Recht auf Vergessen

Recht auf Vergessen

Dinge wie das Recht auf Vergessen hören sich einfach an. Tatsächlich steckt der Teufel im Detail und viele Fragen bleiben offen.

Erringung wachhalten

Manche von uns wollen sich erinnern. Und grundsätzlich sind Erinnerungen nichts schlechtes. Sie sind wichtig, denn sie machen uns erst zu dem, wer wir sind. Ständig versuchen wir, unsere Spuren im Sand zu hinterlassen. Um eben nicht in Vergessenheit zu geraten. Wir schreiben Tweets, machen ein Statusupdate bei Facebook oder posten Bilder bei Instagram. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, die wir nutzen. Ein Buch schreiben, berühmt werden, Haus bauen, Kind zeugen, Baum pflanzen — alles, um einen Teil von sich für die Nachwelt zu erhalten.
Insofern ist Vergessen werden genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich erreichen wollen. Fast könnte man sogar sagen, das nicht vergessen werden wollen steckt uns in den Genen. Allerdings gibt es auch Momente in unserem Leben, die wir Leiber ungeschehen machen möchten. Momente, die wir vergessen möchten. Ein peinliches Foto, ein schmerzhafter Moment, der Tod eines Angehörigen oder aber das Ende einer Beziehung. Schmerzen wollen wir vergessen, wir müssen sie sogar überwinden und vergessen, um zu überleben. Es gibt demnach zwei Seiten. Die Erinnerung und das Vergessen. Komplizierter wird alles dadurch, dass uns die Erringung manchmal einen Streich spielt. Unser Gehirn ist kein Computer, sondern das was gespeichert ist, kann sich verändern.

Recht auf Vergessen
Free-Photos / Pixabay

Kein Recht auf Vergessen<?

Zu allem Übel kommt noch, dass wir auf der Welt nicht alleine sind. Andere Menschen erinnern sich ebenfalls, auch an uns. Nicht immer so, wie wir das gerne hätten. An diese Stelle kommt dann das Recht auf Vergessen ins Spiel. Laut Wikipedia bezieht es sich auf digitale Informationen mit einem Personenbezug. Also auf Information über oder Fotos von uns, speziell in Internet.
Das lustige Foto von der Party, wo wir alle betrunken waren: Ihn ein Recht auf Vergessen würde es auf immer bei Facebook bleiben. Den Schaden hätte ich dann bei einer Bewerbung. Oder aber Kinderfotos, an sich schon ein heikles Thema. Wer will seinen Kinderfotos im Internet begegnen? Datensparsamkeit ist für uns alle wichtig, wir brauchen das Recht auf Vergessen. Es hat aber auch Grenzen. In der Süddeutsche Zeitung gab es heute einen Artikel über eine Klage der Mörder des Schauspielers Walter Sedlmayr. Sie wollen, dass nach Verbüßung ihre Strafe ihre Namen nicht mehr (online) genannt werden und berufen sich auf das Recht auf Vergessen. Soll und kann man dem stattgegeben?
Keine Frage, die sich leicht beantworten lässt. In jedem Fall ist es eine Frage, die einen sehr schnell in eine polemische Diskussion führen kann. Recht auf Vergessen bei Vergewaltigern, Kinderschändern?

Zeitgeschichte

Selbst in konstruierten Beispielen ist es mit dem Recht auf Vergessen nicht einfach. Nehmen wir mal an, die Bundeskanzlerin würde erschossen von Eman Ernednufre. Der Täter wird gefasst, gesteht vor Gericht seine Schuld und wird verurteilt. Nach Verbüßung seiner Strafe will Herr Ernednufre, dass ein Name in keinem Online-Archiv mehr auftaucht.
Allerdings ist Frau Merkel eine Person der Zeitgeschichte gewesen. Meiner Meinung nach gibt es ein berechtigtes Interesse, auch den Namen ihres Mörders für die Nachwelt zu erhalten. Möglicherweise ist es auch von historischem Interesse, weil man die Hintergründe der Tat nur so durchleuchten und verstehen kann. Eman Ernednufre bleibt dann allerdings sein rechtliches Leben lang gebrandmarkt. Eine Wiedereingliederung in die Gesellschaft wird so unmöglich.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren