Impfschutz gegen Dumheit

Impfschutz gegen Dumheit

Bisher wurde noch kein Impfschutz gegen Dummheit entwickelt. Gäbe es ihn jedoch, würde er gerade bei der Zielgruppe der Impfgegener prinzipiell versagen.

Früh geimpft

Aufgewachsen bin ich zu einer Zeit, als über Impfschutz nicht kontrovers diskutiert wurde. Mir ist niemand aus meiner Schulzeit bekannt, dessen Eltern eine Impfung ablehnten. Ebensowenig kenne ich persönliche Fälle aus der Vergangenheit, wo es zu Nebenwirkungen in Folge einer Impfung gekommen wäre. Impfschutz wurde als Notwendigkeit angesehen. Es war selbstverständlich, dass man seien Kinder impfen ließ. An die Kampagne „Schluckimpfung ist süß, Kinderlähmung ist bitter“ kann ich mich noch gut erinnern — sie ist offensichtlich sehr einprägsam gewesen.
Für mich ist es unbegreiflich, dass etwas so wichtiges wie der Impfschutz überhaupt in Frage gestellt wird. Selbstverständlich ist es gutes Recht, Dinge zu hinterfragen. Und natürlich ist die Pharmaindustrie auch kein Hort von selbstlosen Engeln. Dennoch, wenn man sich ein Wenig mit Geschichte auskennt oder entsprechendes nachliest, wird man bei klarem Verstand nie auf die Idee kommen, das Impfen in Frage zu stellen. Genau so, wie niemand auf die Idee kommen sollte, die Form der Erde anzuzweifeln — sie ist definitiv keine Scheibe.
Impfen rettet Menschenleben. Das ist für mich eine Tatsache.

Impfschutz
WikiImages / Pixabay

Impfschutz lächerlich gemacht

Heute hat das Bundesverfassungsgericht über den Rundfunkbeitrag entschieden. Dieser sei im wesentlichen verfassungsgemäß. Im Großen und Ganzen halte ich das auch für richtig und wichtig. Der öffentliche Rundfunk erfüllt meiner Meinung nach eine wichtige Funktion in Bezug auf Aufklärung und politische Willensbildung. Natürlich kann man über seine Aufgaben genau so wie über sein Programm oder Verschwendung von Gebühren diskutieren. Sollte man auch.

Muss ich alle Kinder impfen lassen? — Nur die, die sie lieb haben.

Genau das führt dann zurück zum Thema Impfschutz und zu einem Beitrag vom MDR, der mich wahnsinnig aufregt. An ein so wichtiges Thema sollte man, ganz ehrlich, keine Journalistik-Studentin (oder Studenten) heranlassen, die dann eine fahrlässig Beitrag wie „Impfen: Mehr als nur ein kleiner Piks“ für den MDR veröffentlicht.
Ein Beitrag, in dem ein Impfgegner prominent zu Worte kommen darf. Impfungen seien nicht wirksam, und an Masern stürbe man nur, wenn der Körper geschwächt wäre. Das Ganze gipfelt dann in der Behauptung, es gäbe keine Impfung, die überhaupt notwendig sei und vor der jeweiligen Krankheit schütze. Auf Twitter erntete der MDR dafür massive Kritik.

Ausgewogenen Berichterstattung

Sicher gehört eine ausgewogenene Berichterstattung zum guten Ton. Dabei gilt jedoch, genau zu überlegen, wie viel Gewicht man einzelnen Behauptungen und Argumenten einräumt.
Auf den Punkt brachte es @OWAtheone:

Als „Argumente beider Seiten“ stehen sich also die wissenschaftliche Erkenntnis mehrerer medizinischer Institute und die Meinung eines Betreibers eines impfkritischen Stammtisches gegenüber?

Wissenschaftliche Erkenntnisse kann nicht ernsthaft gleichwertig einer Meinung gegenüberstellen. Auch nicht, wenn man sich vielleicht lediglich im ersten Semester seines Studiums befindet.
Den traurigen Höhepunkt des Artikels bildet der letzte Absatz. Da wird völlig unkritisch auf eine dubiose Webseite verlinkt, auf der Filteranlagen für Leitungswasser angeboten werden. Dabei wurde für den Link nicht das Attribut rel mit dem Wert „nofollow“ gesetzt. Man stärkt also noch die Webseite eines Impfgegeners
Meiner Meinung nach hat der MDR als Verantwortlicher dem Impfschutz einen Bärendienst erwiesen. Die erwähnte Verlinkung sollte in jedem Fall noch Nachspiel haben.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren