Möhrenuntereinander als Heimat

Möhrenuntereinander als Heimat

Einfache Gerichte werfen ihre Schatten voraus. Tatsächlich ist Möhrenuntereinander schwieriger als es sich anhört. Ein Gericht aus der Kindheit berichtet.

Stück Heimat

Zugegeben, mit dem Begriff Heimat habe ich mich schon immer schwer getan. Gestern saß ich vorm Monitor und verfolgte den Liveticker zur Fußballweltmeisterschaft. Ja, ich bin extrem schadenfroh. Das liegt daran, dass ich es gut finde, ein man denjenigen, die vor lauter Stolz geschwellter Brust kaum mehr gegen könne, so richtig vors Bein tritt. Das Ausscheiden der deutschen Mannschaft, die 0:2 Niederlage gegen Südkorea — ich fand es gut. Auch die bedrückende Stille kurz nach 18 Uhr im Supermarkt.
Heimat ist bei mir vorbelastet, wie gesagt. Gegen Deutschtümelei, selbst im eher harmlosen Rahmen einer Fußballweltmeisterschaft, bin ich allergisch. Etwas verschämt muss ich mir rückblickend eingestehen, dass mir Bielefeld in Bezug auf Heimat gut getan hat. Man war auf gewisse Weise entspannt und auf keine Fall selbstbesoffen. Wie etwa die Kölner, die sich darauf, Kölner zu sein, ziemlich was einbilden.
Wie dem auch sei, etwas anderes und doch ähnliches sind Möhrenuntereinander für mich. Es ist nicht einfach nur ein Gericht aus der Kindheit, denn das wäre zu einfach. Wie einleitend erwähnt, einfach ist das Gericht nämlich nicht.

Möhrenuntereinander
congerdesign / Pixabay

Möhrenuntereinander erklärt

Möhrenuntereinander lassen sich schnell erklären. Im Grund erledigt der Name bereits alles. Allerdings verschweigt er die Kartoffeln, die ein fester Bestandteil des Gerichtes sind. Bei Möhrenuntereinander hat man auf dem Teller eine Mischung aus gekochten Möhren und Kartoffeln, die gestampft wurden. Dabei entsteht dann nicht bloß ein oranger Kartoffelbrei, sondern die einzelnen Bestandteile sind und sollten noch erkennbar sein. Bereits hier erkennt man, wie wichtig etwa die Kartoffelsorte ist. Wie bei vielen anderen Gerichten entscheidet die Qualität der Zutaten. Die sind bei Möhrenuntereinander übersichtlich. Allerdings gibt es tausend und eine Möglichkeit, das Gericht zu kochen. Mit oder ohne Brühe, mit Milch, mit Speck und viele mehr. Bei Chefkoch.de finden sich eine Menge Rezepte zum Thema.
Keines davon überzeugt mich, als wählte ich den sicheren Weg: die Mama fragen, wie sie es früher gekocht hat. Das führt dann zum einzig waren Rezept für Möhrenuntereinander niederrheinischer Art.

Rezept Möhrenuntereinande

Zutaten
500 g mehlig-festkochende Kartoffeln
500 g Möhren
1 Zwiebel
1 TL Gemüsebrühpulver
Salz
Pfeffer
eine Prise Muskatnuss

Zubereitung
Kartoffeln schälen und kleinwürfeln. Mit wenig Wasser (leicht bedeckt) und Gemüsebrühe etwa 12 Minuten kochen. Zwiebel kleinschneiden und mit dazu geben.

Möhren schälen und kleinwürfeln, nach 12 Minuten zu den Kartoffeln geben und weitere 12 Minuten gemeinsam kochen.

Anschließend alles kleinstampfen. Mit Pfeffer, Salz und einer Prise Muskatnuss abschmecken

Dazu passen idealerweise Frikadellen, bei uns gibt es die nur noch selbstgemacht aus dem Ofen. Für mich ist das ein Stück Erinnerung an früher, wenn man so will, ein Stück Heimat. Aber eben auch ein Stück Heimat, was ich mir fast überall und jederzeit selber zubereiten kann.

4 Replies to “Möhrenuntereinander als Heimat”

    1. Ja, ist was dran. Bei Mama ess ich auch Gemüse, das ich mir selbst im Leben nicht machen würde.
      Leber… Ich weiß noch, dass ich irgendwann als kleiner Bengel mal Leber bei meiner Omma gegessen hab und das danach unbedingt wieder wollte. Keine Ahnung, ob ich beim ersten Mal vorher Pattex geschnüffelt hatte, aber seit dem zweiten Mal weiß ich, dass das nix für mich ist. Leberwurst hingegen liebe ich, vor allem mit Gürkchen dazu.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren