Klassentrennung

Klassentrennung

Nach wie vor gibt es in Deutschland Klassentrennung. Meistens ist es uns nur nicht mehr bewusst. Schließlich liegt die eigene Schulzeit oft weit zurück.

Selektive Schulform

Vorweg ein Hinweis: Der nachfolgende Text nimmt Bezug auf eigene Schulerfahrungen an öffentlichen Schulen in Nordrhein-Westfalen. Anderswo sieht es anders aus. Selbst in NRW gibt es Sonderformen wie etwa die Laborschule in Bielefeld.
Kommen wir aber zum eigentlichen Thema, der Klassentrennung. Wie komme ich überhaupt darauf? Hinter mir liegt einer der vielen Nächte mit wenig Schlaf in der ersten und merkwürdigen Träumen in der zweiten Hälfte. In einem der Träume tauchten Mitschülerinnen und Mitschüler von früher auf. Keine Ahnung warum, die habe ich seit dem Ende der vierten Klasse nicht mehr gesehen. Und das ist bei mir 37 Jahre her. Unser Gehirn ist manchmal schon komisch und hat zum Teil auch eine merkwürdige Auffassung von Humor.
Der Traum führte mich aber zum Thema Klassentrennung. Ist es nämlich so, dass nach der vierjährigen Grundschulzeit die Schülerinnen und Schüler meiner Klasse getrennt wurden. Wie überall in NRW auch. Es wurde selektiert nach Schulform. Ein paar waren laut Lehrer fürs Gymnasium geeignet, andere mussten auf die Hauptschule und ich sollte auf die Realschule.

Klassentrennung nach der Grundschule
coyot / Pixabay

Folgen der Klassentrennung

Ein paar der Mitschüler, mit denen ich gespielt hatte, wechselten zusammen mit mir auf die Realschule. Aber nicht alle. Diese Art der Klassentrennung hatte Folgen, die mir erst jetzt wieder richtig bewusst geworden sind. Man hat sich nämlich aus den Augen verloren. Was aus ihnen geworden ist, weiss ich nicht. In der fünften Klasse war alles neu und aufregend, so dass ich wohl auch nicht dazu gekommen bin, darüber nachzudenken. Zu einem ehemaligen Mitschüler hatte ich dann noch ein paar Wochen Kontakt, dann brach dieser ab.
Unterschiedliche Schulen, unterschiedliche Stundenpläne. Aber selbst auf der gleichen Schulform kann es zur Klassentrennung kommen, wie ich am Ende des fünften Schuljahrs erfahren musste. Auf Wunsch der Eltern wiederholte ich die fünfte Klasse. Für mich ein schmerzhafter Prozess.
Er führte dazu, dass ich von meinen Freunden aus der Grundschulzeit getrennt wurde. Unnötig, eigentlich. Mit etwas mehr Zeit und Rücksicht hätte ich das Schuljahr nicht wiederholen müssen. Aber unser Schulform nahm damals keine Rücksicht auf Spätentwickler.
Jahre später, als ich selber auf Lehramt studierte, hatte sich in Bezug auf die Klassentrennung nicht viel geändert. Auch nicht in den Köpfen derer, die mit mir studierten. Viele von ihnen waren Anhänger der Klassentrennung und nicht so wie ich begeistert von einer durchgängigen Schulform für alle.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren