen Bundesland kommen. Dafür ist meine Enkelin ein Vierteljahr im 1. Schuljahr verwahrt worden, und ich weiß von einer Bloggerin, dass ihr Kind von einer Gymnasialkraft Lesen & Schreiben beigebracht kriegen sollte, was wohl etwas schief ging.
    Ich bin vor 43 Jahren in den Schuldienst eingetreten. Da war es schon schlimm. Aber die Lernfähigkeit der Schulministeriumsbeamten geht nach wie vor gen Null.
    LG

    1. Lernfähigkeit und Schulministeriumsbeamte passt eigentlich nicht gut in einem Satz zusammen ;-)
      Was mich einfach immer mehr wundert: warum die Eltern (immerhin auch Wählerinnen und Wähler) das so gefallen lassen.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren