Christine Nöstlinger, Lebe wohl!

Christine Nöstlinger, Lebe wohl!

Die österreichische Autorin Christine Nöstlinger verstarb im Alter von 81 Jahren. Im Laufe ihres Lebens verfasste sie über 150 Bücher.

Autorin von Büchern

Bevor ich zu dem komme, was Christine Nöstlinger für mich bedeutet, grundsätzlich eine mir wichtiger Gedanke. In vielen Nachrufen wird von Nöstlinger als Kinderbuchautorin gesprochen. Unbestreitbar hat sie für hauptsächlich für Kinder- und Jugendliche als primäre Zielgruppe geschrieben. In der Bezeichnung „Kinderbuchautorin“ klingt meiner Meinung nach aber häufig eine Abwertung mit. Persönlich finde ich das extrem ungerecht, denn für Kinder und Jugendliche zu schreiben, ist anspruchsvoll. Vor allem dann, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnen möchte und sie erst nimmt.
Genau das hat Christine Nöstlinger getan, was für mich ein starker Grund ist, warum ich ihre Werke schätze. Es geht eben nicht um eine heile Welt auf dem Ponyhof und kleine Problemchen, sondern um die reale Welt. Wichtige Themen spannend und verständlich zu verpacken, das ist meiner Meinung nach eine große Kunst. Eine Erzählkunst, die Nöstlinger gekonnt beherrschte. Sie kämpfte auf ihre Weise gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. So betrachtet ist die Bezeichnung „Kinderbuchautorin“ eine Auszeichnung. Eine, die sich Nöstlinger mehr als verdient hat.

Christine Nöstlinger und der Gurkenkönig
congerdesign / Pixabay

Christine Nöstlinger und der Gurkenkönig

Nicht nur die Süddeutsche Zeitung schreibt Christine Nöstlinger eine bestimmte politische Haltung zu, sondern auch die Autorinnen und Autoren von „Geschichte der deutschen Kinder- und Jugendliteratur“. Dort findet sich nicht nur die Einordnung von Nöstlingers Werke in den Bereich der antiautoritären Kinderliteratur, sondern auch der Verweis auf kinderliterarische Trends in den achtziger Jahren. Gesellschaftliche Missstände und Ängste aufzugreifen schlug sich auch in den Büchern für Kinder und Jugendliche nieder. Mir in Erinnerung geblieben sind Titel wie „Die letzten Kinder von Schewenborn“ und „Die Wolke“ (beide von Gudrun Pausewang).
Gut erinnern kann ich mich aber auch an „Wir pfeifen auf den Gurkenkönig“ von Christine Nöstlinger. Das Buch habe ich verschlungen. Ein aus dem Keller von seinen Untertanen vertriebener Gurkenkönig Kumi-Ori, der Asyl bei einer Familie findet und diese versucht für seine Rachepläne zu manipulieren.
Bei „Konrad oder das Kind aus der Konservenbüchse“ erinnere ich mich dagegen eher an die Verfilmung. Nöstlinger hat viele Bücher geschrieben, für mich bleibt sie aber immer verbunden mit dem Gurkenkönig. Und dem Gefühl als Kind, als Leser ernst genommen zu werden.
Noch mal zum Thema Kinder- und Jugendbücher. Was das angeht, hatte ich in der Schulzeit Glück und eine gute Stadtbücherei dazu. Die vielen Bücher, die ich las, prägen mich bis heute. Nicht nur deutsche Autorinnen und Autoren sind darunter gewesen. Fest mit meiner Biographie verbunden ist „Behalt das Leben lieb“ von Jaap ter Haar — aber das ist eine ganz andere Geschichte.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren