Kopflos in Windsor

Kopflos in Windsor

Völlig aus dem Häuschen sitzen weltweit einige Menschen vorm Fernseher und schauen die sogenannte „Royal Wedding“. Tatsächlich gibt es keinen Grund kopflos und hirnbefreit eine fremde Hochzeit anzusehen.

Liebe(r) in Frankreich

Das es überhaupt in England noch die Monarchie gibt, ist weltweit betrachtet ein Anachronismus. Trotzdem gibt es auch außerhalb von England überzeugt Royalisten. Nicht alle davon lesen die Yellow Press, wobei das vermutlich hilft, um bei Klatsch auf dem neusten Stand zu sein. Monarchie ist nicht tot, sie nicht nur komisch. Wenn heute Harry Mountbatten-Windsor eine gewisse Meghan Markle ehelicht, stehen nicht nur in Großbritannien Menschen kopflos am Straßenrand. In Frankreich gibt es solche Schauspiele aus Gründen nicht mehr — kopflos war nach der Französischen Revolution hauptsächlich der Adel. Abgesehen davon gibt es in Frankreich die bessere Küche und keinen Brexit.
Wie komme ich überhaupt auf solchen Blödsinn? Nun, ich persönlich kann mit einer „königlichen“ Hochzeit genpusowenig anfangen wie mit der Monarchie an sich. Sie gehört nicht in unsere Zeit, auch wenn ich die Queen danke der Netflix-Serie The Crown sympathisch finde. Mit anderen Worten: ich sitze nicht vorm Fernseher und schwanke kopflos ein Fähnchen mit der einen Hand, während ich mir mit der anderen Hand Tränen der Rührung aus den Augen wische.

Kopflos in Windsor
cedlambert / Pixabay

Kopflos konsumieren

Die Hochzeit der beiden mir persönlich Unbekannten ist mir herzlich egal, genau so wie das damit verbunden Spektakel. Für mich sind Könige die, die sich in grauer Vorzeit Land unter den Nagel gerissen und andere ausgebeutet haben. Royal ist das nicht, sondern ziemlich erbärmlich. Meine persönliche Meinung, wie gesagt. Das mittlerweile selbst die Süddeutsche Zeitung dazu einen Livestream bringt — oh mein Gott! Peinlich, ausgesprochen peinlich.
Die Monarchie stünde (dank Queen Elisabeth II) für Stabilität. Kann man so sagen. Man kann aber auch draus lesen, dass wir bürgerlichen zu doof sind uns selber zu regieren. Kopflosen Bauern brauchen den Adel, der sie führt. Ja, ich kann mich richtig in Rage bei so was schreiben. Liegt wohl dran, dass ich gerade etwas über 1812 lesen und die Leibeigenschaft in Russland.
Mich interessiert nicht, wer eingeladen wurde. Dennoch ist es ein springender Punkt. Mit interessieren nämlich ausschließlich Hochzeiten, zu denen ich eingeladen wurde. Wildfremden Brautpaaren, die ich zufällig in der Stadt treffe, gratuliere ich nicht. Also brauche ich das auch nicht bei Harry und Meghan.
Man kann diese Hochzeit auch als Unterhaltung betrachten. Klar, kann ich nachvollziehen. Nur gibt es etwa bei Netflix Serien, die deutlich unterhaltsamer und vor allem günstiger sind als das, was da heute in Großbritannien veranstaltet wird.

Kommentar verfassen

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren