Integration und Wirklichkeit

Integration und Wirklichkeit

Die Integration von Menschen auf der Flucht in unser Land ist eine Herausforderung. Wir stellen ihr uns aus Nächstenliebe gerne. Sie hat aber auch ungeahnte Grenzen.

Generelle Schulpflicht

In Deutschland besteht eine generelle Schulpflicht, ohne Ausnahme. Diese gilt entsprechend auch für minderjährige Asylbewerber und Flüchtlinge, wie die Bundesregierung betont. Für die Betroffenen ist das in jedem Fall ein Gewinn. Bei der Umsetzung ergeben sich jedoch genau wie beim Thema Inklusion eine ganze Reihe von Herausforderungen.
Im Handelsblatt schrieb dazu im vergangenen September Simone Wermelskirchen einen Artikel unter der Überschrift „Jetzt anpacken“. Ausgerechnet eine Kölner Schule wurde besucht. Ausgerechnet deshalb, weil ich aus nächster Nähe eigene Berichte aus einer anderen Kölner Schule bekomme. Die sind dann nicht so positiv gefärbt. Es ist auch kein Blick von außen auf die Situation, sondern handelt von den Menschen, welche die Vorgaben in der Praxis umsetzen müssen.

Integration von Flüchtlingen
geralt / Pixabay

Integration als Mängelverwaltung

Die Praxis ist geprägt von Mängelverwaltung. Eine Fortbildung für den gesamten Lehrkörper hat es nie gegeben. Man wir etwa als Bio-Lehrerin einfach so auf Flüchtlingskinder und ihre besonderen Probleme (die nicht nur sprachlich bestehen) losgelassen. Nur vereinzelt wurden zusätzliche Stellen geschaffen. Politisch ist das Thema nicht gerade beliebt, genau gesagt wird es eher am Rand liegen gelassen. Ein Eindruck, den auch Wermelskirchen letztes Jahr hatte.
Klar kann man hier einfach den Standpunkt vertreten, „wir schaffen das“ — irgendwie. Hat ja auch bisher immer irgendwie im Bildungssystem mit seinen ganzen Problemen geklappt. Nur muss man allerdings sehen, welchen Preis so ein Durchgewurschtelt hat.
Auf der einen Seite führt es zu Frustration und Überlastung bei Lehrpersonal. Immer mehr Aufgaben, wofür es keine Entlastung, keine Weiterbildung gibt. Zum anderen führt es aber auch zu Frust und Enttäuschung bei den Schülerinnen und Schülern. Weniger Zeit für alle ist nur eines der Probleme. Mehr Konfliktpotential das andere.
Auch bei den Flüchtlingen selber ist die Enttäuschung vorprogrammiert. Verdeutlichen kann das ein Beispiel aus der Praxis. Die minderjährigen Flüchtlinge werden nicht nach Eignung an die Schulen und Schulformen verteilt, sondern nach einem Schlüsselverfahren, um sie möglichst gleichmäßig aufzuteilen. So kommt es, dass an einem Gymnasium mitunter Kinder sind, die selbst wenn man von den Sprachdefiziten absieht, nicht für das Gymnasium geeignet sind. Ergebnis des Ganzen: sie können kein Abitur machen und müssen nach der neunten Klasse die Schule verlassen. Das sorgt für Verbitterung, da man schon mitbekommen hat, wie wichtig Abitur zu sein scheint.

Mit Händen und Füßen

Mangels Sprachkenntnis beschwerte sich eine Schülerin kürzlich mit Händen und Füßen bei meiner Frau, dass sie die Schule nach der neunten Klasse verlassen soll. Angedacht war für sie eine Berufsschule — was aber auch neue Fragen aufwirft. Persönlich kann das Mädchen verstehen. Erst wird einem vorgegaukelt, man würde mit anderen Schülerinnen und Schülern zusammen lernen und gemeinsam bis zum Ende die Schulbank drücken, dann kommt das rote Stoppsignal.
Das was bei der Integration problematisch ist, wir sich auch noch bei der Inklusion zeigen. Kinder werden aus Klassen gerissen, weil sie ebene nicht über die notwendigen Anforderungen für das Abitur verfügen. Wieder einmal ist die Lösung einfach als gedacht, sie erfordert lediglich Mut. Mut, das Bildungssystem neu zu denken. Kleinere Klassen, eine Schule für alle und vor allem mehr Geld für Bildung. Ansonsten werden sowohl Integration als auch Inklusion an der Wirklichkeit scheitern.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren