Datenschutzerklärung verständlich

Datenschutzerklärung verständlich

Im Zuge der Anpassung für die DSGVO ist auch eine Überarbeitung der Datenschutzerklärung auf Websites erforderlich. Dabei werden über 80 Prozent dieser Texte automatisch erzeugt. Besonders hilfreich für den Besucher ist das nicht.

Roboter stricken Rechte

Der Teaser enthält zwei heikle Annahmen. Zum einen die, dass bestehenden Datenschutzerklärungen zu überarbeiten sind. Möglicherweise nicht falsch ist die Annahme (Ergebnis unter anderen aus persönlichen Beobachtungen), dass einige Websites bisher gar keine hatten. Die zweite Annahme betrifft meine Schätzung. Es könnte sein, dass hier die Dunkelziffer deutlich höher liegt. Das aber nur am Rande. Das eigentlich Thema ist nicht nämlich wesentlich spannender. beziehungsweise im Normalfall sterbenslangweilig.
In den vergangenen Tagen habe ich für Kunden viele Datenschutzerklärungen in deren Webseite eingebunden. So wie ich das auch vor einige Zeit bereits bei meinem Blog getan habe. Keiner der Kunden hat sich die Mühe gemacht, eine individuelle Datenschutzerklärung vorzulegen — im Übrigen auch ich nicht.
Die Texte stammen allesamt aus irgendwelchen frei (oder auch kostenpflichtigen) Online-Generatoren wie etwa der bei e-recht24.de — der derzeit immer noch wegen „Wartungsarbeiten“ offline ist.
Das absolute Highlight hatte ich vor ein paar Tagen. Die Datenschutzerklärung einer Rechtsanwältin, die sie einfach von einem Kollegen kopiert hat. Inklusive Fehler und falscher Links. Offensichtlich weiss die Damen, was sie da tut.

Datenschutzerklärung durch die Blume
3888952 / Pixabay

Datenschutzerklärung mit Charme

Man kann momentan nur den Kopf schütteln. Wegen der Falschinformationen, die kursieren. Aber auch wegen der ziemlichen Naivität einiger Mitmenschen. Da werden auf einer geschäftlichen Website Kinderfotos verwendet, ohne das eine Einverständniserklärung der Eltern vorhanden ist. Das war auch schon vor dem 25. Mai 2018 nicht wirklich in Ordnung. Hinweise auf postalische Werbung oder Newsletter sind auch wenig hilfreich, wenn man beides gar nicht nutzt.
Das Schlimmste jedoch ist die literarische Qualität der Erklärungen. Im besten Fall sind sie nur zum einschlafen. Lieschen Müller und Otto Normal werden wohl nur Bahnhof verstehen. Genau da liegt dann ein echtes Problem. Die Datenschutzerklärungen sollten eigentlich verständlich sein. Und am besten in einfacher Sprache geschrieben. Aber das bekommt nicht mal Aktion Mensch hin.
Das es tatsächlich auch anders geht, zeigt Andreas W. Ditze mit seiner Datenschutzerklärung. Die ist verständlich und hat Charme. Sehr viel sogar. Zu Recht wurde das in einer Facebook-Gruppe als Meisterstück bezeichnet.
Schau ich mir dagegen meinen Text zum Thema Datenschutz an, muss ich mich ein wenig schämen. Das geht doch besser! Schließlich hab ich selber beim Impressum deutlich mehr Kreativität beweisen.

Entsorgt Bürokratendeutsch

Bei mir finden sich solche bürokratischen Bandwürmer wie etwa „Die Datenverarbeitung auf dieser Website erfolgt durch den Websitebetreiber. Dessen Kontaktdaten können Sie dem Impressum dieser Website entnehmen.“ Da ist noch viel Luft nach oben.
Vor allem, aber das trifft in dieser Form wohl auch auf viele Blogs zu, passt die Tonlage der Datenschutzerklärungen nicht zum Spirit der restlichen Website. Wie man umfassend und verständlich formulieren kann, zeigt auch spotify. Dort sticht einem in der Einleitung sofort dieser Satz ins Auge: „Spotify möchte Ihnen die bestmögliche Erfahrung bieten, um sicherzustellen, dass Sie an unserem Service heute, morgen und in Zukunft Spaß haben.“
Spaß — eine Datenschutzerklärung, die ein Onlineformular generiert hat, steht so ziemlich für das Gegenteil davon.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren