Thermomix aus der Hölle

Thermomix aus der Hölle

Glaube versetzt Berge. Doch auch wenn Vorwerk weiterhin an sein Wundergerät Thermomix glaubt, scheint dessen Zenit bereits überschritten zu sein.

Es bricht der Umsatz

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten — genau deswegen sollte man es auch tun. Besonders dann, wenn es um den Geschmack von Essen geht. Meine Großmutter wiederholte häufiger das Mantra „Mit dem Essen spielt man nicht“. Genau so ist. In der Küche gibt es zwei Sorten von Menschen. Solche die kochen können und solche, die es lieber nicht tun sollten. Und wie mit dem Kochen ist es wie mit Schwimmflügeln. Ernsthaft kommt niemand auf die Idee zu behaupten, er könne schwimmen, weil er sich mit den Dingern über Wasser halten kann.
Genau so ist es mit dem Thermomix. Man kocht damit nicht, sondern bedient ein Gerät nach dessen Vorgabe. Trends in der Küche kommen und gehen. Römertopf, Raclette Grill, Mikrowelle, Espressomaschinen — sie haben alle etwas gemeinsam. Es sind Hilfsmittel. Man muss ihren Umgang beherrschen. Das unterscheidet sie vom Thermomix.
Man merkt bereits bei den wenigen Sätzen, dass ich kein Freund des Gerätes bin. Ich koche einfach viel zu gerne, als das ich mich so einer Maschine unterwerfen würde. Abgesehen davon halte ich sie schlichtweg für überflüssig.

Thermomix (Symbolbild)
HOerwin56 / Pixabay

Thermomix oder kochen

Die Süddeutsche Zeitung berichtet heute über einen einbrechenden Umsatz bei Vorwerk. Deren Zugpferd Thermomix scheint erlahmt zu sein. Im Entsprechenden Beitrag auf Facebook gab es eine ganz Reihe von sehr hämischen Kommentaren dazu. Es war ein ziemlicher Genuss, diese zum Frühstück zu lesen. Viele stehen dem Thermomix genau so kritisch gegenüber wie ich. Es gibt viele Gründe, warum man mit dem Gerät nicht warm wird. Der Preis von über tausend Euro, ein merkwürdiges Vertriebssystem (Direktvertrieb) und schlicht die Tatsache, dass so ein komplexes Gerät erheblich anfälliger ist als ein Topf aus Edelstahl.
Darüber hinaus „kocht“ man mit dem Thermomix weder besser noch schneller. Kochen hat mit Leidenschaft, Inspiration, Kreativität und auch Improvisation zu tun. Wird es auf einen nüchternen Akt der Bedienung reduziert, fehlt dem Essen die Seele.
Das der Umsatz bei Vorwerk eingebrochen ist, hängt aber wohl er mit einer erreichten Marktsättigung zusammen. Wenn der Thermomix wirklich robust ist, benötigt man nicht andauern einen neuen. Zudem gibt es genügend Menschen, die ganz bewusst nicht zur Zielgruppe gehören wollen.

 

Terminierter Tee

Beim Thema Kochen kann man durchaus eine andere, unkritische Haltung vertreten und auf ein Helferlein in der Küche zurückgreifen. Bei Tee jedoch hört der Spaß nun wirklich auf. Es gibt nichts einfacheres als Tee zu kochen. Teebeutel sind keine besonders neue Erfindung und mit losem Tee ist es auch nicht besonders schwer. Heißes Wasser lässt sich schon mit den einfachsten Wasserkocher aus dem Supermarkt zubereiten. Profis nutzen gefiltertes Wasser (oder abgepackte, wovon ich allerdings nichts halte). Menge, Ziehzeit — so was bekommt mit wenig Übung raus. Oder man fragt den Teehändler seines Vertrauens.
Völlig überteuert und absolut überflüssig ist daher die neuste „Innovation“ von Vorwerk. Eine Teemaschine namens Terminal für 599 Euro (Einführungspreis). Die SPECIAL.T von Nestlé fand ich schon übertrieben und die war noch deutlich günstiger. Noch nicht klar ist, ob man bei dem Ding von Vorwerk nur Tee von Vorwerk nehmen darf. Aber eigentlich ist es unerheblich. Für den Preis, den die Maschine kostet, kauft man sich liber ein schönes Teeservice.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren