Syrien als Dauerbrenner

Syrien als Dauerbrenner

Mit unverminderter Gewalt geht der Krieg in Syrien weiter. Nur wer kein Herz hat, den lässt das 3.800 Kilometer entfernte Drama kalt.

Zweiter Golfkrieg

Lange habe ich das Thema Syrien in der Presse verfolgt. Zum ersten Mal jedoch weckt es jetzt in mir auf, dass ich noch aus dem zweiten Golfkrieg kenne — und nie vergessen werden. Über die Betroffenheit hinaus eine persönliche Angst. Angst vor einem Militärschlag, der ausufert. Ein kurzer Rückblick auf den Anfang der 90er Jahre.
Damals ging es auch um die Befreiung Kuwaits, „unwiderlegbare“ Beweise und vor allem um den Zugang zu billigem Öl. In meiner Wahrnehmung und der vieler anderer reduzierte sich das auf letzteres. Eines der Poster aus dieser Zeit zeigt einen Bundeswehrsoldaten mit dem Spruch „Ich sterbe gerne für billiges Öl“. Das Plakat habe ich immer noch zu Hause, mitgebracht von einer Demo damals. Wir waren wütend und wir hatten Angst. Die Kirche standen nachts auf, ich ließ in meinem Zimmer ein Teeelicht brennen mit einem Friedenswimpel darunter. Gut erinnere ich mich noch an eine Menschenkette in Dinslaken, wo sich hunderte von Menschen an den Händen hielten und „Hevenu Shalom Alechem“ sangen. Die Angst vor einem ausufernden Krieg trieb uns um.

Syrien
ErikaWittlieb / Pixabay

Krieg in Syrien

Zum Krieg in Syrien habe ich mir schon häufiger Gedanken gemacht, auch hier im Blog. Die meisten Zeit jedoch verhalte ich mich wie viele andere Menschen auch in Deutschland: ich stecke leider meinen Kopf in den Sand. Wirklich, mich lässt das Thema nicht kalt, aber ich fühle mich hilflos — ein kleines Rädchen im Getriebe.
Wie der Despot Baschar al-Assad agiert, ist untragbar. Massenmord durch den Einsatz von Giftgas an der Zivilbevölkerung, so was kann man nicht hinnehmen. Hier ist die internationale Gemeinschaft gefragt. Die ist aber zerstritten, gespalten in mehrere Lager. Von einer einheitlichen Linie ist man weit entfernt, zu unterschiedlich sind die Interessen. Dazu kommt noch ein Mensch wie Donald Trump, der als US-Präsident absolut ungeeignet ist. Impulsiv gießt er mehr Öl ins Feuer.

Militärschlag sinnvoll?

Ein Militärschlag gegen Syrien halte ich für wenig sinnvoll. Er wird kein Menschenleben retten, im Gegenteil. Im Ergebnis verschärft er nur den Konflikt, zudem besteht die Gefahr einer Eskalation. Wenn Russland nicht nur Raketen der USA abschießt, sondern auch gegen das vorgeht, was die Raketen abgefeuert hat. Nicht unberechtigt ist der Vergleich der aktuellen Situation mit der Kubakrise. Nur das mit Trump ein alles andere als besonnener Präsident an der Spitze der USA steht.
Ob es Beweise für den Giftgaseinsatz gibt oder nicht, ist im Prinzip unerheblich. Der Krieg in Syrien kann nur durch Verhandlungen beendet werden. Die gelingen nur dann, wenn sich Ost und West einig sind. Egal was man von Russland und Putin hält, ohne ihn wird es keine wirkliche Lösung geben.
Echter Wahnsinn wäre ein Militärschlag, ein Abenteuer mit ungewissen Ausgang, eines, welches den Weltfrieden gefährden könnte. Und das macht mir Angst, sehr viel Angst.

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über Thomas Boley

Geboren wurde ich im Jahre des Herren 1971 in Wesel am Niederrhein – die Kommentare an dieser Stelle bezüglich des Bürgermeisters bitte verkneifen! Mein Verhältnis zu dieser Stadt würde wohl den Umfang dieser Seite sprengen. Nur soviel sei gesagt: Es ist durchaus durchwachsen, worin es sich aber nicht von meinem Verhältnis zu Bielefeld unterscheidet. Nach dem üblichen Werdegang (Kindergarten, Schule, Abitur, Zivildienst) und den üblichen jugendlichen Irrungen und Wirrungen verschlug es mich zum Studium nach Bielefeld verschlagen. 18 Jahre später ging es dann zurück an den Rhein, in die Domstadt Köln. mehr erfahren